Ausblick

SpaceX IPO: Krasses Umsatz-Bewertungs-Verhältnis von mehr als 100x erwartet

SpaceX-Crew. © SpaceX (CC BY-NC 2.0)
SpaceX-Crew. © SpaceX (CC BY-NC 2.0)

Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX steuert auf den größten Börsengang der Wirtschaftsgeschichte zu – und auf eine Bewertung, die selbst im historisch teuren US-Aktienmarkt bemerkenswert ist. Laut den bisher kolportierten Zahlen peilen die begleitenden Banken eine Marktkapitalisierung von 1,75 bis 2 Billionen US-Dollar an, bei einem Emissionsvolumen von bis zu 75 Milliarden Dollar. Dem gegenüber steht ein Jahresumsatz 2025 von rund 15 bis 16 Milliarden Dollar – im Wesentlichen gespeist aus dem Satelliten-Internetdienst Starlink und dem Raketenstart-Geschäft.

Rechnet man diese Zahlen gegeneinander, ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (Price-to-Sales-Ratio, P/S) von rund 100 bis 130. Zum Vergleich: Der breite S&P 500 bewegt sich historisch im Bereich von 2 bis 3. Selbst die teuersten Titel des wohl heißesten Aktienmarktsegments überhaupt – der „Magnificent 7″ rund um Nvidia, Apple und Microsoft – kommen nicht annähernd in diese Region.

Ein Multiple, das in keine bekannte Kategorie passt

Die Größenordnung wird klarer, wenn man sie den aktuellen Bewertungen der sieben wertvollsten US-Tech-Konzerne gegenüberstellt. Nvidia, der unangefochtene Profiteur des KI-Booms, wuchs zuletzt mit 65 Prozent pro Jahr und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von rund 216 Milliarden Dollar. Bei einer Marktkapitalisierung von etwa 4,6 Billionen Dollar ergibt das ein P/S von rund 21. Das ist bereits ein historisch hoher Wert – liegt aber immer noch um den Faktor 5 bis 6 unter dem, was SpaceX laut den durchgesickerten Zahlen von Investoren verlangen will.

Unternehmen Marktkap. (ca.) Umsatz (letzte 12 Monate, ca.) Kurs-Umsatz-Verhältnis (P/S)
SpaceX (angepeilter IPO) 1,75–2,0 Bio. $ 15–16 Mrd. $ ≈ 110–130x
Nvidia 4,6 Bio. $ 216 Mrd. $ ≈ 21x
Tesla 1,5 Bio. $ ~95 Mrd. $ ≈ 16x
Microsoft 2,9 Bio. $ ~280 Mrd. $ ≈ 10x
Apple 3,5 Bio. $ ~410 Mrd. $ ≈ 9x
Meta 1,5 Bio. $ ~180 Mrd. $ ≈ 8x
Alphabet 3,3 Bio. $ ~400 Mrd. $ ≈ 8x
Amazon 2,2 Bio. $ ~650 Mrd. $ ≈ 3,5x

Werte gerundet, Stand April 2026. P/S auf Basis der zuletzt berichteten Jahresumsätze.

Das bedeutet: SpaceX würde mit einem Umsatz-Multiple in die Börse starten, das etwa fünf- bis sechsmal so hoch liegt wie das von Nvidia – und rund dreißigmal so hoch wie jenes von Amazon. Selbst der wegen seiner „Bewertung regelmäßig kritisierte Tesla-Konzern, der mit dem rund 200-fachen seiner Gewinne gehandelt wird, wirkt gemessen am Umsatz geradezu bodenständig.

Der Starlink-Effekt und das xAI-Problem

Noch unangenehmer wird die Rechnung, wenn man die Struktur des SpaceX-Umsatzes genauer betrachtet. Der Löwenanteil der 15 bis 16 Milliarden Dollar stammt inzwischen aus Starlink, also dem Breitband-Internetdienst auf Satellitenbasis. Starlink ist ein klassisches Telekom-Produkt – kein Raumfahrt-Moonshot, sondern ein Consumer- und Business-Abo mit entsprechenden Margen und Wettbewerbsrisiken. Telekommunikationsanbieter werden traditionell mit Multiples zwischen 1 und 4 gehandelt.

