Verkauf

Exit für techbold: Deutsche accompio mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz übernimmt

© techbold AG
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Die deutsche accompio-Gruppe übernimmt 100 Prozent der Aktien der Wiener techbold technology group AG. Damit endet eine der konsequentesten Buy-and-Build-Geschichten der österreichischen IT-Branche mit einem Exit – ausgerechnet an einen größeren Konsolidierer aus Deutschland.

Die Verträge sind unterzeichnet, der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die Wettbewerbsbehörde. Das gaben techbold und accompio am heutigen Freitag morgen bekannt. Zum Kaufpreis machen die beiden Unternehmen keine Angaben, jedenfalls lag techbold zuletzt bei etwa 28 Mio. Euro Jahresumsatz und ordentlich Gewinn, accompio bei mehr als 100 Millionen.

Für Kunden und Partner soll sich im Tagesgeschäft vorerst nichts ändern: Ansprechpartner, laufende Projekte, Services und Verträge bleiben laut Aussendung unverändert aufrecht. techbold wird Teil der accompio-Gruppe, die damit erstmals in nennenswertem Umfang im österreichischen Markt Fuß fasst.

Was accompio kauft

techbold wurde im Juni 2015 von Damian Izdebski gegründet – gemeinsam mit den Business Angels Hansi Hansmann, Michael Altrichter und Stefan Kalteis. Izdebski hatte zuvor mit der IT-Handelskette DiTech eines der bekanntesten heimischen IT-Unternehmen aufgebaut, das 2014 in die Insolvenz schlitterte.

Heute betreut techbold nach eigenen Angaben rund 1.400 Kunden mit mehr als 170 IT-Spezialistinnen und -Spezialisten an den Standorten Wien, Oberösterreich und Burgenland. Der Jahresumsatz liegt bei rund 28 Millionen Euro. Das Portfolio reicht von Managed Services über Cloud- und Infrastrukturlösungen bis zu Cybersecurity mit einem eigenen Cyber Security Operations Center; Zertifizierungen wie ISO 27001:2022 und das Cyber Trust Austria Silver Label sollen die Sicherheitskompetenz belegen.

Operativ geführt wird das Unternehmen seit April 2025 von den Co-CEOs Gerald Reitmayr (seit 2016 an Bord, zuvor COO) und Matthias Stieber (zuvor CFO). Gründer Izdebski war damals in den Aufsichtsrat gewechselt und blieb Hauptaktionär – zuständig unter anderem für M&A. Genau dieses Thema war zuletzt das prägende.

Wer bisher an techbold beteiligt war

Die Aktionärsstruktur der AG war breit gestreut – ein Ergebnis mehrerer Kapitalerhöhungen und Eigenemissionen, mit denen techbold seine Zukäufe finanziert hat. Größter Einzelaktionär ist Gründer Damian Izdebski mit 33,8 Prozent. Weitere 34,16 Prozent entfallen laut Firmenbuchdaten auf eine Vielzahl privater Kleininvestoren, die nicht einzeln ausgewiesen sind. Es folgen die Kailuana GmbH des Business Angels Stefan Kalteis mit 8,98 Prozent, Co-CEO Gerald Reitmayr mit 5,82 Prozent, Alexander Milavec mit 5,55 Prozent, die Romulus Consulting GmbH von Business Angel Hansi Hansmann mit 4,69 Prozent, die Michael Altrichter Beteiligungs GmbH mit 3,57 Prozent sowie die Compass-Gruppe GmbH mit 3,43 Prozent. Mit dem Verkauf von 100 Prozent der Aktien an accompio steht damit ein Exit für einen ganzen Kreis heimischer Angel-Investoren und Kleinaktionäre an.

Die Buy-and-Build-Strategie: 18 Zukäufe in zehn Jahren

techbold ist in Österreich vor allem als Serienkäufer aufgefallen. Nach dem Start als Full-Service-IT-Dienstleister für KMU begann die Zukaufsserie 2019 mit gleich drei übernommenen IT-Dienstleistern. Anfang 2021 folgte die Wiener EDV Solutions G. Fucik, im selben Jahr dann der bis dahin größte Schritt: Im Oktober 2021 vermeldete techbold die Übernahme von fünf IT-Dienstleistern auf einmal – darunter die Semizen-Gruppe (Semizen, IS-IT-ON, ProDat IT Solutions) sowie PAN-IT im Burgenland. Rund fünf Millionen Euro flossen in diese Deals, finanziert unter anderem über eine Aktien-Eigenemission von 1,9 Millionen Euro. Die Gruppe wuchs damit auf 110 Mitarbeiter, der Umsatz sollte sich auf rund 17 Millionen Euro verdoppeln.

Danach folgte Zukauf auf Zukauf: 2022/23 kamen unter anderem RYSIT Consulting, JASCH-IT, WEMIT Services und Dextra Data Solutions dazu, meist als Asset-Deals, bei denen Kunden, Infrastruktur und Mitarbeiter übernommen wurden. 2024 war mit fünf Transaktionen das intensivste Jahr: MAY-IT und die Gerhard Mayrhofer EDV-Beratung in Oberösterreich, die IT-Infrastruktursparte der Wiener pc-web: it-solutions und im Dezember die ComKom EDV Komplettlösungen. Letztere war nach Unternehmensangaben die insgesamt 18. Übernahme seit 2015.

Das Muster war dabei stets ähnlich: inhabergeführte, oft kleine IT-Dienstleister mit alternder Eigentümerstruktur, langjährigen KMU-Kunden und Nachfolgethema. techbold bündelte diese Kundenstöcke auf einer zentralen Betriebsplattform und rüstete sie in Richtung Managed Services und Security auf – ein Ansatz, der durch den Fachkräftemangel, steigende Cyberrisiken und regulatorischen Druck (Stichwort NIS2 bzw. NISG) zusätzlichen Rückenwind bekam.

Der Käufer: Buy-and-Build im größeren Maßstab

accompio verfolgt dieselbe Logik – nur eine Stufe darüber. Die Gruppe entstand aus dem Zusammenschluss von mod IT Services, be-solutions und proficom und wuchs seither durch weitere Zukäufe. Mehrheitsgesellschafterin ist die Münchner Private-Equity-Gesellschaft EOS Partners. Seit 1. September 2025 führt Christian Böing (zuvor Contabo, davor unter anderem Strato, Ionos und Vodafone) die Gruppe als CEO.

Nach eigenen Angaben zählt accompio rund 900 IT-Expertinnen und -Experten an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien; der Umsatz lag zuletzt jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke. Positioniert wird die Gruppe als Managed Security Service Provider mit Schwerpunkten in IT-Sicherheit, Cloud, digitaler Transformation und KI.

CFO Georg Willig ordnet den Kauf entsprechend ein: Man baue „systematisch die führende IT-Services-Plattform im DACH-Raum“ auf und suche gezielt unternehmergeführte IT-Dienstleister mit starker Marktposition. techbold-Co-CEO Gerald Reitmayr wiederum verweist auf einen mehrmonatigen Prüfprozess, in dem man den passenden strategischen Partner gesucht habe.

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