Apple: KI-Nachzügler erstmals bei fünf Billionen US-Dollar
Sie gelten als der große Nachzügler im am stärksten wachsenden Technologiefeld, aber es schadet ihnen überhaupt nicht. Im Gegenteil:
Apple ist am Dienstag erstmals in seiner Geschichte über eine Marktkapitalisierung von fünf Billionen US-Dollar gestiegen. Die Aktie legte im Handelsverlauf um bis zu 1,3 Prozent zu und schob den Konzern damit über eine Schwelle, die bislang nur ein einziges Unternehmen erreicht hatte: der KI-Chipdesigner Nvidia. Bis zum Handelsschluss gab der Kurs einen Teil der Gewinne wieder ab und lag mit rund 0,4 Prozent im Plus knapp unter der Fünf-Billionen-Grenze.
Der Meilenstein folgt einen Tag nach einer anderen Rückeroberung: Apple hatte am Montag Nvidia als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt abgelöst – zum ersten Mal seit Mai des Vorjahres.

Kursverläufe driften auseinander
Die beiden Titel haben sich im laufenden Jahr deutlich unterschiedlich entwickelt. Apple liegt seit Jahresbeginn rund ein Viertel im Plus. Nvidia dagegen hat seit dem Höchststand im Mai spürbar an Boden verloren und kommt – vor dem Hintergrund eines breiteren Ausverkaufs im Halbleitersektor – nur noch auf ein Jahresplus von etwa sieben Prozent.
Hinter der Verschiebung steht eine Umschichtung im Tech-Segment: Investorinnen und Investoren ziehen Kapital aus KI- und Chipwerten ab und suchen defensivere Positionen. Apple fungiert in dieser Bewegung als vergleichsweise sicherer Hafen im Technologiesektor.
Kein Anteil am Capex-Wettlauf
Der Grund dafür liegt ausgerechnet in jenem Punkt, der Apple in den vergangenen Jahren am häufigsten als Schwäche ausgelegt wurde. Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 haben die großen Cloud-Anbieter – Microsoft, Amazon, Google und Meta – einen Investitionswettlauf in KI-Infrastruktur begonnen. Apple hat sich daran im Wesentlichen nicht beteiligt und keine vergleichbaren Milliardensummen in Rechenzentren und Beschleuniger gesteckt.
Wie stark dieser Unterschied inzwischen gewichtet wird, zeigte die Reaktion auf die jüngsten Quartalszahlen von Google-Mutter Alphabet: Der Konzern kündigte an, die Investitionsausgaben in diesem Jahr auf bis zu 205 Milliarden Dollar zu erhöhen, und wies zugleich einen negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden Dollar aus. An den Märkten sorgte das für Verunsicherung – die Kapitalintensität des KI-Ausbaus wird zunehmend als Risiko und nicht mehr nur als Wachstumsversprechen gelesen.
Apples Bilanz ist von diesen Belastungen weitgehend frei. Das Unternehmen verdient sein Geld weiterhin mit Hardware und Services, nicht mit dem Betrieb großer Modell-Infrastruktur – und muss dafür auch keine entsprechenden Abschreibungen und Cash-Abflüsse ausweisen.
Siri-Neustart mildert das Nachzügler-Image
Parallel dazu beginnt Apple, sein Image als KI-Nachzügler abzustreifen. Die überarbeitete Version des Sprachassistenten Siri hat in frühen Tests überwiegend positive Rückmeldungen erhalten; der vollständige Rollout wird noch für dieses Jahr erwartet. Damit relativiert sich das Bild eines Konzerns, der die Technologiewelle verschlafen hat – ohne dass Apple dafür in den Infrastruktur-Wettlauf einsteigen müsste.
Ob die Bewertung Bestand hat, dürfte sich noch in dieser Woche zeigen: Apple legt gemeinsam mit weiteren Big-Tech-Konzernen seine jüngsten Quartalszahlen vor.

