Energie

Wärmepumpen: Auch die Alternative zu Gas- und Ölheizung wird teurer

Das Team von Lambda Wärmepumpen © Lambda Wärmepumpen
Das Team von Lambda Wärmepumpen © Lambda Wärmepumpen

Aufgrund der massiven Preisanstiege von Erdgas stehen alternative Formen der Beheizung derzeit hoch im Kurs. Ganz vorne stehen dabei Wärmepumpen. Sie gelten oft als die beste Alternative zu Gas- und Ölheizungen. Viele heimische Startups, darunter Ecop Technologies aus Oberösterreich sowie Lambda Wärmepumpen und Ovum aus Tirol, setzen genau auf diese Technologie und sind derzeit gut positioniert. Doch trotz des Booms muss bedacht werden, dass auch Wärmepumpen Strom verbrauchen.

Der Energiekonsum kann dabei durchaus hoch sein und dadurch die finanzielle Ersparnis senken, berichtet t-online mit Berufung auf den Heizspiegel 2022, eine Studie zu den Heizkosten in Deutschland.

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Nachfrage mit Ukraine-Krieg deutlich gestiegen

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs ist das Interesse an Wärmepumpen in die Höhe geschossen. In Österreich zeigt sich das bei Google Trends, wo im März, als der Krieg begonnen hat, die Suchen nach dem Begriff besonders gestiegen sind. Auch im September gab es einen sichtbaren Anstieg. Wärmepumpen genießen einen guten Ruf, sie lassen sich relativ einfach installieren und die Betriebskosten sind – abgesehen vom Strompreis – eher gering. Dazu kommt, dass die Technologie sehr nachhaltig ist.

„Die Nachfrage ist ungebrochen hoch. Bereits vor der Energiekrise waren wir aufgrund des Klimawandels voll ausgelastet. Mit dem Beginn der Energiekrise sind die Anfragen nochmals deutlich gestiegen“, erzählt Stefan Radinger, Vertriebsleiter bei Ovum. Ähnlich sieht es bei Lambda aus. „Seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich die Situation nochmal extrem verschärft“, so Florian Entleitner, Mitgründer von Lambda. „2022 werden wir insgesamt 1.000 Wärmepumpen produzieren und für nächstes Jahr haben wir Material für 4.000 Wärmepumpen vorbestellt.“

Ecop bietet seine „Rotation Heat Pump“ speziell für den Einsatz in Industrieunternehmen und bei Nah- und Fernwärmebetreibern an. Auch in der Industrie ist laut Ecop die Nachfrage stark gestiegen.

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Wärmepumpen können viel Strom verbrauchen

Am häufigsten sind Luftwärmepumpen in Gebäuden zu finden. Diese saugen Außenluft an und bringen sie mit einem Kältemittel in ihrem Inneren zusammen, das sich dadurch erhitzt. Die so entstehende Wärme wird dann in den Heizkreislauf eines Hauses eingeführt. Ebenfalls gibt es die Erdwärmepumpe, durch die Wärme aus tiefen Erdschichten nutzbar wird. Dafür benötigen alle Arten von Wärmepumpen Strom, weshalb es wichtig ist, die Anlagen mit Erneuerbaren Energien zu betreiben.

Viele Energienetzbetreiber bieten einen speziellen Stromtarif für Wärmepumpen an. Dieser ist oftmals günstiger als der „normale“ Strompreis, darf jedoch ausschließlich für die Wärmepumpe genutzt werden. Die Abrechnung erfolgt dann über einen separaten Stromzähler. Dennoch gibt es bei der Berechnung des Stromverbrauchs einige Fallstricke. Denn wie hoch er ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

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Verteuerung vorhanden – aber geringer als bei Öl und Gas

Zu den Faktoren zählen unter anderem die Art und das Alter der Immobilien, die Anzahl der Außenwände, die Anzahl von vorhandenen Dämmungsmaßnahmen, die Art der Wärmepumpe, das Verbrauchsverhalten der sich im Haushalt befindlichen Personen sowie die Größe der Wohnfläche. Diese Faktoren können sich stark auf die Stromrechnung und damit auch auf die Kosten auswirken, womit Wärmepumpen möglicherweise doch keine so günstige Alternative sind.

Laut dem Heizspiegel 2022 erhöhen sich nicht nur bei Erdgas und Öl die Preise stark. Auch Wärmepumpen werden dieses Jahr wohl wesentlich teurer. Im vergangenen Jahr haben sich die Kosten für sie bereits um 15 Prozent erhöht, während es bei Erdgas einen Anstieg von 20 Prozent und bei Heizöl um 51 Prozent gab. In diesem Jahr jedoch prognostiziert der Heizspiegel einen Anstieg von satten 53 Prozent bei Wärmepumpen. Erdgas wird allerdings um 63 Prozent teurer, Heizöl ebenfalls um 53 Prozent. Somit ist die Verteuerung bei den Wärmepumpen zwar definitiv vorhanden, aber immer noch geringer als beim „klassischen“ Heizen.

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Stromverbrauch und Kosten lassen sich reduzieren

Sowohl Bewohner:innen einer Wohnung als auch eines Hauses können den Stromverbrauch der Wärmepumpe und somit ihre Stromkosten aber senken. Zu effektiven Maßnahmen zählen das Senken der Raumtemperatur, das bewusste Heizen, die Verringerung der Vorlauftemperatur oder auch das regelmäßige Warten der Wärmepumpe.

„Je effizienter eine Wärmepumpe arbeitet, desto weniger Strom wird benötigt, es spielen aber auch noch andere Punkte eine große Rolle. Der Umstieg auf LED-Beleuchtung, Stoßlüften statt Fenster gekippt halten, Dämmung und Fenstertausch bei alten Gebäuden und vieles mehr sind hier Möglichkeiten“, empfiehlt Stefan Radinger. Manuel Krall von Lambda rät dazu, die Vorlauftemperatur zu verringern, um den Stromverbrauch zu verringern.

Es gibt also Möglichkeiten, den Stromverbrauch und damit die Kosten zu reduzieren. Was sich schwer reduzieren lässt, sind derzeit dagegen die Preise für die Anschaffung so einer Pumpe. Eine Luftwärmepumpe kostet ohne Installationskosten in etwa zwischen 8.000 und 16.000 Euro.

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Branche kämpft mit Lieferkettenproblemen

An den Preisen wird sich vermutlich wenig ändern, vor allem weil die Nachfrage hoch ist und die Anbieter außerdem momentan mit schweren Lieferkettenproblemen zu kämpfen haben. „Wir haben Komponenten, die Lieferzeiten von eineinhalb Jahren haben“, sagt Florian Entleitner von Lambda. „Wir kämpfen immer wieder mit bestätigten Lieferterminen, die seitens unserer Lieferanten nicht eingehalten werden. Das ist im Moment sicher die größte Herausforderung.“

Auch Ovum ist mit solchen Problemen konfrontiert. „Da wir jedoch nur an ausgewählte und geschulte Installationsbetriebe vertreiben, ist es uns gelungen Lieferketten zufriedenstellend sicherzustellen. Natürlich müssen unsere Kunden aktuell auch sechs bis acht Monate auf die Geräte warten, da die Zulieferer, wie überall in der Branche, große Probleme haben. Lieferkettenprobleme gibt es vor allem im Bereich Ventilatoren, Wärmetauscher und Verdichter – hier wird heute das Material für 2024 geordert, da die Lieferzeit dieser Teile bis zu 17 Monate beträgt“, so Stefan Radinger.

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