KI

Cohere aus Kanada übernimmt Aleph Alpha, gemeinsame Bewertung bei 20 Milliarden Dollar

Office of Cohere. © Cohere
Office of Cohere. © Cohere

Das kanadische Unternehmen Cohere übernimmt das Heidelberger KI-Start-up Aleph Alpha. Das fusionierte Unternehmen wird auf rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet und soll mit Doppelsitz in Kanada und Deutschland operieren. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aleph-Alpha-Aktionäre sowie der zuständigen Behörden.

Die Transaktion im Überblick

Cohere behält als der größere Partner seinen Namen. Aleph-Alpha-Aktionäre erhalten laut CNBC eine Cohere-Aktie für je neun gehaltene Anteile. Ob die Marke Aleph Alpha in irgendeiner Form fortbestehen wird, ist bislang nicht bekannt.

Im Zentrum des Deals steht das Konzept der sogenannten „souveränen KI“: Systeme, bei denen Kunden die volle Kontrolle über ihre Daten und Infrastruktur behalten. Beide Unternehmen richten sich an Unternehmens- und Regierungskunden in regulierten Sektoren wie Finanzen, Verteidigung und Gesundheitswesen.

Die Rolle der Schwarz-Gruppe: Lidl, Kaufland und STACKIT

Eine zentrale Rolle in dem Deal spielt die Schwarz-Gruppe, Mutterkonzern von Lidl und Kaufland. Das Handelsunternehmen war bereits mit über 20 Prozent an Aleph Alpha beteiligt und führt nun eine Finanzierungsrunde über 600 Millionen US-Dollar an.

Neben dem Kapital bringt die Schwarz-Gruppe auch technische Infrastruktur ein. Die Cloud-Plattform STACKIT, betrieben von der Schwarz-Tochter Schwarz Digits, soll künftig als technische Grundlage für den Einsatz von Coheres KI-Systemen dienen. Damit sichert sich der Konzern eine strategisch wichtige Position im entstehenden Unternehmen.

Der Einfluss der Schwarz-Gruppe auf Aleph Alpha war in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Mit Reto Spörri, zuvor Leiter des Online-Geschäfts bei Lidl, rückte im August 2025 ein Schwarz-Manager als Co-CEO neben Gründer Jonas Andrulis. Wenige Monate später musste Andrulis den Posten vollständig räumen.

Wer führt das neue Unternehmen?

An der Spitze des fusionierten Unternehmens steht Aidan Gomez, Mitgründer und bisheriger CEO von Cohere. Gomez ist ehemaliger Google-Brain-Forscher und gilt als eine der bekanntesten Persönlichkeiten in der internationalen KI-Forschung. Er hatte Cohere 2019 gemeinsam mit weiteren KI-Forschern in Toronto gegründet.

Welche Rolle die bisherige Aleph-Alpha-Führung um Co-CEO Ilhan Scheer im neuen Unternehmen einnehmen wird, ist aus den vorliegenden Mitteilungen nicht hervorgegangen.

Hintergrund: Was ist Cohere?

Cohere wurde 2019 in Toronto gegründet und hat sich auf KI-Lösungen für Unternehmen und Regierungen spezialisiert. Das Unternehmen sammelte bislang rund 1,6 Milliarden US-Dollar ein und wurde 2025 mit knapp 7 Milliarden US-Dollar bewertet. Mit der Übernahme von Aleph Alpha steigt diese Bewertung auf rund 20 Milliarden US-Dollar.

Cohere positioniert sich bewusst als Alternative zu den großen US-amerikanischen Technologiekonzernen. Kanadas KI-Minister Evan Solomon bezeichnete den Zusammenschluss als „super mutually beneficial“ und betonte, man wolle sicherstellen, dass Regierungen und Unternehmen eine Option zwischen den großen Plattformanbietern hätten.

Aleph Alphas schwieriger Weg

Aleph Alpha galt lange als europäische Antwort auf OpenAI. Das 2019 in Heidelberg gegründete Unternehmen sammelte Ende 2023 in einer Series-B-Runde über 500 Millionen US-Dollar ein, darunter Beteiligungen von Schwarz-Gruppe, Bosch Ventures, SAP und HPE. Die Bewertung blieb jedoch hinter europäischen Konkurrenten wie dem französischen Unternehmen Mistral zurück, das zwischenzeitlich auf knapp zwölf Milliarden Euro bewertet wurde.

Im September 2024 vollzog Aleph Alpha einen Strategiewechsel: Statt weiter in das Rennen um immer größere Sprachmodelle zu investieren, positionierte sich das Unternehmen mit der Plattform PhariaAI als Integrationslösung, die auch Modelle anderer Anbieter einbinden kann. Gründer Andrulis begründete den Schritt damit, dass ein rein europäisches großes Sprachmodell kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr sei.

Anfang 2026 strich Aleph Alpha rund 50 Stellen. Andrulis teilte der NZZ mit, er habe das Unternehmen vollständig verlassen.

Politische Unterstützung aus Berlin und Ottawa

Der Deal wird von beiden Regierungen ausdrücklich begrüßt. Das deutsche Digitalministerium bezeichnete die Übernahme als von „hohem geostrategischem und wirtschaftlichem Wert“ und plant, als Ankerkunde aufzutreten sowie souveräne KI-Lösungen in der öffentlichen Beschaffung zu priorisieren.

Aleph Alpha bringt in das fusionierte Unternehmen bestehende Verträge mit dem deutschen Digitalministerium und der Landesregierung Baden-Württemberg ein. Diese Regierungskontakte gelten laut einer mit den Plänen vertrauten Quelle als wesentlicher Anreiz für Cohere, den Deal einzugehen.

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