Warum Michael Saylor’s Strategy schon wieder Bitcoin verkauft
Strategy Inc. (Nasdaq: MSTR) hat zwischen 27. Juli und 2. August 1.638 Bitcoin abgestoßen. Das geht aus einem 8-K-Filing bei der US-Börsenaufsicht SEC hervor, das das Unternehmen am Montag einreichte. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag bei 63.957 Dollar je Bitcoin, der Erlös bei rund 104,7 Millionen Dollar. Es ist der zweitgrößte Verkauf des Jahres.
Damit sinkt der Bestand des weltweit größten institutionellen Bitcoin-Halters auf 842.138 BTC. Angeschafft wurden diese Coins zu einem Gesamtpreis von etwa 63,5 Milliarden Dollar, was einem durchschnittlichen Einstandskurs von rund 75.400 Dollar entspricht. Beim aktuellen Kurs von etwa 62.400 Dollar steht das Unternehmen damit auf einem Buchverlust von knapp 11 Milliarden Dollar. Der Bestand entspricht weiterhin rund vier Prozent aller jemals existierenden 21 Millionen Bitcoin.
Vom „Wir verkaufen nie“ zum Verkaufsprogramm
Der Verkauf steht in deutlichem Kontrast zur jahrelangen Kommunikation von Firmengründer und Executive Chairman Michael Saylor. Dieser hatte wiederholt betont, dass es für Strategys Bitcoin-Bestand keine Ausstiegsstrategie gebe und das Unternehmen niemals verkaufen werde – eine Position, die zum Markenkern der ersten „Bitcoin Treasury Company“ wurde und zahlreiche Nachahmer weltweit inspirierte.
Faktisch verkauft Strategy inzwischen regelmäßig. Anfang Juni trennte sich das Unternehmen von 32 Bitcoin – die erste dokumentierte Veräußerung seit einer steuerlich motivierten Transaktion im Jahr 2022. Am 6. Juli folgten 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar, nun 1.638 weitere. Die Verkäufe sind kein Ausnahmefall mehr, sondern institutionalisiert: Unter dem im Frühjahr eingeführten „BTC Monetization Program“ darf das Unternehmen mittlerweile Bitcoin im Volumen von bis zu fünf Milliarden Dollar veräußern.
Das Geld fließt an die Vorzugsaktionäre
Der Grund für die Verkäufe liegt in der Finanzierungsstruktur. Strategy hat sein Bitcoin-Portfolio über Jahre mit Wandelanleihen und mehreren Vorzugsaktien-Serien finanziert – und diese Papiere kosten laufend Geld. Vom jüngsten Erlös gingen laut Filing rund 52,4 Millionen Dollar in Dividendenzahlungen auf die Vorzugsaktie STRC, weitere 52,3 Millionen Dollar in den Rückkauf ebendieser Aktie.
Parallel dazu verkaufte Strategy im selben Zeitraum 3.011.361 MSTR-Stammaktien für rund 290,6 Millionen Dollar. Davon flossen 250 Millionen Dollar in die USD-Reserve, die damit auf vier Milliarden Dollar anwächst und ausschließlich für Dividenden und Zinszahlungen reserviert ist. Unter dem neuen „Digital Credit Capital Framework“ hat das Unternehmen zudem ein Rückkaufprogramm über eine Milliarde Dollar für seine Kreditpapiere aufgesetzt. Erklärtes Ziel: STRC soll wieder in Richtung des Nennwerts von 100 Dollar handeln. Die annualisierte Dividende auf STRC liegt weiterhin bei zwölf Prozent.
8,2 Milliarden Dollar Quartalsverlust
Die Verkäufe fallen in eine schwierige Phase. Für das zweite Quartal 2026 meldete Strategy vergangene Woche einen Nettoverlust von 8,22 Milliarden Dollar – nach einem Gewinn von 10,02 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Verantwortlich dafür sind praktisch ausschließlich nicht realisierte Buchverluste auf den Bitcoin-Bestand in Höhe von 8,32 Milliarden Dollar. Der Bitcoin-Kurs lag zum Quartalsende mehr als 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Das operative Softwaregeschäft, das historische Kerngeschäft des Unternehmens, bleibt dagegen stabil, aber klein: 122,4 Millionen Dollar Umsatz bedeuten ein Plus von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
CFO Andrew Kang verweist auf 18 Monate ununterbrochener Dividendenzahlungen und eine USD-Reserve, die die Verpflichtungen für mehr als zwei Jahre abdecke. Saylor selbst spricht davon, in einer Phase gedämpfter Bitcoin-Stimmung „Digital Credit als neue Anlageklasse“ etablieren zu wollen.