Rechnet man Starlink also mit einem marktüblichen Telekom-Multiple und betrachtet den reinen Raketenstart- und Trägerraketen-Umsatz isoliert, schrumpft die Bemessungsgrundlage drastisch – und das implizite Multiple auf das verbleibende Raumfahrtgeschäft klettert auf über 200. Ein Wert, für den es schlicht keine belastbaren Referenzen mehr gibt.

Ebenfalls delikat: in SpaceX stecken schließlich auch noch die beiden Unternehmen X (Social Media) und xAI (LLMs) drinnen, die hinsichtlich Umsatz und Wachstum Geschmackssache sind. Zuletzt gestand Musk ein, dass xAI bei KI-Modellen gegenüber der Konkurrenz von Google, Anthropic oder OpenAi zurückgefallen sei; xAI macht deutliche Verluste. Auch das würde man als IPO-Investor mitzahlen.

Die Gegenseite: Warum die Banken trotzdem Käufer finden werden

Um fair zu bleiben: Die Argumente der Bullen sind nicht trivial. SpaceX ist mit einem Gewinn von rund 8 Milliarden Dollar auf 15 Milliarden Dollar Umsatz hochprofitabel – eine Marge von über 50 Prozent, die in der Satellitenbranche einmalig ist. Der Konzern hat mit Falcon 9 und Starship ein Quasi-Monopol auf kommerzielle Schwerlast-Starts, und Starlink ist im Satelliten-Breitbandsegment praktisch konkurrenzlos. Dazu kommt das strategische Potenzial – Verteidigungsaufträge, Mondmissionen, langfristig Marsprojekte – und eine Kundenliste, die von der NASA über das Pentagon bis zu europäischen Regierungen reicht.

Die Banken preisen mit ihrem Ansatz also weniger den heutigen Umsatz als vielmehr die Erwartung, dass SpaceX in fünf bis zehn Jahren ein Vielfaches davon verdienen wird. Das ist eine zulässige Sicht – aber eine, bei der die Sicherheitsmarge für Investoren bei null liegt.

Der Kleinanleger-Twist: 30 Prozent für Retail

Pikant wird die Bewertungsdiskussion durch die Information, dass SpaceX bis zu 30 Prozent der Emission für Privatanleger reservieren will – rund das Dreifache dessen, was bei IPOs üblich ist. Finanzchef Bret Johnsen hat diesen Schritt intern damit begründet, dass die Musk-Community dem Unternehmen „seit Langem unglaublich unterstützt“ habe und dies „gewürdigt“ werden solle. Für den 11. Juni ist eine eigene Investorenveranstaltung für 1.500 ausgewählte Kleinanleger geplant, der Prospekt soll Ende Mai veröffentlicht werden.

Aus Investorenschutz-Perspektive ist das eine zweischneidige Geschichte. Einerseits ist es demokratisierend, wenn Retail-Anleger Zugang zu einem der meistbeachteten Börsengänge überhaupt bekommen – ein Privileg, das in den vergangenen Jahrzehnten fast immer Institutionellen vorbehalten war. Andererseits bedeutet es, dass die Gruppe mit der im Durchschnitt geringsten analytischen Kapazität einen überproportionalen Anteil an einem Angebot bekommt, das – zumindest nach klassischen Bewertungskennzahlen – auf historisch dünnem Eis steht. „Beispiellose Nachfrage“ aus der Retail-Community, von der die Banken laut Insidern ausgehen, ist kein Ersatz für fundamentale Bewertung.

Fazit: Ein Vertrauensbörsengang

Der SpaceX-IPO wird nicht an den klassischen Kennzahlen gemessen werden – dafür sind die Multiples zu weit von jeder Vergleichsgruppe entfernt. Er wird ein Vertrauensbörsengang, getragen von Musks Track-Record, vom strategischen Status des Unternehmens und von einer Retail-Nachfrage, die bereit ist, deutlich mehr zu zahlen als jede institutionelle Due-Diligence empfehlen würde. Wer zeichnet, sollte sich bewusst sein, dass nicht der heutige Gewinn bezahlt wird, sondern eine Version von SpaceX, die es so noch gar nicht gibt – und dass für die Differenz historisch in aller Regel jemand die Rechnung bekommt.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

#glaubandich CHALLENGE Hochformat.

#glaubandich CHALLENGE 2026

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

AI Talk

Der führende KI Podcast mit Clemens Wasner & Jakob Steinschaden

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen