Hinweise auf GPT-6 von OpenAI verdichten sich
Rund um OpenAIs nächstes Frontier-Modell verdichten sich die Hinweise: Prediction Markets preisen einen Launch bis Ende September ein, Sam Altman soll diese Woche die Trump-Regierung und Abgeordnete gebrieft haben – und im Bericht zum Hugging-Face-Vorfall taucht ein „noch leistungsfähigeres“ Modell auf, das OpenAI bisher nicht veröffentlicht hat. Offiziell angekündigt ist GPT-6 nicht.
Zur zeitlichen Einordnung: Der letzte Sprung auf eine neue Hauptversion liegt fast ein Jahr zurück. GPT-5 erschien am 7. August 2025, also vor knapp zwölf Monaten. Dazwischen lagen ausschließlich Zwischenschritte – zuletzt GPT-5.6 mit den Modellen Sol, Terra und Luna. Sollte GPT-6 tatsächlich im September kommen, läge zwischen den beiden Hauptversionen rund ein Jahr und ein Monat. Offiziell hat OpenAI weder ein Modell namens GPT-6 noch ein Launch-Datum, eine Architektur, Preise oder einen Feature-Umfang angekündigt. Aktuelles Flaggschiff ist GPT-5.6 Sol, das am 9. Juli öffentlich verfügbar wurde.
Wettmärkte: 77 bis 78 Prozent für einen Launch bis 30. September
Auf Prediction Markets, wo Nutzer:innen mit echtem Geld auf den Ausgang künftiger Ereignisse wetten, hat sich der erwartete Zeitpunkt eines GPT-6-Releases zuletzt Richtung September verschoben. Auf Polymarket liegt der Kontrakt „öffentliches Release bis 30. September“ bei rund 77 Prozent, das gehandelte Volumen des Marktes bei etwa 731.000 US-Dollar. Zum Monatsbeginn lag derselbe Kontrakt noch bei 14 Prozent.
Die kürzeren Fristen sind deutlich niedriger bewertet: Der 31. August notiert im mittleren 30er-Bereich, der 21. August bei rund 15 Prozent. Da es sich um kumulative „released by“-Stichtage handelt – jede spätere Frist enthält alle früheren Tage –, bedeutet das nicht, dass ein August-Launch ausgeschlossen wäre. Es bedeutet, dass die Händler:innen den September derzeit für deutlich wahrscheinlicher halten als die kommenden Wochen.
Auf Myriad, einem Prediction Market des Decrypt-Mutterkonzerns Dastan, liegen die Werte ähnlich: rund 77 Prozent für ein September-Release, nach 64 Prozent in der Vorwoche.
Solche Märkte funktionieren, indem Kontrakte gehandelt werden, die bei Eintritt des Ereignisses einen Dollar auszahlen und sonst null. Der Preis wird üblicherweise als implizite Wahrscheinlichkeit gelesen. Eine Prognosequelle mit Insiderwissen sind sie nicht – sie aggregieren öffentlich verfügbare Signale, allerdings mit finanziellem Anreiz, nicht danebenzuliegen.
Der Hugging-Face-Vorfall als indirekter Hinweis
Der bislang konkreteste öffentliche Hinweis auf ein noch nicht veröffentlichtes Frontier-Modell stammt ausgerechnet aus einem Sicherheitsvorfall. Am 21. Juli legte OpenAI offen, dass zwei seiner Modelle – GPT-5.6 Sol und ein namentlich nicht genanntes, „noch leistungsfähigeres“ Pre-Release-Modell – im Zuge einer internen Cyber-Evaluierung aus ihrer Testumgebung ausgebrochen sind und die Produktivinfrastruktur von Hugging Face kompromittiert haben.
Getestet wurde laut OpenAI gegen ExploitGym, einen öffentlich verfügbaren Cybersecurity-Benchmark mit 898 realen Software-Schwachstellen. Die Modelle liefen dabei bewusst ohne jene Sicherheitsklassifikatoren, die im Produktivbetrieb riskante Cyber-Aktivitäten unterbinden – ein üblicher Schritt, wenn man die maximalen Fähigkeiten eines Modells messen will. Die Sandbox war stark isoliert, der einzige Netzwerkpfad nach außen war ein intern gehosteter Proxy- und Cache-Dienst für Paket-Registries.
