ViennaUP: „Die ganze Stadt ist eine Bühne“
Der Frühling ist da und verwandelt ganz Wien zur Startup-Bühne, denn: Die sechste Ausgabe des dezentralen Startup-Festivals ViennaUP steht bereits in den Startlöchern. Ein breites Spektrum an spezialisierten Events lockt dieses Jahr vom 18. bis 22. Mai Teilnehmende aus dem gesamten internationalen Startup-Kosmos an.
Gabriele Tatzberger ist Leiterin der Abteilung Gründen & Startups bei der Wirtschaftsagentur Wien und prägt von Anfang an die Strategie und Ausrichtung des Festivals. Im Interview mit Trending Topics spricht Tatzberger über die Weiterentwicklung des Wiener Vorzeigeprojekts und gibt wichtige Empfehlungen zu den diesjährigen Programm-Highlights.
Trending Topics: Die ViennaUP startete 2021, findet also nun zum sechsten Mal statt. Wie hat sich das Festival hinsichtlich Besucherzahlen, Programm und Stellenwert in Europa über die Jahre entwickelt?
Gabriele Tatzberger: Die ViennaUP ist ein Aushängeschild für Wien geworden. Wenn wir vor sechs Jahren auf ein Startup-Festival gefahren sind, hatte niemand Wien auf dem Radar. Heute sprechen uns die Leute auf allen internationalen Events auf die ViennaUP an. Das zeigt, dass sie sich zu einem gesetzten Player auf der internationalen Festival-Landkarte entwickelt hat. Und das, obwohl – oder vielleicht gerade weil – die ViennaUP ganz anders, ja auch komplizierter ist, als alle anderen Festivals.
Wir sind dezentral an vielen Locations in Wien, das Programm wird von vielen Akteur:innen gestaltet und mit dem Karlsplatz haben wir eine Open-Air-Festivalzentrale. Diese Authentizität – ein Festival von der Szene für die Szene – kommt bei den Teilnehmenden extrem gut an. 95 Prozent würden die ViennaUP weiterempfehlen!
Welche Neuerungen erwarten die Besucher:innen dieses Jahr in Wien?
Wir bleiben auch heuer bewusst vielfältig. Auch das unterscheidet uns im internationalen Vergleich. Inhaltlich setzen wir starke Impulse mit einem klaren Fokus auf DeepTech, Health Tech und AI. Zum Beispiel mit der „Human x AI Conference“. Außerdem stärken wir den internationalen Dialog, etwa über den „WSA Global Congress“.
Gleichzeitig heben wir heuer das Thema Wachstum und Skalierung noch stärker hervor, weil wir sehen, dass der Bedarf in der Szene besonders groß ist. Ein echtes Highlight ist außerdem, dass wir die ViennaUP zum ersten Mal feierlich im Festsaal des Wiener Rathauses eröffnen – das ist ein ganz besonderer Rahmen. Neu ist außerdem, dass erstmals Coworking-Spaces Spezialraten für Teilnehmende anbieten.
2026 stechen für Trending Topics Leser:innen sicher zwei Schwerpunkte heraus: Founders und Investments. Beginnen wir beim ersten Punkt: Was bietet die ViennaUP Gründer:innen konkret?
Ich bin wirklich stolz darauf, wie breit das Angebot für Gründer:innen bei der ViennaUP ist – und zwar ganz unabhängig davon, in welcher Phase sie gerade sind. Es gibt Formate für jene, die ganz am Anfang stehen, genauso wie Angebote für eingespielte Teams, die bereits gegründet haben und jetzt wachsen und skalieren oder sich in Wien ansiedeln möchten.
Ganz konkret: Wer ein Newbie ist, findet Sessions wie „Do it right – Basics for company founding in Vienna“. Wer Skills schärfen möchte, kann in Workshops gehen – etwa „The Perfect Pitch: How to Create Interest in You and Your Big Idea“. Und wer Austausch und ehrliche Gespräche sucht, bekommt genau das bei Networking-Formaten wie dem „Founders & Future Founders Breakfast“
2026 sieht man, dass die Investments in Startups wieder anziehen. Welche Gelegenheiten fürs Fundraising gibt es im Rahmen der ViennaUP?
Also ich kann nur sagen: Alle, die Fundraising planen oder gerade mittendrin sind, für die ist die ViennaUP ab dem 18. Mai der Place to be. Bei uns geht es nicht nur um „Pitch oder nichts“, sondern um mehrere Ebenen: Skills verbessern, Feedback bekommen und dann auch vor interessierten Investor:innen tatsächlich präsentieren. Es gibt Formate, in denen Startups an ihrer Fundraising-Story arbeiten können, und gleichzeitig sehr konkrete Settings, um Feedback von Branchen- und Marktplayer:innen zu bekommen.
