Amazon greift nach Globalstar: Tech-Riese will SpaceX im Satelliten-Markt herausfordern
Der US-Technologiekonzern Amazon steht Insidern zufolge kurz vor der Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar. Die mögliche Transaktion würde Amazons Ambitionen im Bereich Satelliten-Internet erheblich beschleunigen und den Konzern in eine direkte Konkurrenzposition zu Elon Musks SpaceX-Dienst Starlink bringen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am 14. April 2026 unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Fortgeschrittene Verhandlungen, aber kein Abschluss in Sicht
Laut Bloomberg befinden sich beide Unternehmen in fortgeschrittenen Gesprächen. Eine Bekanntgabe könnte demnach bereits in den nächsten Tagen erfolgen. Allerdings sei noch keine endgültige Einigung erzielt worden. Die Verhandlungen könnten auch scheitern oder sich zeitlich verschieben. Amazon lehnte eine Stellungnahme ab, Globalstar reagierte zunächst nicht auf Anfragen.
An der Börse ist Globalstar derzeit mit mehr als neun Milliarden US-Dollar bewertet. Das Unternehmen mit Sitz in Covington, Louisiana, betreibt eine Konstellation von Satelliten im niedrigen Erdorbit (LEO) und verfügt über lizenziertes Spektrum im Band 53/n53, das sowohl für Satelliten- als auch für terrestrische Anwendungen genutzt werden kann.
Amazons Satellitenambition: Projekt „Amazon Leo“
Amazon arbeitet unter dem Namen Amazon Leo an einem eigenen Breitband-Satellitennetz, das mit mehr als 7.700 Satelliten schnelles Internet in ländliche und abgelegene Gebiete bringen soll. Der Dienst ist für den Sommer 2026 geplant. Bislang hat Amazon nach eigenen Angaben von CEO Andy Jassy mehr als 200 Satelliten in den Orbit gebracht. Von den für Juli 2026 beantragten 1.600 Satelliten ist der Konzern damit noch weit entfernt.
Eine Übernahme von Globalstar würde Amazon nicht nur eine bestehende Satellitenkonstellation einbringen, sondern auch wertvolle Infrastruktur am Boden, lizenziertes Spektrum sowie ein etabliertes Kundennetz in den Bereichen IoT, Unternehmenskommunikation und Verbraucherdienste.
Globalstar: Solides Wachstum und strategische Neuausrichtung
Globalstar verzeichnete für das Geschäftsjahr 2025 einen Rekordumsatz von 273 Millionen US-Dollar, ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 50 Prozent. Das Unternehmen erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 7,4 Millionen US-Dollar, nach einem Verlust von 0,9 Millionen US-Dollar im Vorjahr.
„2025 war ein transformatives Jahr für Globalstar. Wir haben unsere Strategie in jeder Dimension des Unternehmens vorangetrieben: von der globalen Infrastrukturexpansion über Produktinnovationen bis hin zur wachsenden kommerziellen Akzeptanz in Regierungs-, Unternehmens- und Industriemärkten.“ Dr. Paul E. Jacobs, CEO von Globalstar
Für 2026 erwartet Globalstar einen Umsatz zwischen 280 und 305 Millionen US-Dollar bei einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 50 Prozent. Das Unternehmen verfügte zum Jahresende 2025 über liquide Mittel von 447,5 Millionen US-Dollar.
Apple als bestehender Großinvestor
Eine Übernahme durch Amazon würde auch die bestehende Partnerschaft mit Apple berühren. Der iPhone-Hersteller nutzt Globalstars Satellitennetz für die Notfall-SOS-Funktion seiner iPhones und investierte 2024 laut Bloomberg 1,5 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen, wofür Apple eine Beteiligung von 20 Prozent erhielt. Wie sich eine Amazon-Übernahme auf diese Partnerschaft auswirken würde, ist derzeit offen.
Wettbewerb mit SpaceX verschärft sich
Der mögliche Zukauf fügt sich in einen sich verschärfenden Wettbewerb im Markt für Satelliten-Internet ein. SpaceX dominiert diesen Markt derzeit mit seinem Starlink-Dienst, der weltweit mehrere Millionen Nutzer zählt. Einem Medienbericht zufolge plant SpaceX noch vor dem Sommer 2026 einen Börsengang seines Tochterunternehmens, der als einer der größten IPOs des Jahres erwartet wird.
Für Amazon würde eine erfolgreiche Übernahme von Globalstar den Aufbau eines konkurrenzfähigen Satelliten-Ökosystems erheblich beschleunigen. Neben der bestehenden Infrastruktur brächte Globalstar auch Technologien für private 5G-Netzwerke (XCOM RAN) sowie ein wachsendes IoT-Geschäft mit, das zuletzt ein Abonnentenwachstum von sechs Prozent und einen Anstieg der Hardware-Umsätze um 50 Prozent verzeichnete.


