Block: Börsennotiertes Fintech entlässt 40% des Teams wegen KI
Das Fintech-Unternehmen Block reduziert seine Belegschaft um nahezu die Hälfte. Von über 10.000 Beschäftigten bleiben nur knapp 6.000 übrig. Mehr als 4.000 Mitarbeiter werden entlassen oder treten in Konsultationsverfahren ein. CEO Jack Dorsey kündigte die Maßnahme in einem internen Schreiben an, das die Entscheidung mit einer grundlegenden Transformation der Arbeitsweise begründet.
Anzumerken ist, dass der Aktienkurs von Block in den letzten Jahren massiv gelitten hat und in den vergangenen Jahren um etwa 75% eingebrochen ist. Block war früher unter der Marke Square bekannt, das als Payment-Firma immer noch Teil des Unternehmens ist. Dann weitete man die Geschäftsmodelle aus etwa, durch die Cash App, Afterpay, den Musik-Streaming-Dienst Tidal und Proto sowie einen starken Fokus auf Bitcoin und Krypto-Payments. Das fruchtete aber nicht wirklich.
Die Quartalszahlen, die Block zuletzt präsentierte, waren eigentlich sehr stark. Das Unternehmen prognostizierte für das erste Quartal einen Betriebsgewinn von 600 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Schätzungen der Analysten von 574 Millionen US-Dollar. Die Prognose für den Bruttogewinn von 2,8 Milliarden US-Dollar lag ebenfalls über dem Konsens von 2,72 Milliarden US-Dollar, während der Bruttogewinn für das Gesamtjahr nun voraussichtlich 12,2 Milliarden US-Dollar erreichen wird, was einem Anstieg von 18 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Abfindungspaket und Übergangshilfen
Die betroffenen Mitarbeiter erhalten ein umfangreiches Abfindungspaket. Dieses umfasst 20 Wochen Gehalt plus eine zusätzliche Woche pro Jahr der Betriebszugehörigkeit, Eigenkapitalbeteiligungen bis Ende Mai, sechs Monate Krankenversicherung, ihre Firmengeräte sowie 5.000 Dollar Übergangshilfe. Für Mitarbeiter außerhalb der USA gelten ähnliche Regelungen, die an lokale Anforderungen angepasst sind.
Künstliche Intelligenz als Auslöser
Dorsey betont, dass die Entscheidung nicht aus wirtschaftlicher Not getroffen wurde. Das Unternehmen sei in guter Verfassung: Der Bruttogewinn wachse weiter, die Kundenzahl steige und die Profitabilität verbessere sich. Als Hauptgrund nennt er vielmehr einen fundamentalen Wandel in der Arbeitsweise.
„Wir sehen bereits, dass die Intelligence-Tools, die wir entwickeln und nutzen, gepaart mit kleineren und flacheren Teams, eine neue Art des Arbeitens ermöglichen, die grundlegend verändert, was es bedeutet, ein Unternehmen aufzubauen und zu führen. Und das beschleunigt sich rasant.“
Einmaliger Schnitt statt schrittweiser Abbau
Der CEO erklärt, er habe sich bewusst gegen einen schrittweisen Personalabbau über Monate oder Jahre entschieden. Wiederholte Entlassungsrunden seien destruktiv für Moral, Fokus und das Vertrauen von Kunden und Aktionären. Stattdessen wolle er mit einer klaren, harten Maßnahme eine Position schaffen, von der aus das Unternehmen nach eigenen Vorstellungen wachsen könne, anstatt ständig auf Marktdruck zu reagieren.
Neue strategische Ausrichtung
Block plant, künftig Künstliche Intelligenz in den Kern aller Aktivitäten zu integrieren. Dies betrifft die Arbeitsweise, die Produktentwicklung und den Kundenservice. Dorsey kündigt an, dass auch Kunden diesen Wandel spüren werden. Das Ziel sei es, ihnen zu ermöglichen, eigene Funktionen direkt zu erstellen, die auf den Fähigkeiten von Block basieren und über dessen Schnittstellen bereitgestellt werden.
Anders als bei vielen Tech-Entlassungen sollen die betroffenen Mitarbeiter nicht sofort aus allen Systemen entfernt werden. Kommunikationskanäle bleiben bis Donnerstagabend (pazifischer Zeit) geöffnet, damit sich Kollegen angemessen verabschieden können. Dorsey plant zudem eine Live-Video-Sitzung, um sich bei allen zu bedanken. Er räumt ein, dass dies unangenehm wirken könnte, bevorzuge aber einen menschlichen Ansatz gegenüber einer effizienten und kalten Abwicklung.
Der CEO übernimmt die volle Verantwortung für die Entscheidung und betont, dass die Entlassungen keine Bewertung der individuellen Leistungen darstellen. Die verbleibenden Mitarbeiter fordert er auf, gemeinsam mit ihm ein Unternehmen aufzubauen, in dem Intelligenz im Zentrum aller Prozesse steht.

