Revenue Based Financing

iDWELL: Wiener PropTech holt Millionenfinanzierung in den USA

Das iDWELL-Management-Team © iDWELL
Das iDWELL-Management-Team © iDWELL

Das Wiener PropTech verwaltet nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als zwei Millionen Wohnungen. Das frische Kapital des US-Investors kommt nicht als Beteiligung, sondern als umsatzbasiertes Darlehen – die Eigentümerstruktur bleibt unangetastet.

Das Wiener PropTech-Unternehmen iDWELL hat einen neuen Kapitalgeber: Riverside Acceleration Capital (RAC) aus den USA stellt einen nicht näher bezifferten siebenstelligen Euro-Betrag zur Verfügung. Parallel dazu meldet das 2017 von Alexander Roth gegründete Unternehmen, dass über seine Plattform inzwischen mehr als zwei Millionen Wohnungen verwaltet werden.

Entscheidend ist dabei die Struktur des Deals. Es handelt sich nicht um eine klassische Equity-Runde, sondern um Revenue-Based Financing (RBF) – also um eine Wachstumsfinanzierung, die keine neuen Anteile schafft. Die Eigentümerverhältnisse bei iDWELL bleiben unverändert. Zu den bestehenden Gesellschaftern zählen unter anderem der Amsterdamer Investor Knight Capital, der Londoner VC Flashpoint sowie das Basler Family Office Wecken & Cie.

Was Revenue-Based Financing bei Riverside konkret bedeutet

RBF ist bei RAC eine von zwei Strategien und läuft dort unter dem Label „Growth Lending“. Statt eines Zinssatzes wird die Rückzahlung über einen gedeckelten Umsatzanteil strukturiert – RAC selbst spricht von einem „royalty-artigen“ Darlehen, dessen Rückführung an das Umsatzwachstum des Unternehmens gekoppelt ist. Der Zeithorizont liegt bei rund fünf Jahren, was die Rückzahlung nach hinten verschiebt und dem Unternehmen erlaubt, das Kapital zunächst in Wachstumsinitiativen zu stecken. Die Ticketgröße liegt in diesem Modell zwischen einer und fünf Millionen US-Dollar; adressiert werden B2B-Softwarefirmen ab etwa 2,5 Millionen US-Dollar wiederkehrendem Jahresumsatz (ARR), die kapitaleffizient um mindestens 20 Prozent wachsen.

Der Vorteil für Gründer: Es wird keine Bewertung festgesetzt, es gibt keine Verwässerung und keinen Verlust an Kontrolle. Der Preis dafür ist, dass ein Teil des laufenden Umsatzes über Jahre hinweg für die Rückzahlung gebunden ist – RBF ist damit eher ein Instrument für Unternehmen mit planbaren SaaS-Erlösen als für Frühphasen-Wetten. RAC nennt als typische Anwendungsfälle den Aufbau von Vertriebsteams, geografische Expansion, die Finanzierung von Zukäufen oder die Überbrückung bis zu einer größeren Equity-Runde beziehungsweise einem Exit.

Wer ist Riverside Acceleration Capital?

RAC ist die Wachstumseinheit von The Riverside Company, einer globalen Private-Equity-Gesellschaft mit Sitz in New York. Riverside verwaltet nach Angaben von Branchendatenbanken ein Vermögen von mehr als 13 Milliarden US-Dollar. RAC selbst gibt an, seit dem Start 2016 mehr als 100 B2B-Softwareunternehmen unterstützt zu haben. Neben dem Growth Lending betreibt der Investor eine zweite, klassische Growth-Equity-Strategie mit deutlich größeren Tickets von 10 bis über 40 Millionen US-Dollar.

In Europa ist RAC unter anderem mit einem Büro in Köln vertreten und im deutschsprachigen Raum kein Unbekannter: Zum Portfolio zählen etwa der Buchhaltungssoftware-Anbieter sevDesk, die Lernplattform Masterplan, das Hamburger Produktmanagement-Tool airfocus und der Berliner Hotel-Tablet-Anbieter SuitePad. Zuletzt beteiligte sich RAC auch am Berliner Compliance-Startup heyData. Bei iDWELL verantwortet Senior Partner Christian Stein das Investment; er verweist auf die DACH-Positionierung des Unternehmens und dessen ERP-Integrationen als Grundlage für die weitere Skalierung.

Wofür das Geld verwendet wird

Das Kapital soll in den Ausbau der KI-Produkte fließen. Ein Schwerpunkt ist „iDWELL Finance“, eine Lösung für automatisiertes Rechnungsmanagement. Die zugrundeliegende Technologie stammt vom Wiener Finanz- und Buchhaltungssoftware-Anbieter Domonda, an dessen Lösung sich iDWELL Ende 2025 exklusive Rechte für die Immobilienbranche gesichert hat. Domonda hatte im Juni 2023 Insolvenz angemeldet und wurde anschließend saniert.

Zweiter Investitionsschwerpunkt ist die hauseigene KI „Greta-AI“, die Verwaltungs-, Dokumentations- und Rechnungsprozesse automatisieren soll. COO Anna Matzenberger beziffert das Effizienzversprechen gegenüber Hausverwaltungen mit bis zu 30 Prozent – eine Zahl, die das Unternehmen selbst erhebt und die nicht extern verifiziert ist.

Wachstum in einem schwierigen Marktumfeld

Die Zahl der verwalteten Einheiten hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. 2021 sprach iDWELL noch von rund 750.000 verwalteten Wohnungen, im November 2024 waren es 1,5 Millionen bei rund 750 Immobilienverwaltungen als Kunden. Nun also mehr als zwei Millionen. Die bislang größte Finanzierungsrunde des Unternehmens waren zehn Millionen Euro im November 2024 unter Führung von Knight Capital.

Die Immobilienbranche selbst steckt seit Jahren in einer Schwächephase. iDWELL argumentiert, dass Verwaltungssoftware davon weniger betroffen sei: Wohnen bleibe ein Grundbedürfnis, der Kostendruck bei Hausverwaltungen erhöhe eher den Bedarf an Automatisierung. Gründer Roth rechnet für 2026 mit einer weiterhin positiven Geschäftsentwicklung. Konkrete Umsatz- oder Ergebniszahlen nennt das Unternehmen nicht.

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