Analyse

Die Mega-Trends für 2023 für alle, die mit Startups und Tech arbeiten

Ein Blick in die Zukunft. © Unsplash
Ein Blick in die Zukunft. © Unsplash

2022 ist mit seinen Multi-Krisen im Rückspiegel wohl ein Wendejahr, oder, wie es der deutsche Kanzler formulierte, eine „Zeitenwende“. Deswegen: 2023 wird wild. Der Krisenwinter ist erst halb durch, und schon muss man sich wieder damit beschäftigen, was im neuen Jahr wichtig wird. Die großen Fails und Wins des Vorjahres weisen uns den Weg ins Jahr 2023 und zeigen, was wichtig sein wird.

Decentralized Social Networks

2022 konnte man dem Verfall der einstigen Social-Media-Könige Facebook/Meta und Twitter live zusehen. Während da Microsoft/Linkedin und Bytedance/TikTok davon profitierten, aber im Wesentlichen nicht viel anders machten als Zuckerberg und Musk, ist eine große Neugierde und steigender Bedarf nach dezentralen Social Networks zu bemerken – vor allem in Europa. Die dezentralisierte Twitter-Alternative Mastodon profitiert genauso von dem Trend wie andere, auf Dezentralität bedachte Protokolle für Social Networks wie ActivityPub, Bluesky oder nostr. 2023 wird sich weisen, ob die breite Masse für die technisch doch komplizierten Fediverse-Vertreter:innen bereit sind – oder doch lieber bei zentralisierten Playern einloggen.

Mastodon profitiert von Twitter-Flucht, wächst auf 2,5 Millionen User

Generative AI

ChatGPT, Dall-E oder Stable Diffusion sind die Vorboten einer neuen großen Welle an so genannter Generative AI (GenAI) – also Machine Learning/KI-Tools, die auf Knopfdruck Content aller Art erzeugen können. Das manifestiert sich derzeit in witzigen Comic-Bildchen, die man sich mit Apps anfertigen lassen kann, wird aber auch viele weitere Bereiche ausgeweitet werden – etwa Filme, Bücher, ganze Webseiten. Menschen wird es trotzdem weiter brauchen – nämlich als die kreativen Köpfe, die der AI als Dirigenten sagen, was sie tun sollen, was gut und richtig ist – und was nicht.

KI-Bilder: Stable Diffusion-Betreiber sammelt 101 Millionen Dollar ein

Decentralized Energy

Warum Strom und Wärme aus entfernten Kraftwerken beziehen, wenn man sich die Energie doch selbst am Hausdach im Konzert mit den Nachbarn produzieren kann? Gerade in sonnenreichen Regionen wie etwa Kalifornien greift das Konzept des virtuellen, dezentralen Solar-Kraftwerks um sich. Unternehmen planen bereits, ganze Gemeinden unabhängig und sogar billiger mit Strom zu versorgen, als es zentrale Stromversorger könnten. Auch in Europa – etwa in Österreich – fasst die Idee Fuß, wenn sich Energiegemeinschaften zu formieren beginnen.

Swell Energy: 120 Millionen Dollar für virtuelle Solar-Kraftwerke

EnergyTech

Strom sparen, Energie managen, Elektrizität handeln, Wärme speichern, und so weiter und so fort: 2023 wird sich sehr viel um neue Ideen und Verbesserungen im Energiebereich drehen. Egal ob eine bessere Wärmepumpe oder eine Batterie aus Sand: Startups für Energieeffizienz, -speicherung und -produktion werden 2023 sehr genau von VCs und Corporates beobachtet werden.

Wir brauchen dringend mehr Energy Literacy

Solarzellen

30 Prozent, 31, Prozent, 32 Prozent: Forscher:innen kommen in immer kürzeren Abständen mit Erfolgsmeldungen zum Wirkungsgrad von Solarzellen ums Eck. Gerade in Europa wird die so genannte Tandem-Zelle (eine Perwoskit-Schicht liegt über dem bisher üblichen Silizium) immer besser gemacht, um die Energieausbeute zu erhöhen. Das bewirkt, dass auch gleicher Fläche immer mehr Sonnenstrom erzeugt werden kann, und das auch gebogene Flächen (z.B. Autos) damit überzogen werden können. 2023 wird die Solar-Revolution weitergehen.

