Hycobility: Wiener Startup vereint Metall und Holz zu Super-Werkstoff
Metall und Holz: Zwei der wichtigsten Materialien in der Industrie. Das Wiener Startup Hycobility Engineering & Technologies hat einen Weg gefunden, diese beiden Materialien zu vereinen, um einen Hochleistungswerkstoff zu schaffen, der das Beste aus zwei Welten verbindet. Um diese Idee voranzutreiben, nutzt das Jungunternehmen unter anderem die Förderung durch das Programm aws Seedfinancing – Innovative Solutions der Austria Wirtschaftsservice (aws).
Patentierte Hybridtechnologie aus Metall und Holz
Hycobility entwickelt und lizenziert HycoFusion®. Dabei handelt es sich um eine patentierte Hybridtechnologie zur Verbindung von Metallprofilen (Aluminium, Stahl) mit Holzkernen. Bei dem daraus resultierenden Hochleistungswerkstoff ergänzen sich die Eigenschaften gegenseitig und führen zu einer insgesamt verbesserten Leistungsfähigkeit. Das Material verfügt sowohl über die Festigkeit und Zähigkeit von Metall als auch die Biegesteifigkeit und Nachhaltigkeit von Holz.
Das Besondere: Die Profile werden vollständig ohne Klebstoffe gefertigt, sind recyclingfähig und lassen sich in bestehende Produktionsketten integrieren. Einsatzbereiche sind Bau, Maschinenbau, Automotive und Transportwesen. Das Geschäftsmodell kombiniert eine eigene Kleinserienproduktion mit der Lizenzvergabe an Aluminium- und Stahlprofilhersteller sowie Erstausrüster.
Lösung bietet „enormen ökologischen und ökonomischen Vorteil“
Hycobility ist im Jahr 2021 an den Start gegangen. Die beiden Co-Founder, Erich Wlasak und Alexander Stadlmann, erzählen vom Hintergrund des Startups. “Wir haben als Engineering-Firma im Rahmen eines Entwicklungsauftrags an einem Konzept eines Holzautos gearbeitet und sind dort auf Gewichts- und Festigkeitsgrenzen gestoßen. Im Zuge unserer Überlegungen, diese Problematik zu lösen, hatten wir die Idee, die Kombination von Metall und Holz zu versuchen. Da bisherige Ansätze zur Verbindung von Holz und Metall entscheidende Nachteile haben — sei es fehlende Recyclingfähigkeit oder zu hohe Herstellungskosten, haben wir intensiv an Holz-Metall-Verbunden geforscht und letztendlich die vorliegende Technologie HycoFusion® patentiert.”
Laut Hycobility kann derzeit kein anderer Marktteilnehmer eine vergleichbare reversible Verbindung anbieten, was durch zahlreiche Patentrechercheverfahren im Zuge der PCT-Prozesse bestätigt wurde. “Der USP liegt aber nicht nur im technologischen Alleinstellungsmerkmal: Unsere Hybridlösung bietet gleichzeitig einen enormen ökologischen und ökonomischen Vorteil”, sagt Gerhard Brecka, seit 2024 Geschäftsführender Gesellschafter des Startups. Die Lösung soll bis zu 50 Prozent Gewichtsreduktion erreichen, bis zu 50 Prozent CO₂-Einsparung in der Herstellung, verbesserte mechanische Eigenschaften, Schall- und Schwingungsdämpfung sowie eine bis zu 6-fach höhere Energieaufnahmefähigkeit im Crashtest. Für Aluminiumanwendungen soll das zusätzlich eine Kostenreduktion in der Herstellung von bis zu 20 Prozent bedeuten.
Hycobility führt erste Testprogramme durch
Seit der Gründung im August 2021 hat Hycobility mehrere validierte Prototypen hergestellt. Diese weisen gegenüber Standard-Aluminiumprofilen eine um 180 Prozent höhere Steifigkeit und eine um 235 Prozent bessere Brucharbeit auf. Das erste Technologiepatent wurde erteilt, ein zweites, breiteres Verfahrenspatent ist in internationaler Evaluierung. Das Startup hat bereits strategische Partnerschaften mit Unternehmen wie Hammerer Aluminium Industries (HAI), dem europäischen Fassadensystem-Marktführer Schüco, der Holzmaschinenfirma Springer und dem internationalen Engineering-Unternehmen Segula aufgebaut. Derzeit laufen erste Testprogramme mit verschiedenen Kunden im Aluminium- und Stahlbereich.
Auf dem Weg von der Gründung zum heutigen Industrie-Hoffnungsträger hat Hycobility unter anderem Hilfe von der aws erhalten. Gerhard Brecka erzählt davon, wie das Startup das Programm aws Seedfinancing – Innovative Solutions gekommen ist. “Im Rahmen unserer intensiven Suche nach geeigneten Finanzierungsinstrumenten für die finale Entwicklungsphase und den bevorstehenden Markteintritt sind wir auf das Seedfinancing-Programm der aws gestoßen. Die Ausrichtung des Programms auf technologiegetriebene, gesellschaftlich relevante Innovationen hat perfekt zu unserem Vorhaben gepasst. Wir adressieren mit HycoFusion® zwei der drängendsten Themen unserer Zeit: CO₂-Reduktion und Ressourceneffizienz.”
aws-Förderung „wesentlicher Baustein der Finanzierungsplanung“
Mit aws Seedfinancing – Innovative Solutions finanziert und begleitet die aws Vorhaben aller Branchen bei der Weiterentwicklung einer innovativen Gründungsidee, die über Unternehmensgrenzen hinaus einen positiven gesellschaftlichen Mehrwert (Impact) sowie hohe Marktchancen im Rahmen von skalierbaren Geschäftsmodellen generieren.
„Das Seedfinancing ist ein wesentlicher Baustein unserer Finanzierungsplanung für 2026 und 2027. Wir stehen im letzten Viertel unserer Technologieentwicklung und unmittelbar vor dem Markteintritt. Das Programm gibt uns die finanzielle Stabilität, um diesen kritischen Schritt fokussiert und ohne Abstriche durchzuführen. Darüber hinaus verleiht uns die Förderung durch die aws als renommierte Institution auch Glaubwürdigkeit gegenüber potenziellen Industrie- und Lizenzpartnern — ein nicht zu unterschätzender Effekt in konservativen Märkten wie Bau und Automotive”, so Brecka.
In diesem Jahr will das Startup 2026 die Materialtests mit ausgewählten Kunden abschließen und eine erste Produktionskapazität für Kleinserien aufbauen. 2027 bringt die Jungfirma das Hybridmaterial in die ersten Marktanwendungen.

