Pumpspeicher

Nante de Drance: So funktioniert die neue „Wasser-Batterie“ der Schweiz

Pumpspeicherkraftwerk Nante de Drance. © Alpiq
Pumpspeicherkraftwerk Nante de Drance. © Alpiq

Die einen nennen es eine riesige Wasser-Batterie in den Schweizer Bergen, die anderen sagen Pumpspeicherkraftwerk dazu, oder man sagt einfach: Nante de Drance. Nach 14 Jahren Bauzeit ist in den Walliser Bergen ein aktuell gefeiertes (und auch diskutiertes) Energieprojekt der Superlative in Betrieb gegangen. Seit 1. Juli 2022 will Nante de Drance mit einer Leistung von 900 Megawatt wesentlich zur Energiesicherheit der Schweiz und Europas beitragen. Das Kraftwerk kann so viel Energie speichern wie 400.000 Batterien von Elektroautos bzw. soll die Stromversorgung von 900.000 Haushalten garantieren können.

Wie speichert das Kraftwerk also nun die Energie? Das funktioniert folgendermaßen: Nante de Drance liegt 600 Meter unter der Erde in einer Kaverne zwischen den Speicherseen Emosson und Vieux Emosson. Der obere See Vieux Emosson speichert alleine 25 Millionen m3 Wasser. Dieses Wasser kann durch sechs Pumpturbinen mit einer Leistung von je 150 MW geleitet werden, die dann zusammen die 900 Megawatt schaffen. Das passiert bei hoher Stromnachfrage.

Weil sich das obere Wasserbecken aber nicht unendlich mit Wasser nachfüllt, wird in Zeiten geringerer Stromnachfrage das Wasser aus dem Stausee Emosson in den oberen hochgepumpt, im Optimalfall mit Hilfe erneuerbarer Energie – und so entsteht ein Kreislauf, es wird eben Energie gespeichert. Das Pumpspeicherkraftwerk soll künftig im Zusammenspiel mit den anderen erneuerbaren Energiequellen Sonne und Wind funktionieren.

Wenn die Sonne nicht scheint oder Windflaute herrscht, soll Nante de Drance einspringen. „Angesichts der Zunahme erneuerbarer Energien wie Windkraft und Photovoltaik mit unregelmässiger Produktion ist eine solche Flexibilität notwendig, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und jederzeit ein Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch aufrechtzuerhalten. Nant de Drance fungiert als gigantische Batterie, die auch kurzfristig überschüssigen Strom aus dem Netz speichert oder notwendige Energie produziert, wenn die Nachfrage höher ist als die Produktion“, heißt es seitens der Betreiber.

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1 Prozent der Gesamtkosten für Umweltschutzprojekte

Mit 900 MW ist das Kraftwerk eine große Nummer. Zum Vergleich: Das größte Pumpspeicherkraftwerk der Welt in Fenging in CHina schafft 3.600 MW, das größte Europas – Grand Maison in Frankreich – bringt 1.800 MW auf die Waage. In Österreich ist es aktuell die Maltakraftwerk-Hauptstufe in Kärnten mit 730 MW. Zudem haben die illwerke/vkw-Gruppe 2021 ein neues Projekt vorgestellt, beim Lünersee in Vorarlberg ein neues Pumpspeicherkraftwerk bauen. Dieses würde bis zu 1.000 Megawatt Leistung bringen, wäre also stärker als Nante de Drance.

Nicht zu vergessen bei diesen Kraftwerken sind die massiven Eingriffe in die Natur, die durch die Staumauern etc. entstehen. In der Schweiz wurden Vierzehn Umweltschutzprojekte (u.a. von WWF, Pro Natura) mit Kosten in Höhe von insgesamt zweiundzwanzig Millionen Schweizer Franken gefördert, um die Umweltauswirkungen ausgleichen. Das sind etwa ein Prozent des Gesamtbudgets von 2,2 Milliarden Franken für den Bau der Anlage. Die Umweltprojekte zielen vor allem darauf ab, durch Feuchtbiotope die Wiederbesiedelung durch Tier- und Pflanzenarten zu fördern.

Kritik gibt es auch, weil das Schweizer Pumpspeicherkraftwerk mangels eines Stromabkommens mit der EU (noch) nicht am gesamteuropäischen Strommmarkt teilnehmen kann – und damit ein rentabler Betrieb fraglich ist.

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