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Speedinvest 4: 500. Millionen. Euro.

CEO Oliver Holle im Speedinvest-Büro in Wien. © Speedinvest
CEO Oliver Holle im Speedinvest-Büro in Wien. © Speedinvest

Exponentielles Wachstum hinauf in Unicorn-Höhen, danach jagen die Venture Capitalists (VCs) dieses Planeten 24/7. Wie aber sieht exponentielles Wachstum bei einem VC selbst aus? Vielleicht so:

Genau, richtig gelesen. Der neueste, vierte Fonds des Wiener VCs Speedinvest, über den es bereits seit Monaten immer wieder Gerüchte und neue Details gibt, ist satte 500 Millionen Euro schwer. Der Betrag teilt sich in zwei Teile: 300 Millionen Euro werden in neue Pre-Seed- und Seed-Tech-Start-ups (also über den „Seed Fund“ Speedinvest 4) investiert, während das restliche Kapital für ausgewählte Folgeinvestitionen in bestehende Speedinvest-Portfoliounternehmen („Opportunity Fund“) reserviert ist. „Wir haben einen Hard Cap von 350 Millionen Euro für den Seed Fund, also wir können noch weiteres Geld annehmen“, sagt CEO Oliver Holle im Interview mit Trending Topics.

Insgesamt erhöht das neue Kapital das verwaltete Anlagevolumen von Speedinvest auf mehr als 1 Milliarde Euro. Speedinvest, in den letzten Jahren sowieso bereits einer der aktivsten Investoren in Europa mit 6 Unicorns (Bitpanda, GoStudent, Open, Tier Mobility, Wayflyer, wefox) und 20 weiteren Soonicorns im Portfolio, steigt damit in die Oberliga der europäischen VC-Szene auf und kann mit Größen aus Deutschland, Großbritannien, Schweden oder Frankreich locker mithalten.

„Wir sind weiter unseren Prinzipien treu geblieben und bleiben in der Frühphase, als Pre-Seed und Seed“, sagt Holle. „Wir wollen in diesem Bereich der klare Marktführer in Europa sein, und dazu sind wir schon in der oberen Liga angekommen.“ Man werde in den nächsten drei Jahren ein Portfolio von etwa 100 neuen Startup-Unternehmen quer durch Europa (macht also im Schnitt 3 Mio. Euro je Startup, Anm.) aufbauen. Bedeutet also auch: Speedinvest wird alleine aus dem Seed-Fonds (300 Mio.) in den nächsten drei Jahren also pro Woche etwa 2 Millionen Euro für Startup-Beteiligungen ausgeben. Rechnet man die 200 Mio. Euro des Opportunity Fund dazu, sind es 3,3 Millionen.

Keine Fokus-Fonds mehr

Mit dem Investieren hat Speedinvest schon begonnen – etwa 12 Deals hat man schon gemacht, 2 davon in Österreich, 2 in ClimateTech (NeoCarbon und Cylib). Sektorale Teams mit Branchen-Expertise kümmern sich um die Verticals Fintech, Marketplaces & Consumer, SaaS (u.a. auch Web3), IndustrialTech, DeepTech und HealthTech. „Der große strukturelle Unterschied ist, dass wir keine Fokus-Fonds mehr haben. Alle Teams sind unter einem Dach-Fonds vereint, was uns für große institutionelle Investoren, die uns für unsere unternehmerische Kreativität nicht immer geschätzt haben“, so Holle schmunzelnd. Bedeutet: Die Fokus-Fonds der Vergangenheit, wie man sie etwa für Marktplätze, Industrie und Fintech auflegte.

Die LPs (Limited Partners, Anm.) des neuen Fonds sind New Enterprise Associates (NEA), der Europäische Investitionsfonds (EIF), der französische Staatsfonds Bpifrance, die Raiffeisen Bankengruppe Österreich, die Erste Bank und KfW Capital aus Deutschland. Auch weitere große staatliche Fonds, Banken, Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds und Family Offices seien mit dabei. „Das sind genau diese Investoren, die Komplexitäten nicht schätzen und dieses Setup, das wir mit den Seiten-Vehikel, die gemeinsam mit dem Haupt-Fonds investierten, nicht mochten“, so Holle. Weitere Geldgeber sind Gründer:innen aus dem Speedinvest-Portfolio, etwa von Bitpanda, GoStudent, Billie, Planetly, Twaice und Yokoy. „Österreich ist auf der LP-Seite weiterhin ein wichtigste Standbein.“ Hierzulande wird es auch wieder mehr Speedinvest-Engagement zu sehen geben. „Wir haben keine spezifische Quote für Österreich, aber wir glauben, dass wir mehr österreichische Deals machen als in der Vergangenheit. Dass wir viele Scale-ups und Unicorns in Österreich haben, führt dazu, dass da neue Teams herauskommen, die sich beweisen wollen“, sagt Holle.

