Tractive: Bending Spoons zahlt 770 Millionen Euro – mehr als 50% Jobs abgebaut
Der Verkauf des oberösterreichischen Start-ups Tractive an den italienischen Softwarekonzern Bending Spoons markiert einen der bedeutendsten Deals der österreichischen Startup-Geschichte. Während der Kaufpreis neue Maßstäbe setzt, sorgt die damit verbundene Umstrukturierung am Standort Pasching für erhebliche Verunsicherung.
Der Verkauf des in Pasching ansässigen Unternehmens, das international für seine GPS-Tracker für Haustiere bekannt ist, hat durch die Veröffentlichung von Börsenunterlagen eine neue Dimension erreicht. Dem Börsenprospekt von Bending Spoons zufolge werden insgesamt 900 Mio. Dollar, also umgerechnet 770 Mio. Euro, für Tractive bezahlt:
„On March 25, 2026, we entered into a definitive agreement to acquire tractive GmbH, an Austria-based technology company specializing in GPS tracking and health monitoring devices for pets. Founded in 2012, tractive GmbH develops collar-mounted devices and a companion mobile application that enable pet owners to monitor their animals’ real-time location, activity levels, and health metrics, supported by a subscription-based model. The transaction was subsequently completed on May 18, 2026, for a total consideration at closing of $781 million plus an additional deferred consideration of $119 million payable one year after closing.“
Mit dieser Summe gehört die Transaktion zu den höchsten, die jemals für ein österreichisches Startup erzielt wurden. Tractive, das im Jahr 2012 gegründet wurde, erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro und galt vor der Übernahme als das einzige „Einhorn“ Oberösterreichs. Doch der finanzielle Erfolg des Exits steht im starken Kontrast zu den Entwicklungen am Standort in Pasching.
Massiver Stellenabbau am Standort Pasching
Hinter dem Rekordpreis verbirgt sich eine tiefgreifende strategische Neuausrichtung des Mutterkonzerns. Berichten zufolge plant Bending Spoons einen massiven Stellenabbau, der rund 160 Arbeitsplätze betreffen könnte (Trending Topics brichtete). Damit wäre mehr als die Hälfte der rund 300 Beschäftigten von den Entlassungen betroffen. Besonders schwer wiegt dies für das internationale Team, das laut Unternehmensangaben aus Mitarbeitenden aus etwa 40 Nationen besteht.
Bending Spoons selbst kommentierte die genaue Zahl der Stellenstreichungen bisher nicht, verwies jedoch darauf, dass eine „schlankere Organisation“ notwendig sei, um die langfristige Flexibilität und den Fokus des Unternehmens zu sichern. Den betroffenen Mitarbeitenden sollen Abfindungen angeboten werden, die über dem Branchenstandard liegen.
Automatisierung und der Weg an die Börse
Diese drastische Konsolidierung ist Teil einer übergeordneten Strategie von Bending Spoons, die offenbar auf einen geplanten Börsengang (IPO) hinarbeitet. Um die Effizienz der akquirierten Unternehmen zu maximieren und die Organisation für die Kapitalmärkte vorzubereiten, setzt der Konzern auf eine hochgradige technische Automatisierung.
Anstatt auf große Personalstämme in den operativen Bereichen zu setzen, nutzt Bending Spoons eine eigene, proprietäre Software-Infrastruktur. Mit Tools wie „Minerva“, „Juno“, „Xina“, „Matrix“ oder „Galf“ werden zentrale Geschäftsbereiche – darunter Marketing, User Experience (UX), Zahlungsverkehr (Payments) und Analytics – weitgehend automatisiert gesteuert.
Diese Vorgehensweise, nach Übernahmen massiv Personal abzubauen und durch Technologie zu ersetzen, ist bei Bending Spoons kein neues Phänomen. Ähnliche Muster zeigten sich bereits bei der Übernahme bekannter Tech-Marken wie WeTransfer oder Vimeo. Während der Konzern damit eine hocheffiziente Struktur anstrebt, bleibt für den Standort Pasching ungewiss, in welchem Umfang Forschung, Entwicklung und die damit verbundenen Arbeitsplätze in Oberösterreich erhalten bleiben.