Rekord: Wirkungsgrad von Solarzelle erreicht erstmals 32,5%

ClimateTech gegen CO2

CO2-Staubsauger, Brennstoffzellen im Keller, H2-Autos, PV-Anlagen, Wärmepumpen, energieeffiziente Bauweisen, grüner Stahl, und so weiter und so fort: 2022 wurden bisher weltweit mehr als 50 Mrd. US-Dollar in ClimateTech-Startups investiert – also etwa jeder vierte Dollar. Da das Jahr 2030 mit großen Vorhaben vieler Länder, CO2 zu senken und Energie zu sparen, immer näher rückt, und gleichzeitig der CO2-Preis immer weiter steigen wird, stehen Unternehmen unter immer größeren Druck, ihre Treibhausgasemissionen zu verringern. Dementsprechend steil wird die Nachfrage nach CO2-mindernden oder CO2-beseitigenden Technologien steigen – und Investor:innen werden weiter noch viel mehr Geld in das künftige Billionengeschäft stecken.

ClimateTech funktioniert fundamental anders als bisherige Startup-Investments

Streben nach Super-Apps

Egel ob im Bereich Mobility, Finance, Health oder Crypto: Kleine wie große Tech-Unternehmen sind allesamt danach bestrebt, ihre Features auf möglichst viele Bereiche ihrer Branche auszuweiten. In Trading-Apps kauft man alles von Aktien über ETFs bis Bitcoin, in Mobility-Apps bucht man alles vom E-Scooter bis zum E-Auto, in der Health-App analysiert man alles von der Gesundheitsversicherung bis hin zu den Apple-Watch-Daten – und so weiter und so fort. Dass es 2023 durch das Krisenjahr 2022 vermehrt zu Konsolidierung (Firmen gehen insolvent oder werden von der Konkurrenz aufgekauft) kommen wird, weil immer mehr (vor allem junge) Startups zu wackeln beginnen, gibt den Gewinnern der Branche die Möglichkeit, vergleichsweise günstig in neue Bereiche zu expandieren. Players to watch: Revolut, Bitpanda, Bolt oder Getir.

Wie sich Super-Apps in der Fintech-Welt breit machen

No Code

Es gibt sie mittlerweile auch aus Österreich: Startups wie Kula oder Nexyo, die anderen Firmen No oder Low Code anbieten. Bedeutet: Es braucht keine oder nur geringe Programmierkenntnisse mehr, um neue Software zu schreiben. Machine Learning oder KI ist mittlerweile so weit, diese Aufgabe für den Menschen zu erledigen. Anstatt passende Cloud-Software für den hauseigenen Anwendungsfall finden zu müssen, werden sich Unternehmen maßgeschneiderte Software-Tools einfach selbst erstellen. Wer eine Vorahnung bekommen will, kann das aktuell bei ChatGPT ausprobieren.

No-Code-Startup Kula schließt sechsstellige Pre-Seed-Runde ab

 

Mergers & Acquisitions

Bis auf einige wenige Megadeals (Twitter; Microsoft/Activision Blizzard; Broadcom/VMWare) war 2022 eher ruhig in Sachen Fusionen und Übernahmen. 2023 könnte sich das ändern. Denn die Poly-Krise hat so manches Unternehmen schwer getroffen und es reif für die Übernahme durch die Konkurrenz gemacht. „Trotz der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit, der steigenden Inflation und der steigenden Zinsen lagen die Fusionen und Übernahmen im Jahr 2022 weitgehend über oder auf dem Niveau vor der Pandemie, mit einer Reihe großer Fusionen und Übernahmen, insbesondere in den Sektoren Industrie, Technologie, Immobilien und Konsumgüter. Finanzinvestoren bleiben sehr aktiv und die Führungskräfte von Corporates sprechen weiterhin über mögliche Deals, und alle senden deutliche und starke Signale dafür, dass die Deal-Aktivität in den kommenden Monaten wahrscheinlich auf hohem Niveau fortgesetzt wird“, analysiert Louise Wallace, Leiterin der internationalen CMS Corporate/M&A Group. Schwierig wird es werden, sich auf einen Preis zu einigen. Viele Firmen kommen aus Boom-Phasen mit hohen Bewertungen, während Käufer von sehr niedrigen Preisen ausgehen werden. Und: Relevant wird, ob ESG-Kriterien erfüllt werden können.

CRISPR/Cas9

Es ist etwa zehn Jahre her, da wurde – auch in Wien – die kontroverse Genschere CRISPR/Cas9 entwickelt. War sie in den ersten Jahren sehr kontrovers diskutiert (Stichworte: Designer-Babys & Super-Soldaten), findet die Biotechnologie immer mehr in den Mainstream. Dank einer Weiterentwicklung, so genanntem „Base Editing“, wurde 2022 die 13-jährige Alyssa aus dem britischen Leicester von Leukämie geheilt. Mit „Base Editing“ können Ärzte gezielt einzelne Basen in der DNA-Sequenz verändern – und so Krankheiten heilen. Auf Basis von CRISPR gelang es 2021 auch, einem US-Patienten das Augenlicht zurück zu geben. Biotech-Unternehmen in den USA und Europa rechnen 2023 damit, dass erste CRISPR-Therapien von den zuständigen Behörden freigegeben werden.

