Paul Varga

Gründer der Woche: Mit spielerischer Zahnbürste zum großen Exit

Das Playbrush-Gründerteam: Matthäus Ittner, Paul Varga und Tolulope Ogunsina. © Playbrush
Das Playbrush-Gründerteam: Matthäus Ittner, Paul Varga und Tolulope Ogunsina. © Playbrush

Mit der Idee einer Kinderzahnbürste, die mit dem Smartphone gekoppelt Spiele bietet und so das Zähneputzen gründlicher macht, ist das Startup Playbrush im Jahr 2015 zwischen Wien und London an den Start gegangen. Seitdem hat die von den Wienern Paul Varga und Matthäus Ittner sowie Tolulope Ogunsina aus Nigeria ins Leben gerufene Jungfirma fast vier Millionen Euro von Investor:innen eingesammelt. Nun hat Playbrush auch den Exit geschafft (Trending Topics berichtete). Die Firma Sunstar Group übernimmt die Mehrheit am Startup. Auch deswegen ist CEO Paul Varga – stellvertretend für sein Team – unser „Gründer der Woche“.

Großer Exit für Wiener Zahnbürsten-Startup Playbrush

Inspiriert vom Patenkind

Zur ursprünglichen Idee hat Varga sein Patenkind inspiriert. „Ich habe gemerkt, dass er nie gerne Zähne geputzt hat. Seine Mutter hat ihm auf dem iPad immer Videos gezeigt, um ihn abzulenken. Das hat zwar funktioniert, jedoch hat er sich die Zähne nicht sehr gründlich geputzt. Ich dachte, es müsse doch möglich sein, diese beiden Dinge miteinander zu verbinden“, so Varga. Das Produkt, das das Startup entwickelt hat, ist ein Aufsatz für Zahnbürsten, der per Bluetooth mit dem Smartphone kommuniziert. Es gibt dabei zwölf verschiedene Spiele, die Kinder mit der Bürstenbewegung spielen können. Durch die Bewegung putzen sie sich dann gründlicher die Zähne.

Angefangen hat Playbrush mit einem Aufsatz alleine für manuelle Zahnbürsten. Ende 2018 kam dann auch eine Version für elektrische Bürsten hinzu. Seit einem Jahr bietet die Jungfirma auch eine smarte Zahnbürste für Erwachsene. Dieses Modell gibt den Anwender:innen durch Lichter und Vibrationen Feedback und hilft ihnen so, ihre Zahnputzroutine zu optimieren. Laut Varga gibt es mittlerweile schon etwa 160.000 junge und erwachsene Nutzer:innen der Produkte. Diese können auch Daten wie die Putzzeit digital messen und aufzeichnen. Insgesamt komme Playbrush mittlerweile auf ungefähr 40 Millionen Putzminuten.

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Herausforderung Hardware

Es gab auf dem Weg zum Exit viele Unterstützer:innen: So haben unter anderem Speedinvest sowie Hansi Hansmann in die Jungfirma investiert. Außerdem hat Playbrush im Jahr 2018 eine Partnerschaft mit Unilever begonnen (Trending Topics berichtete). Jedoch gab es durchaus Herausforderungen für das Jungunternehmen. „Wir haben insgesamt fünf Patentfamilien angemeldet. Dabei gab es aber verschiedene Rechtsstreite mit ‚Patenttrollen‘, die viel Zeit und Aufwand gekostet haben“, so Varga.

Besonders herausfordernd war der Fokus auf den Hardware-Bereich, erzählt er: „Es ist sehr komplex, ein greifbares Produkt auf den Markt zu bringen. Von der Margenstruktur ist es im Vergleich zum Softwarebereich sogar relativ unvorteilhaft. Wir mussten hier unser Geschäftsmodell oft anpassen“, sagt der CEO. Zu Anfang konzentrierte sich die Firma vor allem auf den B2B-Sektor, seit Ende 2018 können Kund:innen die Bürsten auch direkt bei Playbrush kaufen.

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Playbrush-Gründer bleiben im Startup

Trotz der Schwierigkeiten konnte sich Playbrush gut auf dem Markt positionieren. „Die Mundhygiene ist eine sehr stark konsolidierte Industrie. Eine Vielzahl von starken Playern kämpft hier mit harten Bandagen. Jedoch haben wir mit unserem Fokus auf Kinder schnell eine gute Nische gefunden und uns stark von der Konkurrenz differenziert. Wir waren die ersten, die eine spielerische Zahnbürste für Kinder angeboten haben“, erläutert der Gründer der Woche. Ein Vorteil sei auch gewesen, dass es viel existierende Forschung im Bereich Mundhygiene gebe, auf der sich ein Produkt aufbauen lasse.

Nun übernimmt Sunstar die Mehrheit an Playbrush. Die Übernahmebewertung dürfte im zweistelligen Millionenbereich liegen. Die bisherigen Investor:innen steigen aus, jedoch behalten Varga, Ittner und Ogunsina jeweils etwa zehn Prozent der Firma. Die drei Gründer wollen definitiv noch in den nächsten drei bis fünf Jahren bei ihrem Startup bleiben. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Sunstar und haben auch schon einiges vor. Wir wollen in unseren Heimatmärkten, also dem DACH-Raum und Großbritannien, das Geschäft ausbauen. Außerdem wollen wir international expandieren“, sagt Varga. Ihm zufolge könnte Playbrush möglicherweise sein Geschäft in Zukunft auch nach Japan, China, in die USA, nach Italien sowie Frankreich ausweiten.

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