Startup-Boom blieb in Österreich 2025 aus; Frauenanteil wieder leicht gesunken
Während 2025 in Deutschland ein Gründungs-Boom stattfand (Zuwachs von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr), gab es einen solchen in Österreich im Vorjahr nicht: Das AIT Austrian Institute of Technology, AustrianStartups und das WU Entrepreneurship Center haben heute die achte Ausgabe des Austrian Startup Monitor (ASM) vorgestellt. Der Bericht liefert ein differenziertes Bild der österreichischen Startup-Szene: Während Startups als Innovationstreiber an Bedeutung gewinnen, stagniert die Zahl der Neugründungen, und strukturelle Herausforderungen bleiben bestehen.
Kernergebnisse im Überblick
- Schlüsseltechnologien: 71% der österreichischen Startups entwickeln Schlüsseltechnologien, darunter Künstliche Intelligenz, Dateninnovation, Life Sciences, Biotech sowie Energie- und Umwelttechnologien.
- Gründungsdynamik: Seit 2014 wurden mehr als 3.600 Startups gegründet. Nach einem Boom bis 2019 stagniert die Zahl der jährlichen Neugründungen auf konstantem Niveau. (Anm.: Offizielle Zahlen gibt es, siehe Grafik unten, für 2025 noch nicht)

- Internationalisierung: Der Anteil der im Ausland erwirtschafteten Umsätze stieg auf 42%, den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen. Rund 80% der Startups planen eine Expansion in neue internationale Märkte.
- Beschäftigung: Rund 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Startup-Sektor beschäftigt. 73% der Startups planen Neueinstellungen, die prognostizierten rund 9.000 neuen Jobs fallen jedoch geringer aus als im Vorjahr.
- Frauenanteil: Der Anteil von Frauen unter den Gründerinnen und Gründern ist um einen Prozentpunkt auf 21% gesunken. Auch der Anteil gemischter Gründungsteams ist zurückgegangen und liegt bei 24%.
- Spin-offs: Der Anteil akademischer Spin-offs ist auf 23% gestiegen, darunter wächst insbesondere der Anteil der Forschungs-Spin-offs.
- Soziale und ökologische Ziele: 62% der Neugründungen verfolgen soziale und/oder ökologische Ziele (Green oder Social Startups).
- Geschäftslage: 43% der Startups bewerten die aktuellen Geschäftsbedingungen als gut oder sehr gut (Vorjahr: 39%).
- KI-Nutzung: 70% der Startups nutzen KI in der Produktentwicklung, 84% zur Prozessoptimierung. Etwa jedes zweite Startup integriert KI als Produkt- oder Service-Feature.
- Unternehmensfinanzierung: 54% der Startups haben externes Eigenkapital eingeworben. Bei Scaleups liegt dieser Wert bei 91%.
- Gründungsalter: Rund 27% der Gründerinnen und Gründer sind bei ihrer ersten Gründung unter 25 Jahre alt.
Forderungen der Startups an die Politik
Der Zugang zu Kapital bleibt eine zentrale Herausforderung. Trotz erster Anzeichen einer leichten Entspannung bestehen insbesondere in späteren Wachstumsphasen weiterhin Finanzierungslücken. Die Startups formulieren klare politische Forderungen:
- Steuererleichterungen, insbesondere bei Lohnnebenkosten (56%)
- Stärkere Anreize für privates Risikokapital (52%)
- Schnellere und unbürokratischere Förderprozesse (46%)
„Unsicherheit und Investitionszurückhaltung bremsen die Gründungsdynamik“
Hannah Wundsam betont die grundlegende Bedeutung von Startups für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Österreichs, verweist aber gleichzeitig auf bestehende Hemmnisse und ungenutzte Potenziale.
„Startups sind der Schlüssel für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft unseres Landes. Gleichzeitig sehen wir, dass Unsicherheit und Investitionszurückhaltung die Gründungsdynamik bremsen. Der rückläufige Anteil von Gründerinnen unterstreicht zusätzlich, dass wir vorhandenes Potenzial noch nicht ausreichend nutzen. Umso wichtiger ist es, die Rahmenbedingungen für Gründung und Wachstum gezielt zu verbessern.“
Wundsam sieht in der sinkenden Beteiligung von Frauen am Gründungsgeschehen ein strukturelles Problem, das gezielter Maßnahmen bedarf. Die verhaltene Investitionsbereitschaft und allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit identifiziert sie als wesentliche Bremsfaktoren für die Gründungsdynamik in Österreich.
FlexCo reicht nicht
34 Prozent der neu gegründeten Startups in 2025 haben die relativ neue Gesellschaftsrechtsform FlexCo anstatt der GmbH gewählt – sie wurde eingeführt, um gerade eben Startups das Geschäftsleben zu erleichtern. Allerdings gibt es auch für die FlexCo keine guten Noten in dem Report.
„Besonders häufig gefordert werden mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und deren Aufzeichnung (45%) sowie weitere Verbesserungen bei der Beteiligung von Mitarbeiter:innen am Unternehmenserfolg (38%). Dies deutet darauf hin, dass die jüngsten Reformschritte – insbesondere im Zuge der Flexiblen Kapitalgesellschaft (FlexKapG) – die Bedürfnisse wachsender Scaleups noch nicht ausreichend adressieren und bestehende Limits (z.B. Mitarbeiter:innen bzw. Umsatzgrenzen) aufgehoben werden sollten“, heißt es in dem Dokument.


