GoMore übernimmt Getaround Europe und wird größte Carsharing-Plattform Europas
Es passiert meist andersrum, aber diesmal ist es so: Ein europäisches Unternehmen kauft seinen US-Konkurrenten. Oder in diesem Fall zumindest teilweise. Denn der dänische Mobilitätsanbieter GoMore integriert das Europageschäft von Getaround Europe, ehemals bekannt unter dem Namen Drivy, und avanciert damit zur größten Peer-to-Peer-Carsharing-Plattform auf dem europäischen Kontinent.
Die Transaktion erfolgt im Zuge der Entscheidung des US-amerikanischen Mutterkonzerns Getaround Inc., sein Europageschäft zu veräußern. Für den österreichischen Markt kündigt GoMore-Österreich-Chef Paul Stegmüller einen deutlichen Wachstumskurs an.
Ein europäischer Marktführer entsteht
Mit dem Zusammenschluss entsteht ein Unternehmen, das in elf europäischen Ländern aktiv ist: Dänemark, Finnland, Schweden, Norwegen, Spanien, Frankreich, Belgien, Österreich, Deutschland, Estland und der Schweiz. Die kombinierte Plattform zählt mehr als fünf Millionen Nutzerinnen und Nutzer sowie rund 70.000 aktive Fahrzeuge.
Wirtschaftlich weist das fusionierte Unternehmen einen Bruttoumsatz von über 240 Millionen Euro und einen Nettoumsatz von mehr als 50 Millionen Euro aus. Rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind künftig für die Plattform tätig, über die jährlich etwa 1,5 Millionen Vermietungen abgewickelt werden.
„Normalerweise erleben wir, dass europäische Unternehmen von internationalen, oft amerikanischen Konzernen übernommen werden. Umso bemerkenswerter ist es, dass nun ein europäisches Unternehmen den Carsharing-Markt auf diesem Niveau gestaltet. Damit schaffen wir die Grundlage für einen starken, unabhängigen europäischen Player“, sagt Matias Møl Dalsgaard, Gründer und Group CEO von GoMore.
Was die Übernahme für Österreich bedeutet
Für Österreich markiert die Transaktion die Rückkehr eines führenden Carsharing-Anbieters in europäische Hände. Die Plattform war seit 2019 unter dem Dach des US-Konzerns Getaround geführt worden. GoMore sieht im österreichischen Markt erhebliches Potenzial: Mit mehr als 570 Autos pro 1.000 Einwohner stehen Privatfahrzeuge laut Unternehmensangaben über 90 Prozent der Zeit ungenutzt.
Paul Stegmüller, Head of GoMore Austria, kündigt eine deutliche Ausweitung der Aktivitäten im gesamten Bundesgebiet an. Neben urbanen Märkten soll das Angebot gezielt auch außerhalb der Ballungszentren ausgebaut werden. Parallel dazu investiert GoMore in den Standort Wien und erweitert das lokale Team.
„Wir stehen in Österreich noch ganz am Anfang unseres Potenzials. In den kommenden Jahren werden wir unser Angebot im gesamten Bundesgebiet ausbauen, unser Team in Wien erweitern und den Ausbau unserer Keyless-Technologie deutlich vorantreiben. Unser Ziel ist es, die Anzahl der Keyless-Fahrzeuge innerhalb von zwei Jahren mindestens zu verdoppeln“, sagt Paul Stegmüller, Head of GoMore Austria.
Keyless-Technologie als Wachstumshebel
Ein zentrales Element der Wachstumsstrategie ist der Ausbau der sogenannten Keyless-Technologie, die Fahrzeugbesitzerinnen und -besitzern einen vollständig digitalen Zugang zu ihren Fahrzeugen ermöglicht. Aktuell verfügt die kombinierte Plattform europaweit über rund 18.000 Fahrzeuge mit dieser Technologie. In Österreich plant GoMore, seine Zahlen in den kommenden zwei Jahren mindestens zu verdoppeln.
Kurzfristig keine Änderungen für Nutzerinnen und Nutzer
Für bestehende Nutzerinnen und Nutzer sowie Partner beider Plattformen ergeben sich laut Unternehmensangaben kurzfristig keine Änderungen. Beide Plattformen bleiben in Österreich vorerst parallel nutzbar. Im Fokus stehen nun die technische Integration der Plattformen sowie die Realisierung von Synergien. Das fusionierte Unternehmen wird weiterhin von Matias Møl Dalsgaard als Group CEO geführt.