Events, bei denen Investments besonders im Mittelpunkt stehen, sind etwa der „Connect Day 26“, „Road to Global x Tech Summit“, „The Recursive CEE Forum“ oder auch „The Female Founders Experience Vienna“. Ein persönliches Lieblingsformat von mir sind die „Coffee House Sessions“. Gründer:innen und Investor:innen sitzen gemeinsam im Wiener Kaffeehaus, können ins Gespräch kommen und über mögliche Deals sprechen – ohne Bühne, ohne Show, einfach wirklich auf Augenhöhe bei einer Melange. Die Mischung macht’s: Man trifft Investor:innen nicht nur in einem Format, sondern über die Woche verteilt immer wieder – und genau so entstehen oft die besten Gespräche und Deals.

Das Konzept ist sehr außergewöhnlich, nämlich ein dezentrales Event. Hat sich das letztlich als Erfolgsfaktor erwiesen, durch den man sich von anderen Events abheben kann. Und Anschlussfrage: Wie funktioniert das Ticketing bei einem dezentralen Event?
Wie eingangs schon gesagt, der dezentrale Ansatz ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Er macht das Festival so dynamisch, so lebendig – und ehrlich gesagt auch so „anders“ im besten Sinn. Über die Jahre hat diese Dezentralität ermöglicht, dass neue Formate und Perspektiven leichter wachsen können, weil nicht alles an einem Ort „durchgetaktet“ ist. Außerdem erlebt man unsere wunderschöne Stadt direkt und in allen Facetten. Es ist ein Unterschied, ob man zu einem Festival reist und die Location ist eine einzige Veranstaltungshalle – oder ob die Bühne eine ganze Stadt ist. Die ViennaUP ist dadurch wie ein lebendiges, atmendes Ökosystem, dessen Spirit man vor Ort spüren kann.
Das Ticketing klingt zwar kompliziert, ist es aber nicht. Man sucht sich auf der ViennaUP-Website die passenden Veranstaltungen aus und meldet sich dann jeweils separat über eine einheitliche Ticketing-Lösung an. Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos und brauchen nur eine Anmeldung, manche sind kostenpflichtig oder laufen über Bewerbung, da heißt es dann schnell sein!
Die ViennaUP bietet ein umfangreiches Programm in unterschiedlichen Tracks. Was sind die Fixpunkte, bei denen man auf jeden Fall dabei sein sollte?
Das hängt total davon ab, was man sucht. Die Programme-Tracks – Tech, Founders, Exploration, Investment, Impact – sind wie ein Baukasten und helfen dabei, die Vielfalt zu strukturieren. Sie ermöglichen Besucher:innen ganz einfach jene Veranstaltungen zu finden, die zu ihren Interessen, Branchen oder Entwicklungsphasen passen.
Es ist schwer sich für Fixpunkte zu entscheiden, ich wäre am liebsten überall gleichzeitig. Aber im Tech-Bereich sind zum Beispiel „Energy Launchpad: Shaping Europe’s Energy Future“ oder das „Open House @AI Factory Austria“ spannende Formate. Für Founders sind „StartupLive’26“ und „Founders Only“ echte Highlights. Im Investment-Bereich, ganz klar der Connect Day 26. Bei Impact sind die „Creative Days“ und die „Impact Days“ ein Must. Und im Exploration-Track zum Beispiel der „Corporate Venturing Summit”.
Die EU plant die Einführung einer EU Inc, um Startups das Gründen und Fundraisen zu erleichtern. Da Startups auch eine Standortfrage sind: Wie denken Sie kann sich die EU Inc auf die Gründungszahlen und Ansiedlungen in Wien auswirken?
Eine EU Inc kann Gründungen und Fundraising jedenfalls deutlich vereinfachen und insgesamt zu mehr Startups in Europa führen. Das ist grundsätzlich einmal positiv, weil es Barrieren abbaut und Tempo reinbringt.
Allerdings muss uns klar sein, dass dadurch der Wettbewerb zwischen Standorten zunehmen wird, weil rechtliche Hürden weniger ausschlaggebend sind. Genau deshalb bleibt der Standortfaktor zentral: Talent, Ökosystem, Zugang zu Netzwerken, internationale Anschlussfähigkeit und nicht zuletzt Lebensqualität entscheiden weiterhin, wo sich Teams niederlassen.
Und da ist Wien wirklich gut positioniert. Wir haben ein starkes Ökosystem, hohe Lebensqualität und einen Standort, der international immer sichtbarer wird. Wenn die EU Inc kommt, sehe ich daher definitiv die Chance, dass Wien noch mehr internationale Startups anzieht – weil die Rahmenbedingungen passen und die Stadt als Hub weiter an Profil gewinnt.
Alle weiteren Informationen zur ViennaUP finden sich hier.

