SpaceX sichert sich Option auf KI-Coding-Start-up Cursor für 60 Milliarden Dollar
Elon Musks Raumfahrt- und Technologiekonzern SpaceX hat sich das Recht gesichert, das KI-Coding-Start-up Cursor noch in diesem Jahr für 60 Milliarden Dollar zu übernehmen. Die Ankündigung erfolgt wenige Monate vor dem erwarteten Börsengang von SpaceX, der das Unternehmen mit rund 1,75 Billionen Dollar bewerten und zum größten Börsengang der Geschichte werden soll.
Was ist Cursor?
Cursor ist ein KI-gestütztes Programmierwerkzeug, das Softwareentwickler bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt. Das Produkt des Unternehmens Anysphere wurde 2022 gegründet und zählt zu den am schnellsten wachsenden Start-ups im Silicon Valley. Cursor automatisiert Teile des Programmierprozesses und steigert so die Produktivität von Entwicklern erheblich.
Das Unternehmen erzielte zuletzt einen annualisierten Umsatz von über zwei Milliarden Dollar und wurde im November 2025 mit 29 Milliarden Dollar bewertet. Für die Entwicklung seiner Produkte nutzt Cursor KI-Modelle von OpenAI, Anthropic, xAI und Google, hat mit „Composer“ aber auch ein selbst gestricktes LLM, das auch einem chinesischen Open-Source-Modell basiert. Nun soll die Partnerschaft mit SpaceX dem Unternehmen Zugang zu deutlich mehr Rechenkapazität verschaffen.
Die Dealstruktur: Option oder Milliarden-Abfindung
Die Vereinbarung sieht vor, dass SpaceX entweder die Option ausübt und Anysphere für 60 Milliarden Dollar vollständig übernimmt oder auf die Übernahme verzichtet und in diesem Fall zehn Milliarden Dollar für die gemeinsame Zusammenarbeit zahlt. Letzteres würde einer der größten Abstandszahlungen in der Unternehmensgeschichte entsprechen.
„Wir denken, dass SpaceX das beste Unternehmen der Welt ist, wenn es um den Aufbau von Rechenkapazitäten geht. Die Leistungen, die sie vollbracht haben, sind außerordentlich.“ (Oskar Schulz, Präsident von Anysphere)
SpaceX erklärte, beide Unternehmen arbeiteten gemeinsam daran, „die weltweit beste KI für Coding und Wissensarbeit zu schaffen“. Cursor soll dabei auf den massiven Rechenkapazitäten von SpaceX aufbauen, darunter dem Supercomputer Colossus in Memphis, der innerhalb von 122 Tagen errichtet wurde.
xAI spielt im Coding-Bereich kaum eine Rolle
Der Deal offenbart eine strategische Schwäche von Musks eigenem KI-Labor xAI. Während Konkurrenten wie OpenAI mit seinem Modell Codex und Anthropic mit Claude Code bereits etablierte und viel genutzte Coding-Werkzeuge anbieten, konnte xAI in diesem Bereich bislang keine vergleichbare Marktstellung aufbauen. Musk gründete xAI 2023 mit dem Ziel, OpenAI und Anthropic herauszufordern, doch die Modelle des Labors blieben im direkten Vergleich bisher zurück.
Mit der Übernahme von Cursor würde SpaceX eine bestehende Kundenbasis unter Softwareentwicklern sowie bewährte Produkte erwerben, anstatt diese Stellung organisch aufzubauen. Cursor soll seinen eigenen Composer-Modell weiterentwickeln und dabei die Infrastruktur von SpaceX nutzen.
Cursors Modell basiert auf chinesischer Open-Source-Technologie
Ein Detail, das im Vorfeld der möglichen Übernahme für Aufmerksamkeit sorgt: Die neueste Version von Cursors eigenem Composer-Modell wurde auf Basis eines Open-Source-Modells des chinesischen Start-ups Moonshot AI entwickelt. Dies wirft Fragen zur technologischen Unabhängigkeit des Unternehmens auf, das SpaceX für 60 Milliarden Dollar erwerben möchte.
Cursor steht damit vor einem strukturellen Dilemma: Einerseits ist das Unternehmen auf Modelle externer Anbieter angewiesen, andererseits gerät es unter Druck, da genau diese Anbieter zunehmend eigene Coding-Werkzeuge auf den Markt bringen und damit in direkten Wettbewerb mit Cursor treten.
Börsengang im Schatten der Dealflut
Der mögliche Cursor-Deal reiht sich in eine Serie von Fusionen und Übernahmen ein, mit denen Musk sein Unternehmensimperium in den vergangenen Monaten umgebaut hat. Im März 2025 fusionierte er seine Social-Media-Plattform X mit xAI, bevor beide Einheiten im Februar 2026 in SpaceX integriert wurden. Die Bewertung des kombinierten Konzerns liegt derzeit bei 1,25 Billionen Dollar.
Für Investoren und Banken, die den bevorstehenden Börsengang begleiten, erschwert die Vielzahl an Transaktionen die Bewertung des Unternehmens. xAI verzeichnete 2025 einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar, während Starlink, SpaceX‘ Satelliten-Internetsparte, im selben Jahr einen operativen Gewinn von 4,42 Milliarden Dollar erzielte. Musk plant zudem, die Kontrolle über den Gesamtkonzern durch Sonderstimmrechte zu sichern.


