Joulzen: Wie aus alten Öltanks virtuelle Kraftwerke werden
Die nachhaltige Speicherung von Wärme ist eine der wichtigsten Herausforderungen der Klimawende. Es gibt eine Reihe von innovativen Startups, die in diesem Bereich an Lösungen arbeiten. Einen besonders spannenden Ansatz verfolgt Joulzen aus Wien. Das Jungunternehmen hat sich nämlich darauf spezialisiert, alte Öltanks zu modernen, intelligenten Wärmespeichern umzurüsten. Ein wichtiger Wegbegleiter von Joulzen ist die Austria Wirtschaftsservice (aws) mit ihren Förderprogrammen aws Preseed – Innovative Solutions und aws Seedfinancing – Innovative Solutions.
Joulzen wandelt Öltanks, Pools und Weinfässer in Speicher um
Joulzen hat seine Gründung als FlexCo im Jahr 2025 offiziell vollzogen. Die Gründer sind Sebastian Rigger, Stefan Rigger, Florian Schellnast und Christoph Markler. Das Startup verfolgt die Vision, intelligente Energiesysteme für Haushalte, bestehend aus Wärmepumpe, thermischem Speicher und smarter Regelungstechnik zu erstellen. Dabei liegt der Fokus auf drucklosen thermischen Speichern und modellprädiktiver Energieregelung.
Statt neue Speicher zu verbauen, wertet Joulzen mit den alten Öltanks vorhandene Infrastruktur auf. “Aber es können genauso Weinfässer, stillgelegte Pools oder sogar leer stehende Silos sein, im Grunde alles, was Volumen hat und sich als thermische Batterie eignet”, sagt Mitgründer Sebastian Rigger.
Die Regelung von Joulzen steuert das gesamte System vorausschauend. Das bedeutet, dass die Lösung Wetterdaten, Strompreise und das Nutzerverhalten mit einbezieht. Damit soll es Kund:innen möglich sein, klimaneutral und deutlich günstiger zu heizen. “Langfristig vernetzen wir diese Systeme zu einem virtuellen Kraftwerk, womit unsere Kund:innen auch am Energiemarkt mitverdienen können”, so Rigger.
Kampf gegen Verschwendung hochwertiger Stahltanks
Mitgründer Florian Schellnast war für die Initialzündung der Jungfirma verantwortlich. Er hatte bei seiner Schwiegermutter den Heizungstausch begleitet. Am Ende dieses Prozesses blieb ein massiver Stahltank übrig, den man scheinbar nur noch entsorgen konnte. Für Schellnast, der selbst einen Hintergrund als Produktentwickler mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft hatte, schien das Verschwendung, ein hochwertiges Stahlgefäß einfach zu verschrotten, und das auch noch unter hohen Kosten. Dadurch kam ihm die Idee, eine Alternative zu entwickeln.
Drei der vier Gründer haben 2023/24 außerdem das Erweiterungscurriculum „Extended Studies on Innovation“ am Innovation Incubation Center (i²c) der TU Wien absolviert. “Dort haben wir gelernt, wie man aus einer Idee ein Geschäftsmodell baut. Und Joulzen war genau das Projekt, an dem wir das dann auch praktisch umgesetzt haben”, sagt Mitgründer Christoph Markler.
Startup ist Hardwarehersteller, Softwareanbieter und Aggregator
Laut Joulzen ist die Heizung mit Abstand der größte Verbraucher im Haushalt. Das Startup hat es sich zum Ziel gemacht, sowohl ihre Betriebszeit als auch den gesamten Verbrauch zu optimieren. Die Regelung der Jungfirma berechnet vorausschauend, wie viel Wärme das Gebäude in den nächsten Tagen brauchen wird. Joulzen speichert Energie gezielt dann, wenn sie günstig oder im Überfluss vorhanden ist, und nutzt sie genau dann, wenn sie gebraucht wird. “Das funktioniert nur, weil unsere thermischen Speicher eine enorm hohe Kapazität haben. Ein 6.000-Liter-Öltank speichert rund 240 Kilowattstunden, das ist um ein Vielfaches mehr als übliche Heizbatterien, bei 9- bis 15-mal geringeren Kosten pro Kilowattstunde”, erläutert Rigger.
Das Startup will sich von der Konkurrenz unterscheiden, indem es die gesamte Kette abdeckt. Das beginnt bei der Hardware, also dem physischen Speicher und dessen Einbau, und reicht über die intelligente Regelung des Einzelsystems bis hin zur übergeordneten Vernetzung vieler Systeme zu einem virtuellen Kraftwerk. Sebastian Rigger definiert die Rolle seines Startups im Heizsystem: “Wir sind nicht nur Hardwarehersteller, nicht nur Softwareanbieter und nicht nur Aggregator, sondern alles drei aus einer Hand. Das erlaubt uns, auf jeder Ebene zu optimieren und mit einem diversifizierten Geschäftsmodell Geld zu verdienen: am Hardware-Verkauf, über Service-Abos und in Zukunft über die Vermarktung von Flexibilität am Energiemarkt.”
Vision: Jede Heizung in Europa ein klimapositiver Energieknoten
Für den Aufbau dieses Jungunternehmens war die Unterstützung durch die aws von großer Bedeutung. Für Sebastian Rigger war die erste Förderzusage der aws im Zuge von aws Preseed – Innovative Solutions ein wichtiger Meilenstein: “Das war der Moment, wo ich mir zum ersten Mal gedacht habe: Daraus kann wirklich was werden. Vorher war Joulzen eine Idee mit Potenzial, danach war es ein Vorhaben mit externer Validierung und Budget.”
Dank der finanziellen Förderung durch die aws ist Joulzen in der Lage, seine Prototypen zu einem serienreifen Produkt weiterzuentwickeln, die Regelungstechnik als Plug-and-Play-Lösung auszubauen und ein Installateur-Netzwerk aufzubauen. “Aber mindestens genauso wichtig ist der Effekt nach außen”, so Rigger. Mit der Förderung haben sich nämlich noch mehr Augen auf das Startup gerichtet. Die aws-Förderung ist dem Mitgründer zufolge ein guter Garant für Kreditwürdigkeit und Zuverlässigkeit. Insbesondere mit Investoren erleichtere das Gespräche enorm.
Joulzen erlebt gerade ein spannendes Jahr. So hat das Jungunternehmen Anfang 2026 seine ersten zahlenden Kunden gewonnen. Im Sommer will das Startup außerdem sein Serienprodukt auf den Markt bringen. Dabei handelt es sich um komplette Energiesysteme. Sie bestehen aus thermischen Batterien und Wärmepumpen mit intelligenter Regelung. In dem System ist alles aufeinander abgestimmt, installiert durch ein Partnernetzwerk aus lokalen Installateurbetrieben. “Wir wollen beweisen, dass das skaliert”, lautet das erklärte Ziel von Sebastian Rigger. Mittelfristig plant das Startup eine Expansion in den DACH-Raum. Langfristig lautet die Vision: Jede Heizung in Europa soll ein klimapositiver Energieknoten werden, der mehr Wert schafft, als er verbraucht.
