Cyberkrimineller löscht Grundbuch von Rumänien, löst Chaos am Immo-Markt aus
In Rumänien hat ein Cyberangriff auf die nationale Katasterbehörde ANCPI (Agenția Națională de Cadastru și Publicitate Imobiliară) den Immobilienmarkt des Landes weitgehend zum Erliegen gebracht. Wie das Sicherheitsmedium Cybernews berichtet, verschaffte sich ein Angreifer Zugang zu den Systemen der Behörde und löschte nach einem gescheiterten Erpressungsversuch die gesamte Grundbuchdatenbank.
Laut Cybernews soll der Hacker mit gültigen Zugangsdaten in die Systeme gelangt sein. Nachdem die Behörde nicht auf die Erpressung eingegangen sei, habe er sämtliche zuvor entwendeten Daten gelöscht – darunter interne Dokumente, Zugangsdaten von Mitarbeitenden und die eigentlichen Grundbuchdaten.
Folgen für Notare und Käufer
Die Dienste der ANCPI sind rumänischen Medien zufolge seit dem 14. Juli nicht mehr verfügbar. Notarinnen und Notare können laut Cybernews keine neuen Transaktionen mehr eintragen, Bürgerinnen und Bürger keine Eigentumsnachweise oder Grundbuchauszüge mehr erhalten. Der Angriff habe damit praktisch alle Immobiliengeschäfte im Land gestoppt: Verkäufe lassen sich nicht mehr beglaubigen, Hypotheken nicht mehr eintragen. In Rumänien werden pro Jahr zwischen 150.000 und 170.000 Wohnimmobilien verkauft.
Besonders heikel ist das Timing: Für den Kauf neuer Wohnungen gilt derzeit ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 9 Prozent. Ab dem 1. August steigt er auf 21 Prozent – viele Käufe waren so terminiert, dass sie noch vor diesem Stichtag abgeschlossen werden sollten.
Behörde spricht von „Cybersicherheitsvorfall“
Die ANCPI hatte zunächst von technischen Problemen gesprochen, räumte später aber einen Cyberangriff ein und bezeichnet den Vorfall inzwischen als „Cybersicherheitsvorfall“. Nach eigenen Angaben verfügt die Behörde über an mehreren Standorten gelagerte Offline-Sicherungskopien, mit denen sich die gelöschten Daten wiederherstellen ließen. Zugleich betont sie, dass in der Öffentlichkeit kursierende Informationen zu den Folgen teils nicht aus offiziellen Quellen stammten. An der Wiederherstellung der Systeme werde gearbeitet.
In Rumänien steht die ANCPI wegen ihres Umgangs mit IT-Sicherheit in der Kritik. Laut Cybernews investierte die Behörde in den vergangenen 20 Jahren rund 135 Millionen Euro in die Digitalisierung, davon jedoch nur etwa 0,2 Prozent – rund 305.000 Euro – in Cybersicherheit. Die nationale Cybersicherheitsbehörde DNSC gibt an, die ANCPI zuvor auf Schwachstellen hingewiesen zu haben. ANCPI-Direktor Dan Cîmpean räumte demnach ein, der Angriff sei nicht besonders komplex gewesen und hätte verhindert werden können.
Verdächtiger benannt
Hinter dem Angriff soll laut Cybernews ein Darknet-Account mit dem Namen „ByteToBreach“ stehen, der Anfang des Jahres bereits ein schwedisches E-Government-Portal angegriffen haben soll. Das Sicherheitsunternehmen KELA führt den Account auf eine in Oran (Algerien) ansässige Person zurück und beschreibt sie als technisch versierten Cyberkriminellen, der sensible Daten von Fluggesellschaften, Banken und Regierungen verkaufe. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zuordnung steht aus. Nach Angaben von Cybernews soll ByteToBreach zudem für Angriffe auf Behördenregister in der Slowakei, der Ukraine, Polen und Litauen verantwortlich sein.