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„2022 war das schwierigste Jahr fürs Fundraising“

„2022 war das schwierigste Jahr fürs Fundraising in den letzten 10, 15 Jahren. Wirklich hart. Uns ist das gelungen, weil alle existierenden Investoren zurückgekommen sind und zum Teil signifikant erhöht haben“, sagt Holle. „Wir sind auch eine viel etabliertere Marke als noch vor zwei drei Jahren und waren in einer vergleichsweise starken Position, um zu raisen. Für ganz viele andere, die mit der ersten oder zweiten Fonds-Generation am Start sind, ist es wirklich hart. Die ganzen US-LPs haben mit dem Start des Kriegs Europa einfach vom Tisch genommen.“ Aber so schnell wie die weg waren, könnten sie wieder kommen. „Dieses Jahr und nächstes Jahr sind Sonderfälle, aber langfristig werden sie wieder Kapital nach Europa allokieren, weil es einfach Sinn macht. Europa ist und bleibt eine hoch attraktive Region für Innovation.“

„Wir sind erst am Anfang der Dürre-Phase. Das Geld sitzt derzeit wirklich auf der Bank. Wer nicht muss, der geht derzeit nicht fundraisen. Es warten viele ab, wo die Preise landen werden. Wenige werden viel Geld bekommen und ganz viele werden gar kein Geld bekommen“, sagt Holle. „Das ist sehr heikel für Startups, die in Berlin, London oder Paris nicht bestens vernetzt sind.“ Der „russische Winter“, in dem sich auch die Tech-Welt aktuell befindet (Downrounds, Massenkündigungen, Insolvenzen usw.) werde nicht so schnell vorbei sein, ganz nach dem Motto: Bevor es wieder heller wird, wird es noch dunkler.

„Ich rechne damit, dass einige prominente Startups es nicht schaffen werden, ich rechne mit mehr M&A, mit mehr Konsolidierung. Auch in unserem Portfolio werden wir verkaufen müssen. Da werden Frühphasen-Investoren wie wir ziemlich abgestraft. Aber das ist in unser Business-Modell eingepreist, wir können nicht jede Firma über die Ziellinie bringen“, sagt Holle. Der Selektionsdruck bei Series A und Series B sei sehr hoch, da würden es nur die Besten der Besten schaffen, große neue Runden zu machen. Was aber auch trotz der vielen Rückschläge festzuhalten ist: Auch wenn 2022 nicht an das Rekordjahr (oder Hype-Jahr?) 2021 heranreichen wird, trotzdem wurden dieses Jahr etwa eine Milliarde Euro in österreichische Startups, Scale-ups und Unicorns investiert, europaweit waren es etwa 85 Milliarden Euro (Trending Topics berichtete).

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„Ich hoffe, dass uns viele kopieren“

Speedinvest ist mit großen neuen Donds nicht alleine am Markt unterwegs. Dem neuestens „State of European Tech“-Report zufolge sitzen VCs auf satten 84 Milliarden Euro, die in den nächsten Jahren in Europas Tech-Unternehmen gepulvert werden können. Holle ist mit seinem VC-Unternehmen, das mittlerweile Büros in nahezu allen wichtigen Startup-Hubs Europas Büros betreibt (Berlin, Paris, London, München, Wien), in der Oberliga von Europas VC-Branche angelangt. Während viele andere VCs über kleine Teams agieren, hat Speedinvest eine große Truppe, die in branchenspezifischen Teams – mit operativer Unterstützung durch das Plattform+ Team – und europaweit mit mehreren Niederlassungen agiert.

Stellt sich auch die Frage: Ist Speedinvest gar selbst auf dem Weg zum Unicorn? Was würden Sequoia oder Peter Thiel zahlen müssen, wenn sie Speedinvest kaufen wollen würden? „Gott sei Dank musste ich mir die Frage nie stellen“, lacht Holle. „Das Schöne ist, dass wir mit Speedinvest ein Modell aufgebaut haben, das einzigartig ist. Ich hoffe eher, dass uns viele kopieren, als dass wir gekauft werden. Ja, wir haben schon viel bewiesen, aber noch nicht alles.“

Disclaimer: Speedinvest ist Investor von Trending Topics.

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