Crispr/Cas9: Die Gen-Schere bahnt sich ihren Weg in den Medizin-Mainstream

 

 

Downrounds & Pleiten

„Wenige werden viel Geld bekommen, und ganz viele werden gar kein Geld bekommen“, sagte Oliver Holle, CEO von Speedinvest, Ende 2022 im Interview mit Trending Topics. Er bezieht sich dabei auf den Funding-Ausblick in 2023. Zwar haben VCs in Europa ziemlich viel Geld auf der hohen Kante, werden aber sehr zögerlich und picky sein, was Finanzierungen angeht. Während in der Frühphase, wo sechs- und siebenstellige Summen fließen, mit weniger Problemen zu rechnen ist, sind Series A, B oder C nur schwer zu machen. Investor:innen wollen einen klaren Weg zu Profitabilität sehen, Wachstumsphantasien will aktuell kaum jemand sehen. Dementsprechend ist damit zu rechnen, dass man noch mehrere Downrounds a la Klarna sehen wird, und es wird wohl auch einige bekannte Startup-Brands vom Markt fegen.

„Einige prominente Startups werden es nicht schaffen“

 

Automatisierung nach Lay-offs

In dem Boom-Jahren der Unicorns haben sich Founder gerne auch mit einer Zahl gebrüstet: die Zahl der Mitarbeiter:innen. Nach den Massenkündigungen bei Tech-Unternehmen wie Klarna, Bitpanda, GoStudent und Co. werden Unternehmen wieder vermehrt auf der Suche nach Lösungen sein, mit denen man Prozesse automatisieren kann. Der Hype um ChatGPT derzeit zeigt das ganz gut. Millionen Menschen versuchen sich gerade daran, unzählige Aufgaben in die virtuellen „Hände“ der AI zu legen. Es wird nicht lange dauern, bis Manager:innen verstehen wollen, wie sie die AI in ihre Dienste stellen können.

 

Massenkündigungen bei Bitpanda, Klarna & Co: Wie der Job-Markt reagiert

Hybrid Work

Nach vielen Experimenten der Post-COVID-ÄRa mit 4-Tage-Woche, Work From Anywhere, Home Office & Co. werden Unternehmen endlich zu einem Standard des Neuen Arbeitens kommen wollen. Klar sind zwei Dinge: Telework und Heimarbeit werden nicht verschwinden, aber das Büro auch nicht. Immer öfter ist zu hören, dass Firmen zu einem 3/2-Modell kommen – zwei tage Home Office, drei Tage Büro, oder umgekehrt. Um das sinnvoll zu verknüpfen, werden Tools zum hybriden Arbeiten weiter an Bedeutung gewinnen.

Hybrid Work: Für Microsoft ist das Büro das „Mutterschiff“

Web3

Crypto hängt zwar schwer angeschlagen in der Ecke, doch tot? Mitnichten. Auch wenn 2022 Terra/LUNA, FTX und der BTC-Kurs stark eingebrochen sind, es hält findige Startup-Founder nicht davon ab, weiter an der großen Vision eines Web3 zu arbeiten, in dem man Daten und virtuelle Dinge wirklich besitzt und sie nicht mehr bei einer Handvoll Internet-Giganten speichert. Manche mögen kein Fan des Trend-Begriffs sein, aber selbst bei einem der prominentesten Gegner des Worts (WWW-Erfinder Tim Berners-Lee) stehen die Zeichen auf Dezentralität.

WWW-Erfinder Tim Berners-Lee: „Ignoriert das Web3-Zeug!“

Zero Knowledge Proof

Der Zero Knowledge Proof ist, den Beweis bringen zu können, dass man ein Geheimnis kennt, ohne dabei Informationen über das Geheimnis selbst bekannt geben zu müssen. In der Kryptografie bzw. in der Krypto-Industrie ist das ein großes Ding, weil es technisch viele Dinge ermöglicht – etwa die Speicherung von Daten in der Cloud, ohne dass der Cloud-Anbieter die Chance hat, in die Daten hineinzuschauen. Bei Kryptowährungen soll das helfen, um Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum wirklich anonym anstatt pseudonym zu machen. Denn konnten Konten und Transaktionen sind naturgemäß auf den Blockchains öffentlich einsehbar, und man kann (oft mit viel Aufwand) herausfinden, wer hinter welcher Adresse steckt. Zero Knowledge kann dafür sorgen, dass Transaktionen privat bleiben. Zero-Knowledge-Protokolle werden immer wichtiger, weil die Digitalisierung des Finanzwesen, aber auch der Identität oder der Social networks voranschreitet und parallel dazu das Bedürfnis nach echter Privatsphäre steigt.

BUIDL! Was im Krypto-Winter gebaut werden wird

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