Börsengang

Bending Spoons: Tractive-Mutter holt 1,68 Milliarden Dollar beim IPO

Bending Spoons-CEO Luca Ferrari. © Bending Spoons
Bending Spoons-CEO Luca Ferrari. © Bending Spoons

Das Mailänder Technologieunternehmen Bending Spoons, das für seine Strategie bekannt ist, etablierte Software-Unternehmen zu erwerben und grundlegend zu transformieren, bereitet seinen Börsengang an der Nasdaq vor. Mit einer Bewertung von etwa 18,4 Milliarden US-Dollar positioniert sich das Unternehmen als ein neuer, massiver Akteur auf dem Markt für digitale Marken.

Das Unternehmen Bending Spoons S.p.A. hat die Preisgestaltung für seinen Börsengang (IPO) bekannt gegeben. Die Aktien wurden zu einem Preis von 29,00 US-Dollar pro Aktie festgesetzt und liegen damit über der ursprünglichen Handelsspanne von 26 bis 28 US-Dollar. Insgesamt werden rund 58 Millionen Aktien angeboten, wovon etwa 34,4 Millionen neue Aktien des Unternehmens sind, während der Rest von bestehenden Aktionären verkauft wird.

Durch diesen Börsengang will das Unternehmen ein Kapital von etwa 1,68 Milliarden US-Dollar aufnehmen. Der Handel an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker-Symbol „BSP“ soll unmittelbar nach Abschluss des Angebots beginnen.

Eine hybride Strategie: Private Equity trifft auf Technologie

Die Geschäftsstrategie von Bending Spoons unterscheidet sich grundlegend von den aktuellen Trends im Silicon Valley. Während sich der Großteil des Kapitals derzeit auf hochspekulativ bewertete KI-Startups konzentriert, setzt die Mailänder Firma auf den Wert etablierter, aber oft stagnierender Internetmarken.

CEO Luca Ferrari beschreibt das Modell des Unternehmens als einen Hybrid: „Unsere Idee ist es, eine Mischung aus einer Private-Equity-Firma und Google zu sein.“ Das Ziel ist es, Unternehmen mit großen, loyalen Nutzerbasen zu identifizieren, deren technologischer Vorsprung durch den raschen Wandel im Softwaremarkt verloren gegangen ist, die aber dennoch über signifikante Umsatzströme verfügen.

Seit November des vergangenen Jahres hat Bending Spoons bereits über etwa 4 Milliarden US-Dollar in gezielte Akquisitionen investiert. Zu den prominentesten Namen in ihrem Portfolio gehören das Internet-Urgestein AOL, das für 1,5 Milliarden US-Dollar erworben wurde, sowie die Videoplattform Vimeo, der Notizdienst Evernote, der Ticketanbieter Eventbrite sowie WeTransfer und Brightcove. Ein bedeutender strategischer Zukauf im europäischen Raum war zudem die Übernahme des österreichischen Unternehmens Tractive, für die Bending Spoons rund 900 Millionen US-Dollar aufbrachte.

Profitabilität durch technologische Transformation und KI

Der Erfolg des Modells hängt von der Fähigkeit des Unternehmens ab, die übernommenen Marken radikal zu restrukturieren. Der Prozess folgt einem dreistufigen Plan: Akquisition, Transformation und Reinvestition.

In der Transformationsphase setzt Bending Spoons auf eine tiefgreifende Optimierung. Dies beinhaltet oft personelle Umstrukturierungen, um die Betriebskosten zu senken, sowie eine Anpassung der Preismodelle, um die Monetarisierung zu steigern. Parallel dazu übernimmt ein hochspezialisiertes Team aus Ingenieuren – intern als „Spooners“ bekannt – die technische Modernisierung der Produkte.

Ein zentraler Pfeiler dieser Strategie ist der massive Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Bending Spoons nutzt KI nicht nur als Werkzeug zur internen Effizienzsteigerung, sondern als Kernkomponente der Produktentwicklung. Ziel ist es, die zugekauften Unternehmen durch KI-gestützte Funktionen technologisch auf den neuesten Stand zu bringen, die Benutzererfahrung zu verbessern und die Produkte so wieder hochprofitabel zu machen. Mit dem frischen Kapital aus dem Börsengang plant das Unternehmen, diesen Zyklus fortzusetzen und die Liste seiner über 1.000 potenziellen Akquisitionen abzuarbeiten.

Im Falle von Tractive bedeutete diese Transformation, dass mehr als 50% der Belegschaft wenige Monate nach der Übernahme gekündigt wurden.

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