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Claude Mythos: Gefährlichstes KI-Modell soll bereits von NSA eingesetzt werden

Claude Mythos System Card by Anthropic. © Anthropic / Canva
Claude Mythos System Card by Anthropic. © Anthropic / Canva

Trotz eines laufenden Rechtsstreits zwischen dem US-Verteidigungsministerium und dem KI-Unternehmen Anthropic nutzt der amerikanische Geheimdienst NSA offenbar bereits das neueste und leistungsstärkste Modell des Unternehmens: Claude Mythos Preview. Das berichten zwei unabhängige Quellen gegenüber dem US-Nachrichtenportal Axios. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den wachsenden Einfluss von KI in der nationalen Sicherheit und die Widersprüche innerhalb der US-Regierung.

Was ist die NSA und warum ist sie relevant?

Die National Security Agency ist der größte und technisch am weitesten entwickelte Nachrichtendienst der Vereinigten Staaten. Sie untersteht dem Verteidigungsministerium (neuerdings Department of War) und ist primär für die Erfassung, Analyse und den Schutz von Signalen und digitalen Kommunikationen zuständig, also für sogenannte Signals Intelligence (SIGINT). Mit Zehntausenden Mitarbeitenden und einem der größten Supercomputer-Netzwerke der Welt gilt die NSA als eine der mächtigsten Cyberintelligenz-Organisationen weltweit.

Gerade deshalb ist die Meldung brisant: Das Verteidigungsministerium, dem die NSA untersteht, bezeichnet Anthropic offiziell als „Supply Chain Risk“, also als Risiko für die Lieferkette sicherheitskritischer Technologien. Gleichzeitig nutzt eine seiner nachgeordneten Behörden genau die Werkzeuge dieses Unternehmens. Das Ministerium hatte im Februar versucht, Anthropic als Lieferanten auszuschließen und seine Vertragspartner zur Nachahmung zu bewegen. Dieser Rechtsstreit ist noch nicht abgeschlossen.

Der Widerspruch: Sicherheitsrisiko und unverzichtbares Werkzeug zugleich

Die Situation innerhalb der US-Regierung ist gespalten. Auf der einen Seite stehen Verteidigungsbeamte, die Anthropic vorwerfen, unzuverlässig zu sein, weil das Unternehmen bestimmte Einsatzzwecke ablehnt. Konkret hatte das Pentagon gefordert, das Claude-Modell für „alle rechtmäßigen Zwecke“ nutzen zu dürfen. Anthropic bestand jedoch darauf, Massenüberwachung im Inland und die Entwicklung autonomer Waffen auszuschließen.

Auf der anderen Seite drängen Teile der Regierung darauf, den Konflikt zu beenden, um Zugang zu den technologisch führenden Werkzeugen zu behalten. Anthropic-CEO Dario Amodei traf sich deshalb am 17. April 2026 mit Stabschefin Susie Wiles und Finanzminister Scott Bessent im Weißen Haus, um die Nutzung von Mythos in Behörden sowie die Sicherheitspraktiken des Unternehmens zu besprechen. Beide Seiten bezeichneten das Treffen als produktiv.

„Die Arbeit zur Verteidigung der weltweiten Cyberinfrastruktur könnte Jahre dauern; die Fähigkeiten von Frontier-KI werden sich wahrscheinlich in den nächsten Monaten erheblich weiterentwickeln. Damit Cyberverteidiger die Oberhand behalten, müssen wir jetzt handeln.“ (Anthropic)

Was kann Claude Mythos Preview?

Claude Mythos Preview ist laut Anthropic das bislang leistungsfähigste Modell des Unternehmens und übertrifft nach eigenen Angaben die Fähigkeiten aller außer den besten menschlichen Sicherheitsexperten im Bereich Cybersicherheit. Das Modell ist in der Lage, Sicherheitslücken in Software nahezu vollständig autonom zu identifizieren und funktionierende Exploits zu entwickeln, ohne menschliche Steuerung.

