Hintergrund

Alipay: Chinesischer Payment-Riese infiltriert Europas Fintech-Sektor systematisch

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und Jack Ma, Vorstandsvorsitzender der Alibaba-Gruppe, mit der EM-Trophäe. © UEFA
UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und Jack Ma, Vorstandsvorsitzender der Alibaba-Gruppe, mit der EM-Trophäe. © UEFA

Es ist derzeit nicht zu übersehen: Die Bezahl-App Alipay aus dem großen chinesischen Online-Reich Alibaba (bzw. dessen Fintech-Tochter Ant Group) will auf die Smartphones der Europäer. Ein gewaltiger Sponsoring-Deal mit der UEFA, der von 2018 bis 2026 und die UEFA EURO 2020 und 2024, soll die App in Europa nach und nach bekannt machen. Um mit dem Logo omnipräsent in europäischen Fußballstadien und damit im TV zu sein, ließ satte 200 Millionen Euro für den Deal springen.

Ein geschätztes Live-Publikum von 7,4 Milliarden Menschen hat die UEFA dem chinesischen Fintech-Riesen für das Geld versprochen – also über mehrere Jahre hinweg und nicht auf einmal. Solche Deals leisten sich sonst nur die ganz großen Brands wie Coca-Colan, Heineken oder Volkswagen – dass eine chinesisches Payment-App so viel Werbegeld springen lässt, zeugt von der Finanzkraft und den großen Zeithorizonten, in denen die Macher planen.

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Österreichische Firma könnte chinesischem Payment-Giganten Alipay in Europa zum Durchbruch verhelfen

Partnerschaften überall

Denn am Ende steckt Jack Ma, einer der reichsten Männer Asiens und Gründer von Alibaba hinter all dem. Er persönlich unterzeichnete den Werbe-Deal mit UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und Griff sich für ein Siegerfoto gleich einmal die Trophäe, die dieses Jahr der EM-Gewinner bekommen soll. Das symbolisiert den Griff von China nach Europa, den man seit Jahren auf vielen Ebenen (Athener Hafen, Autobahnen in Montenegro und Serbien, neue Smartphone-Marken wie Vivo) ganz gut.

Doch noch ist die Alipay-App nicht reif für den europäischen Markt. Hier dominieren die US-Player PayPal, Apple und Google im gemeinsamen Konzert mit den Kreditkartenriesen Visa und Mastercard beim digitalen und mobilen Bezahlen. Sie sind die Partner der Banken und die Brands, die die Endnutzer kennen. Alipay hat deswegen neben der Werbepartnerschaft mit der UEFA noch einen zweiten Weg gefunden, um Europa quasi durch die Hintertür zu erobern: Fintech-Startups.

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Von Klarna bis Bluecode

Immer öfter poppen die Namen Ant Group und Alipay in den Pressetexten und auf Webseiten europäischer Fintechs auf. Der Reihe nach haben kleine und große Firmen Partnerschaften mit den Chinesen geschlossen, die mit Zugang zu neuen Nutzern und Technologien locken. In normalen Jahren kommen mehr als zehn Millionen Chinesen als Touristen nach Europa, und in Sachen QR-Code-Payment ist Alipay neben WeChat ein Branchenführer.

Kooperationen gibt es unter anderem mit:

  • Klarna: Das zweit wertvollste Fintech-Unicorn der Welt zählt Ant Group zu seinen wichtigsten Investoren
  • Wise: Seit 2020 lässt das britische Fintech seine Nutzer direkt Geld an Alipay-Nutzer senden und hat so seine günstigen Auslandsüberweisungen auf China ausgeweitet
  • solarisBank: Der deutsche Banking-as-a-Service-Anbieter hat seit 2019 eine Partnerschaft mit Alipay. Wann immer Fintech auf solarisBank aufbauen, können sie Alipay als Bezahlmöglichkeit einfach in ihre Dienste integrieren
  • Bluecode: Das Austro-Schweizer Fintech hat seit 2019 eine Kooperation mit Alipay, um gemeinsam eine einheitliche QR-Code-Lösung zum mobilen Bezahlen in Europa zu etablieren. Auch die Bezahldienste Momo Pocket (Spanien), Pagaqui (Portugal), Vipps (Norwegen), ePassi und Pivo (Finnland) sind mit von der Partie
  • Checkout.com: Das zweit wertvollste europäische Fintech hinter Klarna bietet seinen Kunden Alipay neben Kreditkarten, Klarna, PayPal und Co. als mögliche Option für Online-Payments an
  • Adyen: Der niederländische Fintech-Riese hat ähnlich wie Checkout.com auch Alipay als Bezahlmethode im Programm
  • Concardis: Der Payment-Spezialist, bekannt für seine Kartenlesegeräte, ermöglicht Händlern die Alipay-Integration, damit Touristen aus China Alipay auch im DACH-Raum nutzen können
  • Unzer: Zuvor als Heidelpay bekannt, bietet das deutsche Fintech auch Alipay-Bezahlungen für Web-Shops an

Gefürchtet in In- und Ausland

Anzumerken ist aber auch, dass all diese Partnerschaften vor dem geplatzten Börsengang der Ant Group im Herbst 2020 geschlossen wurden. Weil dem chinesischen Regime das Fintech mit 1,3 Milliarden Nutzern weltweit und einem damals boomenden Kleinkreditegeschäft zu mächtig war, wurde der IPO kurzerhand gestoppt, Ant Group restrukturiert, die Alibaba Group mit einer Milliardenstrafe belegt und Jack Ma zurück gepfiffen.

Unproblematisch ist Alipay in Europa nicht. Der deutsche Verfassungsschutz warnte 2020 vor den chinesischen Bezahl-Apps von Tencent (Wechat Pay) und Alibaba (Alipay), weil diese für Spionage missbraucht werden könnten. Zwar werden sie hauptsächlich von Chinesen benutzt, eine Verwendung durch deutsche bzw. europäische Nutzer ist aber möglich. Informationen über Zahlungen könnten durch das chinesische Sozialkreditsystem missbraucht werden, um auch Nicht-Chinesen und Unternehmen zu bewerten und zu überwachen. In den USA und in Indien wurde Alipay gar von den Regierungen geblockt, wobei US-Präsident Biden die Order von Trump mittlerweile rückgängig gemacht hat.

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