Meinung

Der Strompreisdeckel ist zu simpel für ein komplexes Problem

Oliver Janko & Jakob Steinschaden. © Trending Topics
Oliver Janko & Jakob Steinschaden. © Trending Topics

Seit einigen Tagen diskutiert Österreich über einen Strompreisdeckel. Der Staat würde in diesem Fall den Strom subventionieren und damit für die Bevölkerung vergünstigen. Die steigenden Energiepreise schüren Ängste vor dem Winter, treiben die Inflation nach oben und verteuern damit direkt die Lebenshaltungskosten.

Dennoch ist ein Strompreisdeckel nicht die passende Lösung für die genannten Probleme. Wie so oft überlegt Österreich zur Gießkanne zu greifen, statt zielgerichtet zu unterstützen.

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Der nächste Gutschein?

Vielleicht kommt ja in den nächsten Monaten der nächste Brief ins Haus geflattert, mit einem „Gutschein“ aus Steuergeld, umständlich einzulösen und viel zu gering bewertet – dafür aber für so gut wie alle. Das ist, was mit dem Energiegutschein passiert ist: Eine grundsätzlich gute Idee, viel zu stark bürokratisiert und nicht zu Ende gedacht. Wer zu viel verdient, bekommt den Gutschein zwar, darf ihn aber nicht benützen. Wer wenig verdient, darf ihn nutzen, springt mit 150 Euro aber auch nicht allzu weit. Das Beispiel soll vorrangig beschreiben, dass es alles andere als einfach ist, für komplexe Probleme möglichst simple Lösungen zu finden.

Genau das wäre aber auch der Strompreisdeckel. Wird er umgesetzt, wie vielfach gefordert, ist er im Prinzip auch nur ein Zuschuss für die Haushalte, nur eben indirekter Natur. Passiert das ohne weitere Eingriffe, freut sich die breite Masse über (wieder) günstigen Strom – aber eben auch die Spitzenverdiener. Natürlich ließe sich auch ein System mit treffsicheren Bewertungsmethoden schaffen, das dauert aber – und gerade an Zeit fehlt es uns dieser Tage in allen Belangen.

Das ist die eine Seite unserer Kommentar-Serie „zweiseitig“. Was Jakob zum Strompreisdeckel denkt, lest ihr hier:

Der Strompreisdeckel ist richtig, wenn er Einkommensschwachen hilft

Energieverschwender:innen sollen zahlen

Dazu kommt, dass der Staat im Falle eines Strompreisdeckels massiv in die Wirtschaft eingreifen müsste. Das finden bei weitem nicht alle gut – und sollte grundsätzlich nicht Usus werden. Und, nicht außer Acht zu lassen: Wird der Strom durch staatliche Unterstützung wieder deutlich günstiger, fällt jeder (ungewollte) Lenkungseffekt – oder besser Marktsignale – weg.

Heißt im Klartext: Wer nicht sparen muss, ver(sch)wendet Energie wieder wie zu vor. Das ist allerdings ein Umstand, den wir uns schlichtweg nicht mehr leisten können. Ja, jeder kennt das Argument mit der Bobo-Blase und dem absoluten Unverständnis der Städter für Autofahrer:innen. Nur: Das ist schlichtweg falsch. Nur weil ein Energiepreisdeckel keine Option ist, heißt das ja nicht, dass keine Unterstützung erfolgen soll. Wer das Auto braucht, soll es sich natürlich auch leisten können. Er oder sie muss aber nicht unbedingt zum Spaß auf den Kahlenberg ballern.

Viel zitiert ist hier der Vorschlag von Herrn Felbermayr vom Wifo: Haushalte erhalten einen Grundverbrauch, der subventioniert wird. Ist der zu Ende, kostet der Strom den vollen Preis. Damit läuft auch weiterhin die Waschmaschine, aber die breite Masse zahlt nicht den Spaß der Besserverdiener:innen. Wer in der Krise Luxus will, muss ihn bezahlen.

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