Foodsalon

Spar-Vorstand: „Der Online-Shop war ein Höllenverlust. Wir kennen keinen, der Profit macht“

Spar-Vorstand Markus Kaser beim Foodsalon in Wien. © Spar Österreich
Spar-Vorstand Markus Kaser beim Foodsalon in Wien. © Spar Österreich

Beim diesjährigen Food Salon gab Spar-Vorstand Markus Kaser Einblicke in das Geschäftsjahr 2025 sowie in zentrale Entwicklungen am österreichischen Einzelhandelsmarkt. Im Mittelpunkt standen Zahlen zum Geschäftsverlauf, politische Rahmenbedingungen, Eigenmarkenstrategie sowie aktuelle Konsumtrends.

Geschäftsjahr 2025: Marktführerschaft ausgebaut

Die Spar Österreich-Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 22,28 Milliarden Euro und festigte mit einem Marktanteil von 36,2 Prozent ihre Position als Marktführer in Österreich. Die Rendite bewegt sich laut Kaser zwischen einem und zwei Prozent. Der Vorstand sprach von einem „qualitativen Wachstum“ des Unternehmens.

Scharfe Worte fand Kaser für jüngste politische Entscheidungen. Besonders die partielle Mehrwertsteuersenkung und das neue Preisauszeichnungsgesetz stießen auf Unverständnis: „Das sind Dinge, die braucht am Ende keiner, und ich weiß nicht, ob die irgendwas bringen.“ Der Umgang mit der Branche habe das Unternehmen gestört.

Allein die partielle Mehrwertsteuersenkung verursache bei Spar einen IT-Aufwand von rund zwei Millionen Euro. Hinzu komme, dass Dutzende Millionen Preisschilder teils händisch ausgetauscht werden müssten, da elektronische Preisschilder nur teilweise im Einsatz sind. Kasers Fazit: „Der Aufwand steht in keiner Relation zu dem, was da rauskommt.“

Energiepreise als zentraler Standortfaktor

Statt „Nano-Politik“ wünscht sich der Spar-Vorstand eine Auseinandersetzung mit den großen Themen – allen voran den Energiekosten. Energie und Wohnen machen gemeinsam 26 Prozent aus. Im internationalen Vergleich zahle man in China und Indien drei bis fünf Cent pro Kilowattstunde, in den USA 13 bis 15 Cent, während es in Österreich mit 20 bis 30 Cent das Zwei- bis Dreifache sei. „Man könnte sehr viel tun, wenn man nur wollte. Es wäre ein Gamechanger, wenn die Energiepreise nach unten gehen würden“, so Kaser.

Eigenmarken als Wachstumstreiber

Von insgesamt rund 35.000 Artikeln im Sortiment entfallen etwa 10.000 auf Eigenprodukte, davon 6.800 klassische Eigenmarkenprodukte. Der Umsatz mit Eigenmarken liegt in Österreich bei 4,3 Milliarden Euro, was einem Anteil von 45 Prozent entspricht (Gruppe gesamt: 39 Prozent).

Am stärksten wächst derzeit die seit 2007 bestehende Marke Spar Vital. Unter dem neuen Label Spar Vital Pure bringt das Unternehmen Nahrungsergänzungsmittel in den Handel – aktuell 40 laborgeprüfte Produkte, die laut Kaser „niederschwellig und leistbar“ sein sollen. Ein wissenschaftlicher Beirat befasst sich unter anderem mit Themen rund um Bauchwohl und Darmgesundheit.

Kaser unterstrich in diesem Zusammenhang den gesundheitlichen Anspruch des Sortiments: „Man muss nicht in eine Longevity-Klinik nach Zürich fahren, sondern man kann auch einfach in die Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt gehen. Longevity beginnt im Supermarkt und nicht in der Klinik.“

Die Initiative zur Zuckerreduktion läuft seit 2017. Über die Plattform „Young & Urban“, 2018 als Innovationskanal für externe Marken gestartet, wurden Erfolgsgeschichten wie Salva Maro des 80-jährigen Priesters Johannes oder die Entwicklung von Neni rund um Haya Molcho zu einer „Mega-Brand“ möglich.

