Fintech

Stablecoin OpenUSD fordert Tether und Circle – mit Visa und Mastercard im Rücken

Stablecoin on Fire. © Grok / Trending Topics
Stablecoin on Fire. © Grok / Trending Topics

Der Stablecoin-Markt steht vor einer strukturellen Veränderung. Ein neu gegründetes Branchenkonsortium namens „Open Standard“, dem über 140 Unternehmen angehören – darunter Finanzgiganten wie BlackRock, Visa, Mastercard und Stripe sowie Krypto-Plattformen wie Coinbase –, hat den Launch des Stablecoins OpenUSD (Ticker: OUSD) bekannt gegeben. Der Start des digitalen Zahlungsmittels ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

Ein neues Token-Modell

OpenUSD unterscheidet sich grundlegend von den derzeit dominierenden Modellen von Tether (USDT) und Circle (USDC). Während bei den etablierten Emittenten ein einzelnes Unternehmen die Zinserträge aus den hinterlegten Reserven (hauptsächlich US-Staatsanleihen und Cash) für sich behält, setzt OpenUSD auf ein verteiltes Modell. Nach Abzug einer Management-Gebühr werden die Erträge anteilig an die teilnehmenden Unternehmen des Konsortiums ausgeschüttet.

Dieses Modell zielt darauf ab, die großen Zahlungsabwickler von reinen Nutzern der Stablecoin-Infrastruktur zu Mitbesitzern und aktiven Akteuren zu machen. Mit einer vollständigen Deckung durch liquide Mittel und gebührenfreien Transaktionen beim Minting und Redemptions möchte OpenUSD eine nahtlose Skalierung im globalen Zahlungsverkehr ermöglichen.

Circle und Tether reagieren prompt

Die Ankündigung löste an den Finanzmärkten sofortige Reaktionen aus. Besonders die Aktien von Circle, dem Emittenten des weit verbreiteten USDC, gerieten unter Druck und verzeichneten einen Kursrückgang von bis zu 16 %. Anleger befürchten, dass das neue Konsortium die bisherige Vorherrschaft einzelner Emittenten durch die Einbindung zentraler Zahlungsnetzwerke untergraben könnte.

Die Führungsebene der Marktführer reagierte prompt:

  • Circle: CEO Jeremy Allaire betonte die Marktstellung von USDC als „vertrauenswürdigste und institutionell bereiteste Stablecoin der Welt“. Er signalisierte sich offen gegenüber dem Wettbewerb und kündigte an, die Partnerschaften mit Banken und Unternehmen weiter auszubauen, um diese zu „wirtschaftlichen Stakeholdern“ des USDC-Netzwerks zu machen.
  • Tether: Paolo Ardoino, CEO des Marktführers Tether, kommentierte das Geschehen mit einer ironischen Note auf Social Media: „Willkommen OUSD. Spieler 2 ist ins Spiel eingetreten.“

Expertenmeinungen: Überreaktion oder struktureller Wandel?

Unter Analysten herrscht Uneinigkeit über die Tragweite des Vorstoßes. Während die Kursverluste von Circle auf die Angst vor einem Geschäftsmodell-Verlust hindeuten, bewerten Experten von William Blair die Reaktion als „überzogen“. Sie argumentieren, dass Circle durch die enorme Liquidität, den First-Mover-Advantage und das bestehende „Circle Payments Network“ eine tiefe Marktdurchdringung besitzt, die ein neuer Akteur nur schwer replizieren kann. Zudem bezeichneten sie OpenUSD skeptisch als eine „Lösung, die nach einem Problem sucht“.

Dennoch bleibt das Potenzial des Marktes gewaltig. Angesichts von Schätzungen, wonach das weltweite jährliche Transaktionsvolumen mit Stablecoins laut McKinsey in die Billionen gehen könnte, stellt die Konkurrenz durch ein dezentraleres, konsortiales Modell eine ernstzunehmende strategische Herausforderung für die bisherigen Einzelakteure dar.

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