Rüstung

Deutsche Bundeswehr bestellt um 540 Millionen Euro bei Helsing und Stark Defence

HX-2 from Helsing (left), Virtus by Stark Defence (right). © Helsing / Stark Defence
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Der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages hat grünes Licht für die Beschaffung von Kampfdrohnen gegeben. Die beiden deutschen Start-ups Helsing und Stark Defence erhalten einen ersten Auftrag im Wert von rund 540 Millionen Euro. Allerdings fiel die Genehmigung deutlich kleiner aus als ursprünglich geplant: Das Bundesverteidigungsministerium hatte Beschaffungen im Wert von bis zu 4,3 Milliarden Euro vorgesehen.

Eingeschränkte Genehmigung mit Auflagen

Der Haushaltsausschuss legte fest, dass der Gesamtauftragswert für jedes Unternehmen eine Milliarde Euro nicht überschreiten darf. Alle Folgebestellungen bis zu diesem Grenzwert müssen einzeln genehmigt werden. Dies ist ungewöhnlich, da normalerweise der gesamte Auftragswert mit der ersten Zustimmung als genehmigt gilt. Die Haushälter äußerten Bedenken bezüglich Transparenz und Kostenaufteilung.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete die Beschaffung dennoch als „wichtigen Schritt“. Die Bundeswehr orientiere sich dabei an den Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg, wo unbemannte Flugsysteme mit Gefechtsköpfen inzwischen für einen großen Teil der Wirkungstreffer verantwortlich sind. Als erster Verband soll die Brigade Litauen an der Ostflanke der NATO die neuen Waffensysteme erhalten.

Die Virtus-Drohne von Stark Defence

Die Virtus des Unternehmens Stark Defence ist eine Loitering Munition (Kamikaze-Drohne) mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Das System ist darauf ausgelegt, hochwertige Ziele auf dem Gefechtsfeld präzise zu bekämpfen und verfügt über eine Vertical Take-off and Landing (eVTOL)-Fähigkeit, die senkrechtes Starten und Landen auf nahezu jedem Gelände ermöglicht. Die Drohne ist in unter zehn Minuten einsatzbereit.

Stark Defence hat kürzlich eine Zusammenarbeit mit der MBDA Deutschland-Tochter TDW bekannt gegeben, wodurch das System nun auch panzerbrechende Fähigkeiten besitzt. Die Virtus hat sich bereits in der Ukraine im Kampfeinsatz gegen russische Streitkräfte bewährt. Verschiedene Versionen können unterschiedliche Nutzlasten tragen.

Über Stark Defence und seine Investoren

Das Münchner Rüstungs-Start-up Stark Defence wurde vor anderthalb Jahren von Florian Seibel gegründet, einem ehemaligen Bundeswehroffizier, der zuvor das Drohnenunternehmen Quantum Systems ins Leben gerufen hatte. Mittlerweile ist Stark Defence in Berlin ansässig. Seibel gründete das Unternehmen gemeinsam mit Sven Kruck, ebenfalls ein ehemaliger Offizier der Bundeswehr.

Nur 18 Monate nach der Gründung schloss Stark Defence eine Finanzierungsrunde in Höhe von 62 Millionen Dollar (etwa 53 Millionen Euro) ab und erreichte dabei eine Bewertung von rund 500 Millionen Dollar (etwa 430 Millionen Euro). Die Gesamtsumme der bisherigen Investments beträgt etwa 100 Millionen Dollar.

Zu den Investoren von Stark Defence zählen:

  • Sequoia Capital (führte die jüngste Finanzierungsrunde an)
  • Peter Thiel (US-Investor)
  • In-Q-Tel (CIA-naher VC-Fonds)
  • NATO-Innovationsfonds
  • Project A (Berliner Wagniskapitalgeber)
  • Doepfner Capital
  • Joe Lonsdale (Palantir-Mitgründer, verhandelte über Beteiligung)

Die Beteiligung von Peter Thiel hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Der Investor ist bekannt für seine libertären und rechtskonservativen Positionen sowie seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump. Das Verteidigungsministerium versuchte, die Bedenken auszuräumen, und ließ verlauten, die Beteiligung sei zu klein für eine maßgebliche Rolle Thiels. Das Unternehmen selbst betonte, Thiel habe „keinerlei Einfluss auf das operative Geschäft“ und keine Sperrminorität. Pistorius bezeichnete die Beteiligung als unbedenklich.

