Energiewende

Alkohol als Flugzeugtreibstoff: Startup erhält Millioneninvestment von Bill Gates

LanzaJet stellt Flugzeugtreibstoff aus Ethanol her © LanzaJet
LanzaJet stellt Flugzeugtreibstoff aus Ethanol her © LanzaJet

Eine der größten Herausforderung bei der globalen CO2-Emissionsreduzierung ist es, Flugzeuge umweltfreundlicher zu machen. Viele Unternehmen arbeiten daran, Flugzeugtreibstoff zu entwickeln, der bei Flügen die Emissionen niedriger machen soll. Dieser aufkeimende Markt wird laut Fortune bald einen Meilenstein erreichen: Eine Anlage soll zum ersten Mal in der Lage sein, einen Kraftstoff zum gleichen Preis wie die auf fossilen Brennstoffen basierenden Optionen herzustellen. Das US-Startup LanzaJet stellt den Treibstoff aus Alkohol her und hat die Preisgleichheit dank einer Finanzierung in Höhe von 50 Millionen Dollar von der von Bill Gates geleiteten Firma Breakthrough Energy erreicht.

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Erste kommerzielle Anlage für grünen Flugzeugtreibstoff

LanzaJet baut nun seine erste kommerzielle Anlage im US-Bundesstaat Georgia und rechnet mit der Aufnahme der Produktion im nächsten Jahr. Die Anlage soll die derzeitige US-Kapazität zur Herstellung von nachhaltigem Flugbenzin verdoppeln. Das Jungunternehmen verwendet Ethanol aus Quellen wie Zuckerrohr in Brasilien, Abgas in China oder Mais in den USA und wandelt es dann chemisch in den Treibstoff um. Je nach dem für die Herstellung des Ethanols verwendeten Rohstoff könnten die Emissionen des LanzaJet-Kraftstoffs bis zu 85 Prozent niedriger sein als bei herkömmlichem Flugzeugtreibstoff.

Die Chemie zur Umwandlung von Alkohol in Flugzeugtreibstoff wurde vor fast 100 Jahren entwickelt, aber seitdem verfeinert, so dass sie mit viel höherer Effizienz und geringeren Kosten arbeitet. LanzaJet behauptet, dass es fast jedes Kohlenstoffatom, das in den Prozess gelangt, in nutzbaren Kraftstoff umwandeln kann. Das Verfahren ist jedoch immer noch sehr energieintensiv. Das bedeutet, dass die Kosten für den Kraftstoff aus der ersten Anlage ohne Subventionen oder andere Anreize etwa doppelt so hoch wären wie die Kosten für fossile Brennstoffe. Damit LanzaJet auf dem Markt konkurrenzfähig ist, hat das Unternehmen „konzessioniertes Kapital“ beantragt – also Geld in Form von Zuschüssen oder zinsgünstigen Darlehen.

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Investment zu einem entscheidenden Zeitpunkt

LanzaJet erhielt ein Darlehen in Höhe von 50 Millionen Dollar vom Microsoft Climate Innovation Fund und sicherte sich außerdem einen Zuschuss in Höhe von 14 Millionen Dollar vom US-Energieministerium. Der Rest der 200 Millionen Dollar, die für den Bau der Anlage benötigt werden, wird von den Anteilseignern von LanzaJet aufgebracht: LanzaTech, Mitsui & Co., Suncor Energy, British Airways und Shell Plc.

Der Vorstandsvorsitzende von LanzaJet, Jimmy Samartzis, sagte, dass der Zuschuss von Breakthrough Energy in Höhe von 50 Millionen Dollar zu einem entscheidenden Zeitpunkt kommt, nämlich zwei Jahre vor dem Bau der Anlage in Georgia. Das liegt daran, dass die Inflation im letzten Jahr die Baukosten in die Höhe getrieben hat. Ohne das zusätzliche Geld wäre der in der Anlage produzierte Flugzeugtreibstoff immer noch 25 Prozent teurer als herkömmliche Pendants.

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LanzaJet kann Kraftstoffbedarf der USA bei Weitem nicht decken

Breakthrough Energy hat genau wegen dieser hohen Kosten bei vielen grünen Energieprojekten das mehr als eine Milliarde Dollar schwere Catalyst-Programm ins Leben gerufen, das Beiträge von 15 Unternehmen und philanthropischen Organisationen wie General Motors Co. und Boston Consulting Group umfasst. Ziel von Breakthrough ist es, Projekte zu unterstützen, die daran arbeiten, neue Technologien bis zur Marktreife zu entwickeln.

Die erste Anlage von LanzaJet in Georgia soll jährlich etwa 34 Millionen Liter Flugzeugtreibstoff und fast vier Millionen Liter erneuerbaren Diesel produzieren. Jedoch ist das Startup damit noch weit davon entfernt, die ganze Flugbranche nachhaltiger zu machen. Denn die Produktion ergibt nur einen Bruchteil der etwa 53 Milliarden Liter Flugzeugtreibstoff, die Airlines in den USA jährlich verbrauchen.

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