Humanoid: Londoner Roboter-Bauer holen 152 Milliarden Dollar, werden Unicorn
Das Londoner KI- und Robotikunternehmen Humanoid hat eine Series-A-Finanzierung über 133 Mio. Euro (152 Mio. Dollar) abgeschlossen und wird damit mit 1,1 Mrd. Euro (1,35 Mrd. Dollar) post-money bewertet. Das Unternehmen wurde damit rund zwei Jahre nach seiner Gründung zum Unicorn. Angeführt wurde die Runde von Prime Movers Lab, jenem Investor, der zuvor unter anderem Figure AI finanziert hat. Beteiligt waren zudem die Industriekonzerne Schaeffler und Bosch, die Fubon Financial Holding Venture Capital aus Taiwan sowie Aglaé Ventures, das Investmentvehikel von LVMH-Chef Bernard Arnault.
Mit der neuen Runde steigt das insgesamt eingesammelte Kapital auf 270 Mio. Dollar (rund 236 Mio. Euro). Nach eigenen Angaben handelt es sich um die bislang größte Series A eines auf Humanoide spezialisierten Robotikunternehmens in Europa.
Räder statt zwei Beine
Humanoid — juristisch firmierend als SKL Robotics Ltd. — wurde 2024 in London gegründet und wird von Artem Sokolov geführt. Anders als US-Wettbewerber wie Figure oder Apptronik setzt das Unternehmen zunächst auf einen radbasierten Roboter, das Modell HMND 01, was eine schnellere europäische Zertifizierung im Vergleich zu zweibeinigen Systemen ermöglichen soll. Herzstück ist die hauseigene KI-Plattform KinetIQ, mit der die Maschinen physische Aufgaben in industriellen Umgebungen erfassen und ausführen sollen.
Das Unternehmen gibt an, 34.000 Roboter-Vorbestellungen im Wert von 2,4 Mrd. Dollar gesammelt zu haben — noch bevor eine einzige kommerzielle Einheit ausgeliefert wurde. Mit Schaeffler besteht eine Abnahmevereinbarung über tausende Roboter, Bosch stellt Produktionskapazität für bis zu 100.000 Einheiten über die kommenden fünf Jahre bereit. Erste Beta-Roboter sollen ab dem vierten Quartal 2026 bei Kunden aus Logistik, Fertigung und Handel zum Einsatz kommen. Als Partner nennt Humanoid zudem SAP, NVIDIA und Siemens.
Der „Erster-Unicorn“-Anspruch ist umstritten
Humanoid bezeichnet sich selbst als Europas erstes „pure-play“ Humanoiden-Unicorn. Dieser Anspruch ist allerdings umstritten: Das deutsche Unternehmen Neura Robotics schloss bereits im Juni 2026 eine Runde von mehr als einer Milliarde Dollar bei einer Bewertung von rund sieben Milliarden Dollar ab. Der Unterschied liegt in der Definition — Humanoid stützt seinen Anspruch auf die Einschränkung „humanoid-first“ bzw. „pure-play“.
Europas Robotik-Boom im Überblick
Die Finanzierung von Humanoid fügt sich in eine breite Kapitalwelle rund um Physical AI und industrielle Robotik in Europa ein:
- Neura Robotics (Metzingen): Das 2019 gegründete Unternehmen sammelte in einer Series C von bis zu 1,4 Mrd. Dollar ein — die größte je verzeichnete Runde für ein Full-Stack-Robotikunternehmen in Europa, bei rund 7 Mrd. Dollar Bewertung. Angeführt wurde sie von Tether Investments, mit Beteiligung von Qualcomm, Amazon und NVIDIA.
- Sereact (Stuttgart): Der KI-Robotik-Softwarespezialist holte im April 2026 eine Series B über 110 Mio. Dollar (rund 93 Mio. Euro) unter Führung von Headline, um seine US-Expansion und sein KI-Modell voranzutreiben.
- THEKER (Barcelona): Das Unternehmen für KI-native Industrieroboter sicherte sich im Juni 2026 eine Series A über 73 Mio. Euro (85 Mio. Dollar), angeführt von CRV, mit Beteiligung von Samsung und LVMH.
- Generative Bionics (Genua): Das Spin-off des Italienischen Instituts für Technologie (IIT) sammelte 70 Mio. Euro (81 Mio. Dollar) ein, unter anderem von AMD Ventures und Tether. Gegründet 2024 von Daniele Pucci und weiteren früheren IIT-Forschern, baut das Unternehmen auf über zwei Jahrzehnten Humanoiden-Forschung am IIT auf — darunter Projekte wie iCub. Am 21. Juli 2026 stellte das Startup mit Gene.01 seine Humanoiden-Plattform für den Industrieeinsatz vor; ein erster Einsatz ist über eine Kooperation mit dem Werftkonzern Fincantieri im Schiffbau geplant.
- RobCo (Deutschland): 100 Mio. Euro für modulare, KI-gesteuerte Fertigungssysteme.
- Trener Robotics (Norwegen/USA): 26 Mio. Euro Series A für industrielle Automatisierung.
Der Kontext dahinter: Robotikunternehmen sammelten laut Dealroom 2026 bislang 55,8 Mrd. Dollar ein — ein Rekordwert, der den bisherigen Höchststand nahezu verdoppelt. Europas Robotik-Startups kamen 2025 zusammen auf rund 1,6 Mrd. Euro, ein Plus von 110 Prozent gegenüber den 761 Mio. Euro des Jahres 2024. Der Großteil des Kapitals fließt weiterhin in die USA und nach China — Runden wie jene von Humanoid, Neura und Generative Bionics zeigen jedoch, dass Europa im Rennen um Physical AI zunehmend eigene Kandidaten aufbaut.