Spar-Vorstand Markus Kaser beim Foodsalon in Wien. © Spar Österreich
Spar-Vorstand Markus Kaser beim Foodsalon in Wien. © Spar Österreich

Konsumtrend Skyr und der Eiskaffee-Erfolg

Vom Instagram-Hype rund um Skyr-Drinks profitierte Spar deutlich: Die Umsätze bei Skyr-Produkten verdoppelten sich. „Die Umsätze sind durch die Decke geschossen“, so Kaser. „Wir hatten das Glück, dass wir schon viele Skyr-Produkte im Portfolio haben.“

Ein weiteres Massenprodukt ist der Spar-Eiskaffee: 2025 wurden 21 Millionen Becher verkauft. Geplant sind nun eine Premium-Variante sowie eine umweltfreundlichere Verpackung.

Klare Position gegen Shrinkflation

Bei den Eigenmarken kündigte Spar ein „Shrinkflation-Verbot“ an. „Bei uns selbst können wir es zu 100 Prozent kontrollieren. Bei den Industriemarken sitzen wir halt nicht im Driver-Seat.“ Man werde alles daransetzen, dass es auch dort keine Shrinkflation geb. „Das bedeutet, dass wir Industrie-Marken bei Shrinkflation auch auslisten werden“, so Kaser.

Der Begriff Shrinkflation setzt sich aus den englischen Wörtern „to shrink“ (schrumpfen) und „inflation“ zusammen und beschreibt eine versteckte Form der Preiserhöhung: Hersteller reduzieren die Füllmenge oder das Gewicht eines Produkts, behalten aber den Verkaufspreis bei – oder erhöhen ihn sogar. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das faktisch einen höheren Grundpreis pro Kilogramm oder Liter, was auf den ersten Blick jedoch kaum auffällt, da die Verpackung oft nahezu unverändert bleibt.

Als Reaktion auf diese zunehmend verbreitete Praxis hat Österreich das sogenannte Preisauszeichnungsgesetz novelliert. Seit Inkrafttreten der neuen Regelung müssen Händler Konsumentinnen und Konsumenten aktiv darüber informieren, wenn bei einem Produkt die Füllmenge verringert wurde, der Preis aber gleich geblieben oder gestiegen ist. Solche Hinweise – etwa am Regal oder beim Produkt selbst – müssen für einen Zeitraum von zwei Monaten nach der Verkleinerung sichtbar angebracht werden. Für den Handel bedeutet die Regelung allerdings einen zusätzlichen organisatorischen und technischen Aufwand, da entsprechende Kennzeichnungen in den Filialen laufend überwacht und aktualisiert werden müssen.

Als positives Beispiel nannte Kaser ein Joghurt, bei dem die Menge bei gleichem Preis von 450 auf 500 Gramm erhöht wurde.

Absage an den Online-Lebensmittelhandel

Die Spar-App positioniert das Unternehmen als Transparenz-Tool: Die Produktverfügbarkeit wird alle 15 Sekunden aktualisiert. Kaser plädiert für „sinnvolle Digitalisierung statt Hokuspokus“ und grenzt sich dabei bewusst ab: „In manchen Supermärkten wird man von vielen Bildschirmen gestört.“ Ein übermäßiges „Zumüllen mit Information“ lehne man ab – ebenso wie Apps mit Gewinnspielen, von denen Kunden am Ende wenig hätten. „Alles, was in die Vergnügungskategorie und oder unter Abzocke fällt, hat bei uns keinen Platz.“

Deutlich äußerte sich Kaser zum Thema Online-Shop: „Der Online-Shop war ein Höllenverlust. Wir kennen keinen, der Profit macht.“ Angesichts der hohen Supermarktdichte in Österreich sei der Kunde nicht bereit, für diesen Service zu bezahlen – die Preise müssten sonst angehoben werden. „Wir haben uns klar dafür entschieden, und alle anderen haben es uns nachgemacht.“

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