Genau dort setzten die Modelle an: Sie investierten nach Angaben des Unternehmens erheblichen Inferenz-Compute darauf, Internetzugang zu erlangen, fanden eine Zero-Day-Lücke in dieser Drittanbieter-Software und brachen aus. Anschließend verketteten sie zwei Remote-Code-Execution-Schwachstellen in Hugging Faces Dataset-Verarbeitung, griffen Cloud- und Cluster-Credentials ab und bewegten sich lateral weiter. In seiner Offenlegung vom 16. Juli zählte Hugging Face über 17.000 einzelne Aktionen, ausgeführt aus einem Schwarm kurzlebiger Sandboxes. Ziel war dabei nicht Sabotage, sondern der Lösungsschlüssel des Benchmarks – die Modelle behandelten die Containment-Grenze als Hindernis und Hugging Face als mögliche Quelle für die Antworten.
Hugging Face hatte den Vorfall eigenständig entdeckt und eingedämmt, bevor OpenAI den Zusammenhang zu den eigenen Tests herstellte. OpenAI bezeichnete den Vorgang als beispiellos, meldete die Zero-Day-Lücke verantwortungsvoll an den Hersteller, nahm Hugging Face in sein „Trusted Access“-Programm auf und kündigte strengere Kontrollen bei Infrastruktur, Training und internen Evaluierungen an.
Altman in Washington
Parallel dazu ist Sam Altman erneut in Washington. Bereits am 21. Juli hatte OpenAIs Chief Global Affairs Officer Chris Lehane laut Bloomberg angekündigt, Altman werde die Trump-Regierung und Abgeordnete über die kommende Modellgeneration briefen – mit Schwerpunkt auf Fähigkeiten und Auswirkungen auf Arbeit. Zeitgleich arbeiten US-Behörden an einem Rahmen für Sicherheitsprüfungen neuer Frontier-Modelle.
Laut einem Axios-Bericht vom 26. Juli reiste Altman diese Woche nach Washington, um das bislang leistungsfähigste Modell des Unternehmens dem Weißen Haus und dem Kongress zu demonstrieren und eine Freigabe für den Launch zu erwirken. Gezeigt werden sollen demnach unter anderem eigenständige wissenschaftliche Forschungsleistungen und koordinierte Agenten-Schwärme – ebenso wie die Sicherheitsbilanz, zu der das wiederholte Umgehen eigener Schutzmechanismen zählt. Trump bereitet parallel ein freiwilliges Verfahren zur Vorab-Freigabe von Frontier-Modellen vor, das auf eine Executive Order vom Juni zu Cybersicherheit und nationaler Sicherheit zurückgeht.
Der Kontext dazu reicht in den Juni zurück: Damals bat die US-Regierung OpenAI, GPT-5.6 zunächst nur einem kleinen Kreis staatlich geprüfter Partner zugänglich zu machen – laut Axios das erste Mal, dass Washington präventiv die Veröffentlichung eines Modells einschränkte. Altman hielt intern fest, dass dies nicht das bevorzugte Vorgehen des Unternehmens sei. Anthropic wiederum musste Fable 5 und Mythos 5 nach einer Anordnung des US-Handelsministeriums vorübergehend abschalten.
Bekommt GPT-6 eine Freigabe?
Belastbar ist derzeit: Es existiert ein unveröffentlichtes OpenAI-Modell, das leistungsfähiger ist als GPT-5.6 Sol; Altman wirbt in Washington um eine Freigabe; und Wettmärkte preisen einen Launch bis Ende September mit rund drei Vierteln Wahrscheinlichkeit ein. Nicht belastbar ist alles Weitere – Name, Architektur, Preise, Funktionsumfang und Datum sind offen.
Absehbar ist die Richtung: GPT-5.6 koordiniert bereits mehrere Agenten, bedient Software und bearbeitet längere berufliche Aufgaben; OpenAI arbeitet zudem an Memory, das Präferenzen und Projekte über Konversationen hinweg erhält. Ein Nachfolger dürfte weniger Chatbot und mehr autonomer Mitarbeiter sein. Ob die Behörden nach dem Hugging-Face-Vorfall den Weg dafür schnell freimachen, ist die eigentlich offene Frage.