Im Rahmen interner Tests entdeckte Mythos tausende kritische Schwachstellen in allen großen Betriebssystemen und Webbrowsern. Drei konkrete Funde wurden öffentlich gemacht:

  • Eine 27 Jahre alte Schwachstelle in OpenBSD, einem als besonders sicher geltenden Betriebssystem für Firewalls und kritische Infrastruktur. Die Lücke ermöglichte es, betroffene Rechner allein per Netzwerkverbindung zum Absturz zu bringen.
  • Eine 16 Jahre alte Schwachstelle in FFmpeg, einer weit verbreiteten Bibliothek zur Videoverarbeitung. Automatisierte Testtools hatten die betreffende Codezeile bereits fünf Millionen Mal ausgeführt, ohne das Problem zu erkennen.
  • Mehrere verknüpfte Schwachstellen im Linux-Kernel, durch deren Kombination ein Angreifer von einfachem Nutzerzugang zur vollständigen Kontrolle über eine Maschine gelangen konnte.

Alle genannten Lücken wurden den zuständigen Softwarepflegern gemeldet und sind inzwischen behoben. Weitere entdeckte Schwachstellen hat Anthropic zunächst nur als kryptografischen Hash veröffentlicht und will die vollständigen Details erst nach einer Behebung preisgeben.

Warum Mythos nicht öffentlich verfügbar ist

Wegen seiner außergewöhnlichen offensiven Fähigkeiten hat Anthropic entschieden, Claude Mythos Preview nicht allgemein zugänglich zu machen. Der Zugang ist auf rund 40 Organisationen beschränkt, die sich zu einem verantwortungsvollen Umgang verpflichtet haben. Die Befürchtung des Unternehmens: In den falschen Händen könnten die Fähigkeiten des Modells verheerende Folgen für Wirtschaft, öffentliche Sicherheit und nationale Sicherheit haben.

Langfristig plant Anthropic, Modelle dieser Leistungsklasse sicher und in großem Maßstab bereitzustellen. Dafür müssen zunächst geeignete Schutzmechanismen entwickelt werden, die gefährliche Ausgaben erkennen und blockieren. Diese Sicherheitssysteme sollen zuerst an einem weniger riskanten Modell erprobt werden, einem kommenden Claude-Opus-Modell.

Project Glasswing: Wer bereits Zugang hat

Um die Fähigkeiten von Mythos gezielt für Verteidigungszwecke einzusetzen, hat Anthropic die Initiative Project Glasswing ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Modell für defensive Sicherheitsarbeit zu nutzen und gewonnene Erkenntnisse mit der gesamten Branche zu teilen. Anthropic stellt dafür bis zu 100 Millionen US-Dollar an Nutzungsguthaben sowie 4 Millionen US-Dollar als direkte Spenden an Open-Source-Sicherheitsorganisationen bereit.

Zu den offiziell bestätigten Gründungspartnern von Project Glasswing gehören zwölf namhafte Unternehmen und Organisationen:

  • Amazon Web Services
  • Anthropic
  • Apple
  • Broadcom
  • Cisco
  • CrowdStrike
  • Google
  • JPMorganChase
  • Linux Foundation
  • Microsoft
  • NVIDIA
  • Palo Alto Networks

Darüber hinaus erhalten mehr als 40 weitere Organisationen Zugang, die kritische Softwareinfrastruktur entwickeln oder betreiben. Die NSA gehört laut einer Quelle zu den nicht öffentlich genannten Behörden mit Zugang zum Modell. Auch der britische Geheimdienst MI5 soll über das AI Security Institute des Vereinigten Königreichs Zugang erhalten haben.

Ausblick: KI als Schlüssel zur Cyberverteidigung

Der Fall zeigt, wie sehr leistungsfähige KI-Modelle bereits heute in den Mittelpunkt staatlicher Sicherheitsstrategien gerückt sind. Die NSA nutzt Mythos offenbar vor allem, um die eigene Infrastruktur auf Schwachstellen zu scannen, ähnlich wie andere Organisationen mit Zugang zum Modell. Ob und wie der Konflikt zwischen dem Pentagon und Anthropic beigelegt wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die technologische Anziehungskraft von Claude Mythos scheint stärker zu sein als politische Differenzen.

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