Revolut will erst 2028 an die Börse, vorher noch Kapital aufnehmen
Die britische Digitalbank Revolut strebt einen Börsengang nicht vor 2028 an. Gründer und CEO Nik Storonsky hat in einem Interview für die Bloomberg-Sendung „The David Rubenstein Show“ erklärt, dass der IPO noch mindestens zwei Jahre entfernt sei. Damit beendet der 41-Jährige Spekulationen, wonach das Fintech-Unternehmen möglicherweise bereits in diesem Jahr den Schritt an die Börse wagen könnte. Der genaue Zeitpunkt hänge von den jeweiligen Marktbedingungen ab.
Storonsky begründet die Börsenpläne mit der Bedeutung von Vertrauen im Bankgeschäft. Börsennotierte Unternehmen genössen im Vergleich zu privaten Firmen ein höheres Vertrauen bei Kunden und Partnern. Der aktuelle Fokus soll nicht auf einem Börsengang liegen, sondern auf dem Ausbau des Geschäfts, der Entwicklung neuer Produkte und besserer Services für die Nutzer weltweit. Langfristig könne ein IPO jedoch durchaus sinnvoll sein.
Bewertung übersteigt Deutsche Bank
Revolut zählt mit einer aktuellen Bewertung von 75 Milliarden US-Dollar zu den wertvollsten Digitalbanken weltweit und liegt damit über der Marktkapitalisierung der Deutschen Bank, die rund 65 Milliarden Dollar erreicht. Die jüngste Finanzierungsrunde im November 2025 hatte die Bewertung von zuvor 45 Milliarden Dollar massiv nach oben getrieben. Das Unternehmen verzeichnet weiterhin starkes Wachstum: Der Nettogewinn stieg im vergangenen Jahr um etwa 60 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Zum Jahresende 2025 zählte die Neobank weltweit 68,3 Millionen Kunden, davon rund drei Millionen in Deutschland. Zu den Investoren gehören unter anderem Nvidia und Coatue Management.
Vor einem möglichen Börsengang prüft Revolut weitere Sekundärverkäufe von Anteilen. Das Unternehmen führt üblicherweise alle ein bis zwei Jahre solche Finanzierungsrunden durch, um Liquidität für frühe Investoren und Mitarbeiter zu schaffen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte bereits im Februar berichtet, dass Revolut einen neuen Aktienverkauf noch in diesem Jahr erwäge. Solche Kapitalerhöhungen treiben in der Regel die Unternehmensbewertung weiter nach oben.
Banklizenz in den USA beantragt
Parallel zur Vorbereitung des Börsengangs treibt Revolut seine internationale Expansion voran. Im März erhielt das Unternehmen eine vollständige Banklizenz in Großbritannien, kürzlich folgte die Beantragung einer US-Banklizenz. Die Leitung der Region USA hat Cetin Duransoy übernommen, ein ehemaliger Manager von Visa. Revolut ist seit 2020 in den Vereinigten Staaten aktiv und arbeitet dort mit Partnerbanken zusammen, um Kunden zu bedienen. Storonsky zeigte sich zuversichtlich hinsichtlich der Genehmigung und verwies auf die neue US-Regierung sowie die bereits vorhandenen Banklizenzen in anderen Ländern.
Der US-Markt gilt als schwieriges Terrain für europäische Digitalbanken. Der Revolut-Konkurrent N26 aus Deutschland hatte seine US-Ambitionen Anfang 2022 nach nur zwei Jahren aufgegeben, da sich die Expansionspläne nicht rechneten. Ohne eigene Lizenz sind Fintech-Unternehmen auf Partnerbanken angewiesen, was häufig zu unflexiblen Kooperationen führt und regulatorisch anfällig ist, da die Partnerbank für mögliches Fehlverhalten des Fintechs haftet. Revolut setzt mit der beantragten eigenen Lizenz auf einen anderen Weg, um diese Hürden zu überwinden und den wichtigen amerikanischen Markt nachhaltig zu erschließen.


