1,2 Billionen Dollar weniger: SpaceX hat 1x Tesla an Börsenwert verloren
Es war der bislang größte Börsengang der Geschichte, der zeitweise das fünft wertvollste Unternehmen der Welt kreierte: Am 12. Juni 2026 ging SpaceX unter dem Kürzel SPCX an die Nasdaq – 135 Dollar je Aktie, rund 75 Milliarden Dollar Erlös, der größte Börsengang der Geschichte. Vier Handelstage später stand die Aktie bei 225,64 Dollar, ein Plus von 67 Prozent.
Doch seit etwa drei Wochen geht es klar bergab: Am Montag schloss SPCX bei 113,50 Dollar, dem 13. Verlusttag in 16 Sitzungen. Am Dienstag ging es vorbörslich weiter auf rund 110 Dollar. Macht minus 50 Prozent in sechs Wochen und mehr als 1,2 Billionen Dollar vernichteten Börsenwert – ziemlich genau die gesamte Marktkapitalisierung von Tesla.

1. Der Preis war die Wette
Zum Ausgabepreis war SpaceX rund 1,75 Billionen Dollar wert – bei 18,67 Milliarden Dollar Umsatz 2025. Selbst nach dem Absturz liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis über dem 80-fachen; klassische Raumfahrtkonzerne handeln bei Faktor 1,5 bis 3. Getragen wird das nicht von den 33 Prozent Wachstum, sondern von Erwartungen. Und die bepreist der Markt zuerst neu.
2. Vier Prozent Streubesitz
Beim IPO waren nur rund vier Prozent der Aktien frei handelbar. Bei so dünnem Free Float bewegen kleine Kapitalströme den Kurs massiv – nach oben wie nach unten. Die Rally auf 225 Dollar war Momentum, kein institutionelles Re-Rating. Selbst die Aufnahme in den Nasdaq 100 am 7. Juli endete mit minus sieben Prozent am selben Tag.
3. Aus dem Raketenbauer wurde ein KI-Konzern
Mit der xAI-Übernahme im Februar positionierte sich SpaceX als vertikal integriertes KI-Unternehmen. Das erklärt Bewertung wie Verluste: Starlink erzielte in Q1 2026 bei 3,26 Milliarden Umsatz 1,19 Milliarden operativen Gewinn, das KI-Segment verlor operativ 2,47 Milliarden. Zeitgleich straft der Markt KI-Capex ab – der Tech-Ausverkauf nach dem Fed-Entscheid und eine 25-Milliarden-Anleihe kamen zum denkbar schlechtesten Moment.
4. Die Rechenzentren im Orbit halten der Prüfung nicht stand
Der spekulativste Teil der Story bröckelt öffentlich. Analyst Peter Zeihan rechnete vor, dass allein ein Ein-Gigawatt-Rechenzentrum im Orbit rund 500 Starship-Starts bräuchte, und nannte das Konzept „auf so vielen Ebenen dämlich“. Der Prospekt selbst räumt ein, dass die Technologie unerprobt und womöglich nie wirtschaftlich tragfähig ist. Das reale KI-Geschäft läuft terrestrisch: Anthropic zahlt monatlich 1,25 Milliarden Dollar für Colossus-Kapazitäten, Google ab Oktober 920 Millionen für GPU-Zugang.
5. Skepsis trifft auf euphorische Analysten
Value-Legende Jeremy Grantham nannte das IPO gegenüber „Morningstar“ das verrückteste der Menschheitsgeschichte und hält einen Kollaps für zu 90 Prozent wahrscheinlich – die Bewertung stütze sich auf KI-Fortschritte, während SpaceX‘ eigenes KI-Angebot drittklassig sei. Dem steht eine fast geschlossene Kauffront von Goldman bis JPMorgan gegenüber, Durchschnittskursziel rund 237 Dollar. Diese Lücke ist selbst ein Warnsignal. Shortseller sitzen auf Milliardengewinnen.
6. Der 6. August wirft seinen Schatten voraus
Am 4. August legt SpaceX erstmals Quartalszahlen vor, zwei Handelstage später läuft die erste Lock-up-Frist aus: bis zu 911,5 Millionen Aktien werden handelbar – ein Vielfaches des bisherigen Free Float. Wer heute verkauft, muss nicht an ein Scheitern glauben, sondern nur an Angebotsdruck in zehn Tagen.
Die Gegenposition
Cathie Woods ARK kauft konsequent nach und nennt SpaceX ein Unternehmen mit dem Potenzial, das wichtigste der Geschichte zu werden – getragen von fast 10.800 Starlink-Satelliten und der These, dass KI-Rechenleistung auf der Erde an physische Grenzen stößt. Macquarie ruft 250 Dollar aus. Und operativ läuft es: Starship Flight 13 erreichte am Freitag alle Missionsziele.