Seit Sommer 2025 baut Stark seine Geschäftsaktivitäten in Europa massiv aus. In Swindon, Großbritannien, eröffnete das Start-up eine Fabrik zur Serienproduktion. Zudem übernahm die Jungfirma kürzlich das Berliner Software-Start-up Pleno, dessen Navigationssoftware die Steuerung ganzer Schwärme autonomer Drohnen ermöglichen soll.

Die HX-2-Drohne von Helsing

Die HX-2 von Helsing verfügt ebenfalls über eine Reichweite von rund 100 Kilometern und ist in der Lage, Artillerie, gepanzerte und andere militärische Ziele zu bekämpfen. Wie die Virtus ist sie massenproduzierbar und wurde bereits in der Ukraine kampferprobt.

Ein besonderes Merkmal der HX-2 ist die integrierte künstliche Intelligenz, die das System gegen gegnerische Maßnahmen der elektronischen Kriegsführung (EW) härten soll. Dadurch erhält die Drohne die Fähigkeit, Ziele auch ohne GPS- beziehungsweise GNSS-Signal oder Datenverbindung zu identifizieren und zu bekämpfen. Helsings Aufklärungs- und Steuerungssoftware Altra ermöglicht es zudem, mehrere HX-2 zu Schwärmen zusammenzufassen, die dann von einem menschlichen Bediener kontrolliert werden.

Über Helsing und seine Investoren

Das europäische Verteidigungstechnologie-Unternehmen Helsing positioniert sich als Anbieter von KI-Lösungen im Verteidigungssektor. Das Unternehmen sicherte sich kürzlich eine neue Finanzierung in Höhe von 600 Millionen Euro in einer Serie-D-Runde, die von Prima Materia (gegründet von Spotify-Gründer Daniel Ek) angeführt wurde. Die Bewertung von Helsing stieg dabei auf 12 Milliarden Euro. Insgesamt sammelte das Unternehmen bisher rund 1,4 Milliarden Euro ein.

Zu den Investoren von Helsing zählen:

  • Prima Materia (Daniel Ek, Spotify-Gründer und Chairman von Helsing)
  • Lightspeed Ventures
  • Accel
  • Plural
  • General Catalyst
  • Saab (schwedischer Rüstungskonzern)
  • BDT und MSD Partners (neu hinzugekommen)
  • Elad Gil
  • Greenoaks

Daniel Ek betonte die Notwendigkeit von Investitionen in fortschrittliche Technologien: „Europa stärkt seine Verteidigungskapazitäten als Reaktion auf die sich ändernden geopolitischen Herausforderungen rasch.“ Prima Materia verdoppelte mit der jüngsten Finanzierungsrunde sein bestehendes Engagement in das Unternehmen.

Helsing entwickelt KI-Systeme für verschiedene Bereiche der Verteidigung. Zuletzt testeten Helsing und Saab einen Kampfjet vom Typ Gripen E mit der integrierten künstlichen Intelligenz „Centaur“ im zivilen Luftraum über Schweden und der Ostsee. Die Integration der KI erfolgte in weniger als sechs Monaten. In Testflügen führte die KI selbstständig komplexe Manöver in Luftkampfszenarien durch.

Parallel zur KI-Entwicklung erweiterte Helsing seine Kapazitäten. Das Unternehmen übernahm den bayerischen Flugzeugbauer Grob Aircraft mit 275 Mitarbeitern und baut eine neue Produktionsanlage für Kampfdrohnen. In der sogenannten „Resilience Factory“ in Süddeutschland werden monatlich bis zu 1.000 HX-2 Kampfdrohnen hergestellt.

Hintergrund: Steigende Verteidigungsausgaben in Europa

Der rasante Aufstieg von Stark und Helsing steht in direktem Zusammenhang mit den gestiegenen Verteidigungsausgaben in Europa. Deutschland plant, sein Verteidigungsbudget bis 2029 auf 162 Milliarden Euro zu verdoppeln. Die aktuelle Finanzierung erfolgt im Kontext des Ukraine-Kriegs und anderer geopolitischer Spannungen, die zu einem verstärkten Fokus auf Verteidigungstechnologie geführt haben.

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