Rechtsstreit

1Komma5° darf sich nicht „Marktführer für Klimaschutz-Technologie“ nennen

© 1KOMMA5 / Canva

Der Kampf des Münchner Solarenergie-Unternehmers Andreas Pichlmair gegen ziemlich gut gefundete deutsche Solar-Scale-ups geht in die nächste Runde. Nachdem der streithafte SolarHelden-Chef sich auf Enpal und dessen Preisgestaltung bei vermieteten PV-Anlagen eingeschossen hat, hat er nun auch das Solarenergie-Scale-up 1Komma5° des ehemaligen Deutschland-Chefs von Tesla, Philipp Schröder, ins Visier genommen. Es könne ja nicht sein, dass sich die Hamburger Firma, in die auch Porsche investierte, sich selbst zum „Marktführer für Klimaschutz-Technologie“ erklärt habe.

1Komma5° hat sich in seiner Eigenwerbung auf seiner Webseite tatsächlich zum Marktführer erklärt und wollte das mit der Zahl von 43.000 errichteten klima-neutralen Energiesystemen unterstreichen. Dazu muss man wissen: 1Komma5° ist durch den Zukauf mehrerer anderer Unternehmen in Schweden, Finnland oder Australien zu einer global aktiven Unternehmensgruppe gewachsen, die wie berichtet im April 2022 satte 200 Millionen Euro für seine „Buy and Build“-Strategie erhalten hat. Aber macht das das Unternehmen auch zum Marktführer?

Nein, meint nun auch das Landgericht Hamburg. Dieses hat 1Komma5°, wie aus einem Trending Topics vorliegenden Beschluss hervorgeht, untersagt, sich weiterhin „Marktführer für Klimaschutz-Technologie“ zu nennen. Auf der Webseite des Scale-ups wurde das bereits geändert. Da wurde aus dem genannten Claim ein relativierendes „Marktführend in Europa für Klimaschutz-Technologie“. Und im Anschlusssatz heißt es nun nur mehr, dass man „bei der Installation von CO2-neutralen Energiesystemen im Privatkundenbereich, insb. bei Solaranlage, Wärmepumpe, Energiespeicher und Wallbox“, zu den führenden Unternehmen in Europa zähle. Mit der „Wayback Machine“ kann man den Wechsel im Wording nachvollziehen (oben = alt, unten = neu):

 

 

1KOMMA5°: 200 Millionen Euro für das Hamburger Solar-Startup

Enpal-Zahlen als Argumentationsgrundlage

Interessant bei der Begründung des Gerichts, dass 1Komma5° sich nicht mehr Marktführer nennen darf, ist, dass es sich dazu auf den Konkurrenten Enpal bezieht. So heißt es in dem Gerichtsdokument:

„So könnte auch die Firma Enpal mit mitgeteilten 25.000 Kunden ein Vielfaches der Kundenzahl an Energiesystemen errichtet haben, wenn Kunden neben einer Photovoltaikanlage auch weitere Leistungen wie Wärmepumpe, Wallbox und Batteriespeicher in Anspruch genommen haben. Schließlich liegt die relevante Zahl von 4.957 durch die Antragsgegnerin errichteter Energiesysteme unterhalb der für die Wettbewerber Enpal und Energiekonzepte Deutschland GmbH geschätzten errichteten Energiesystem.

Nach alledem fehlt es an jeglicher Grundlage für die von der Antragsgegnerin aufgestellten Behauptung, dass sie ,,Der Marktführer für Klimaschutz-Technologie“ sei.“

Durch die vielen Zukäufe im Ausland kann 1Komma5° wohl auf die behauptete zahl an errichteten Energiesystemen kommen, jedoch ist diese nicht für den deutschsprachigen Markt gültig – da kann es gut sein, dass Enpal mit seinen 25.000 Kund:innen viel größer ist. Interessant ist schließlich auch, dass sich Pichlmair wie erwähnt auf Enpal und dessen Preisgestaltung bei PV-Anlagen eingeschossen hat. Nun aber hilft ihm Enpal indirekt beim rechtlichen Kampf gegen 1Komma5°.

Interessant ist dabei auch, dass 1Komma5°-Gründer Schröder Enpal via Spiegel vorwarf, dass die Kosten nach Ablauf von 20 Jahren seien „mindestens zweimal“ so hoch wie der direkte Kauf der PV-Anlagen sei.

Als kleiner Anbieter von PV-Anlagen in München fühlt sich SolarHelden-Chef Pichlmair offenbar durch die mit hunderten Millionen Euro ausgestatteten EnergyTech-Scale-ups 1Komma5° und Enpal, die viel Geld ins Online-Marketing investieren können, offenbar unter Druck gesetzt. Screenshots, die Trending Topics vorliegen, tut er das übrigens auch sehr vehement und schreckt auch nicht vor Beschimpfung des Wettbewerbs zurück. Es ist davon auszugehen, dass sich in der Sache noch einiges tut.

Rivalen werfen Solar-Unicorn Enpal überteuerte Solaranlagen vor

 

 

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