Olix: Britisches Chip-Unicorn holt 312 Millionen Dollar im Rennen um KI-Inferenz
Das Londoner Deep-Tech-Unternehmen Olix hat eine Series B über 312 Millionen Dollar eingesammelt. Mit an Bord sind Arm, der Hochfrequenzhändler Hudson River Trading, Netflix-Mitgründer Reed Hastings – und der britische Staat. Die Runde fällt mitten in die heißeste Phase des Rennens um KI-Inferenz-Chips.
Zwei Jahre nach der Gründung meldet das Londoner Chip-Startup Olix eine Finanzierungsrunde über 312 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 3,3 Milliarden Dollar. Das Unternehmen, das eigene Chips, Laser und Netzwerktechnik für KI-Inferenz entwickelt und als komplette Racks ausliefert, war erst im Februar dieses Jahres in den Unicorn-Status aufgestiegen: Damals hatte Olix 220 Millionen Dollar bei einer Bewertung von etwas über einer Milliarde Dollar eingesammelt – eine der größten Series-A-Runden, die je ein britisches Tech-Unternehmen gestemmt hat. Innerhalb von rund sechs Monaten hat sich die Bewertung damit mehr als verdreifacht.
Gegründet wurde Olix 2024 von James Dacombe, der davor bereits das Neurotech-Unternehmen CoMind aufgebaut hatte. Er war zum Zeitpunkt der Gründung 23 Jahre alt.
Wer investiert hat
Die Runde umfasst laut Unternehmensangaben die New Yorker Deep-Tech-Investmentfirma Fundomo, den britischen Chipdesigner Arm sowie den US-Hochfrequenzhändler Hudson River Trading. Dazu kommen Angel-Investoren, darunter Netflix-Mitgründer Reed Hastings. Branchenmedien führen Fundomo als Lead-Investor der Runde; die Firma war bereits an der Februar-Runde beteiligt.
Sämtliche Bestandsinvestoren haben ihre Zusagen erhöht: Hummingbird Ventures, Crane, Plural, Creandum, Phoenix Court und Transition.
Nicht in der Aussendung von Olix erwähnt, aber am selben Tag von der britischen Regierung kommuniziert: Auch der staatliche Wagniskapitalfonds „Sovereign AI“ beteiligt sich an der Runde. Olix ist damit das fünfte Unternehmen, das seit dem Start des Fonds ein Eigenkapital-Investment erhält; insgesamt unterstützt das Programm nach Regierungsangaben elf Startups, teils auch mit Zugang zu Rechenleistung. KI-Minister Kanishka Narayan begründete das Investment damit, dass Länder, die Chips bauen, sich strategischen Hebel verschaffen. Sovereign-AI-Ventures-Chefin Joséphine Kant verwies auf den Namen von Dacombes Holding: Bletchley Industries – eine Anspielung auf Bletchley Park, den Ort der britischen Codeknacker im Zweiten Weltkrieg.
Was Olix baut
Olix argumentiert, dass der Industrie-Standardansatz beim Bau von Inferenz-Hardware an Effizienzgrenzen stößt. Das Bild, das die Firma dafür verwendet: Ein Rechenzentrum sei eine Fabrik, deren Produkt der Token ist. Hunderte Rechenoperationen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen laufen dabei über ein und denselben Universal-Chip – während jede andere Fabrik für jeden Fertigungsschritt eine eigene Maschine hätte.
Die Antwort des Unternehmens heißt X-1: Modelle werden über viele Chips hinweg „ausgerollt“, jeder Chip übernimmt nur einen Teil des Modells. Weil sich Modellarchitekturen schnell ändern, behält jeder Chip laut Olix eine flexible Compute-Fabric und verdrahtet keine konkrete Architektur fest. Verbunden werden die Chips über ein optisches Interconnect („slow and wide“), das Daten mit Licht statt über Kupfer transportiert; die Verteilung der Workloads über Racks hinweg übernimmt ein deterministischer Compiler.
Der erste Chip aus der Plattform ist DX-1, ein Decode-Beschleuniger für jene Phase, in der ein Modell seine Antwort erzeugt. Für Modelle in der 100-Milliarden-Parameter-Klasse verspricht Olix mehr als 10.000 Tokens pro Sekunde und Nutzer bei besserem Output-Durchsatz pro Watt als Universal-Chips mit großen Batch-Größen; die Architektur soll bis zu Modellgrößen von 10 Billionen Parametern und darüber skalieren. Unabhängige Messungen dieser Werte gibt es bisher nicht.
Strategisch relevant ist ein zweiter Punkt: DX-1 hält das Modell in schnellem On-Chip-Speicher (SRAM) und kommt nach Firmenangaben ohne Advanced Packaging und ohne High-Bandwidth-Memory (HBM) aus – also genau ohne jene Komponenten, bei denen die Branche derzeit die größten Lieferengpässe hat.
McKeown und Ex-Wise-CFO Briers steigen ein
Mit der Runde holt sich Olix zwei prominente Namen: Nick McKeown, Mitentwickler von Software-Defined Networking, OpenFlow und P4, Professor Emeritus in Stanford und Marconi-Preisträger 2025, zieht in den Verwaltungsrat ein. McKeown hat unter anderem Nicira (an VMware verkauft) und Barefoot Networks (an Intel verkauft) mitgegründet.
Neuer Finanzchef wird Matt Briers, der neun Jahre CFO des Fintechs Wise war und das Unternehmen 2021 durch das Direct Listing an der Londoner Börse führte – damals der erste Direktlisting-Börsengang eines Tech-Unternehmens in London.
Die Runde fällt in eine Phase, in der Kapital massiv in spezialisierte KI-Chips fließt. Nach Dealroom-Daten haben KI-Chip-Startups allein im Jahr 2026 weltweit rund 8,3 Milliarden Dollar eingesammelt. Der Grund für die Fokusverschiebung ist die Inferenz: Nicht mehr das Training der Modelle, sondern deren Betrieb im Alltag – Agenten, Reasoning-Modelle, Deep Research – treibt die Rechen- und Stromkosten.
Auch die Konkurrenz ist gut kapitalisiert: Nvidia übernahm im Dezember Assets des Inferenz-Startups Groq in einem 20-Milliarden-Dollar-Deal und steckte danach vier Milliarden Dollar in Photonik-Unternehmen. Cerebras sammelte zuletzt eine Milliarde Dollar bei 23 Milliarden Dollar Bewertung ein, d-Matrix 275 Millionen Dollar in einer Series C, Etched wird mit rund fünf Milliarden Dollar bewertet. Der US-Vorsprung bei Kapital und Skalierung bleibt damit deutlich – und ist ein wesentlicher Grund, warum London den Fall Olix als industriepolitische Chance rahmt.
Wie es weitergeht
Das frische Kapital soll DX-1 bis in die zweite Hälfte 2027 zu den ersten Kundinnen und Kunden bringen, dazu den Ausbau der breiteren Custom-Silicon-Plattform sowie die nötigen Fertigungs- und Lieferkettenzusagen finanzieren. Olix rekrutiert nach eigenen Angaben in den Bereichen Silizium, Photonik, Compiler und Systems Engineering – in London, Bristol, Austin, Toronto und San Francisco.

