Erklärungsbedarf

Binance: US-Justiz macht Jagd auf größte Krypto-Börse

Binance. © Kanchanara on Unsplash
Binance. © Kanchanara on Unsplash

CZ ist ein Star seiner Branche, aber auch ein Gejagter. Changpeng „CZ“ Zhao gilt als einer der reichsten Menschen des Planeten; aber nicht nur Fans interessieren sich für seine Historie, sondern auch die US-Behörden. Wie aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervorgeht, soll die US-Justiz bereits 2020 Dokumente der größten Krypto-Börse der Welt, Binance, in Bezug auf Maßnahmen gegen Geldwäsche herausgefordert haben.

Auch an der Kommunikation von Binance-Gründer Zhao und 12 weiteren Managern des undurchsichtigen Unternehmens sind die Behörden interessiert. Insgesamt geht es um 29 verschiedene Anfragen, es werden Dokumente seit der Gründung 2017 gefordert. Ihnen geht es darum, herauszufinden, wie und ob die Krypto-Exchange illegale Transaktionen und Anwerbung von US-Kunden durchgeführt hat. Im Kern geht es offenbar um die Frage, ob Binance den Bank Secrecy Act der USA verletzt hat. Dem Gesetz nach müssen sich Kryptobörsen beim Finanzministerium registrieren lassen und die Anforderungen zur Bekämpfung der Geldwäsche erfüllen, wenn sie in den Vereinigten Staaten „wesentliche“ Geschäfte tätigen. Dazu hat Binance eigentlich eine eigene US-Tochter, Binance.US, ins Leben gerufen.

Binance steht seit längerem im Visier der Behörden. Zuletzt musste das Unternehmen eine Millionenstrafe in den Niederlanden bezahlen, weil es dort ohne Lizenz der Zentralbank unterwegs war. Die Strafe betrug 3,325 Millionen Euro – wohl verkraftbar für den Milliarden schweren Konzern. Schon davor gab es schwere Vorwürfe wegen mutmaßlicher Geldwäsche auf der Plattform. Die hat Binance nie direkt dementiert, sondern konterte mit dem Satz: „Weder unsere Branche noch Binance sind perfekt.“

Binance: Geldwäsche-Verdacht in Milliardenhöhe – Exchange kontert

Turbulente Geschichte von CZ

Auch nach den neuerlichen Berichten rund um die US-Justiz steht CZ wieder mit dem Rücken zur Wand. In einem neuen Blogpost streitet er etwa ab, dass Binance ein chinesisches Unternehmen unter Einfluss des autoritären Regimes wäre. Er selbst sei zwar in China geboren, doch er und seine Mutter hätten China kurz nach dem Massaker am Tiananmen Square 1989 in Richtung Kanada verlassen. Später hätte er dann 2005 ein IT-Startup in Shanghai mit Briten, Amerikanern und Japanern gegründet – aber das wäre ein „Wholly Owned Foreign Enterprise“ (WOFE) gewesen.

Zwischen 2005 und 2015 sei er dann in verschiedenen Startups unterwegs gewesen, bis er dann Bijie Tech – ein Startup mit Exchange-as-a-Service-Software – gestartet hätte. Etwa 30 Kund:innen hätte es gegeben, die Handelsplattformen für Briefmarken, Basketball-Karten etc. damit umgesetzt hätten. 2017 verbot die chinesische Regierung Börsen aller Art. Diese Zeitperiode nennt CZ als Ursprung für die Idee zu Binance. Doch durch das Verbot sei man dann aber gezwungen worden, China zu verlassen.

Mysteriöse „Mitgründerin“, die keine ist

Auch die Gerüchte, dass eine gewisse Guangying (Heina) Chen die wirkliche Binance-Eigentümerin und gleichzeitig chinesische Staatsbeamtin sei, dementiert CZ. Sie hätte bei seinem Startup Bijie Tech angefangen und sei dann eine der frühen Binance-Mitarbeiter:innen gewesen – und hätte dann auch China verlassen. Deswegen würde sie in frühen Dokumenten der Firma auftauchen, sei aber weder Eigentümerin noch chinesische Staatsbeamtin, sondern würde in Europa leben.

„Binance wurde nie in China gegründet. Wir operieren auch kulturell nicht wie ein chinesisches Unternehmen. Wir haben Tochtergesellschaften in vielen Ländern, darunter Frankreich, Spanien, Italien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain, um nur einige zu nennen. Aber wir haben keine juristischen Personen in China, und wir haben auch keine Pläne dafür“, so CZ. Von ihm ist bekannt, dass er viel zwischen Paris und Dubai unterwegs ist – aber ein HQ hat das Unternehmen keines.

Keine Lizenz: Millionenstrafe für Binance in den Niederlanden

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