Apple liefert Rekordquartal, Aktie wegen Speicherchip-Krise trotzdem hart abgestraft
Apple hat im dritten Geschäftsquartal 2026 (bis 27. Juni) so viel umgesetzt wie nie zuvor in einem Juni-Quartal – und wurde an der Börse trotzdem abgestraft. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 109,4 Milliarden Dollar, der Gewinn um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden Dollar. Der verwässerte Gewinn je Aktie legte um 29 Prozent auf 2,02 Dollar zu. Nachbörslich verlor die Aktie am Donnerstag zeitweise bis zu acht Prozent.
Die Zahlen im Detail
Analystinnen und Analysten hatten laut FactSet mit rund 108,85 Milliarden Dollar Umsatz und 27,73 Milliarden Dollar Gewinn gerechnet – Apple lag bei beiden Kennzahlen darüber. Die Bruttomarge betrug 50,1 Prozent, wobei rund zwei Prozentpunkte auf Zoll-Rückerstattungen zurückgehen; beim Gewinn je Aktie steuerten diese Rückerstattungen 0,11 Dollar bei.
Getragen wurde das Quartal vom iPhone: Die Sparte wuchs um 22 Prozent auf 54,25 Milliarden Dollar. Die im vergangenen September vorgestellte Generation – darunter das besonders dünne iPhone Air und ein Pro-Modell mit erhöhtem Kamerabalken – verkauft sich weiter gut, obwohl Apple die Preise einzelner Modelle um 100 Dollar angehoben hat. Der Mac legte um 29 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar zu, unterstützt von der im März eingeführten Einstiegsreihe MacBook Neo.
Schwächer entwickelten sich andere Bereiche: Die Services-Erlöse wuchsen um 12 Prozent auf 30,74 Milliarden Dollar und blieben damit leicht unter den Erwartungen – und das, obwohl Apple diesen Monat unter anderem den Preis für Apple Music von 10,99 auf 11,99 Dollar pro Monat erhöht hat. Wearables inklusive Apple Watch und AirPods kamen auf 7,88 Milliarden Dollar (plus sechs Prozent), das iPad schrumpfte um sechs Prozent auf 6,19 Milliarden Dollar.
In China setzte sich die Erholung fort: Der Umsatz stieg dort um 22 Prozent auf 18,82 Milliarden Dollar. Laut Counterpoint Research entfielen im Quartal 18 Prozent der Smartphone-Auslieferungen an chinesische Distributoren auf Apple – mehr als auf die meisten lokalen Konkurrenten. Der Verwaltungsrat beschloss eine Dividende von 0,27 Dollar je Aktie, zahlbar am 13. August an Aktionäre, die am 10. August im Register stehen.
Warum der Kurs trotzdem fiel
Ausschlaggebend war der Ausblick. Für das laufende Quartal stellt Apple ein Umsatzwachstum von neun bis elf Prozent in Aussicht – Analysten hatten mit rund zwölf Prozent gerechnet. Als Grund nannte CEO Tim Cook eine Lieferbeschränkung bei einem Verfahren in der Chipfertigung. Zusätzlich rechnet der Konzern mit ungünstigeren Wechselkursen als im Vorquartal.
Hinter der vorsichtigen Prognose steht ein Kostenproblem, das die gesamte Branche betrifft: Der KI-Boom hat die weltweite Nachfrage nach Speicherchips in die Höhe getrieben. Apple hatte deshalb bereits im Vormonat die Preise für Macs und iPads erhöht und erwartet für das laufende Quartal noch höhere Speicherkosten. Finanzchef Kevan Parekh verwies darauf, dass die Lieferkette zuletzt weniger flexibel gewesen sei als in früheren Jahren, in denen Apple höherer Nachfrage einfach hinterherproduzieren konnte.
Dazu kommt die Erwartungshaltung. Apple hatte erst diese Woche den Titel des wertvollsten börsennotierten Unternehmens der Welt zurückerobert – ein Niveau, auf dem selbst ein leicht verfehlter Ausblick stark durchschlägt.
Cooks letzte Bilanz
Es waren die letzten Quartalszahlen, die Tim Cook als CEO präsentiert hat. Der 65-Jährige, der Apple seit 15 Jahren führt, wechselt im September auf den Posten des Executive Chairman. Nachfolger wird John Ternus (51), bislang Chef der Hardware-Entwicklung. Cook bezeichnete den Übergang im Analystencall als reibungslos und bedankte sich bei Investoren und Analysten; Ternus betonte, das Unternehmen sehe im KI-Bereich große Chancen und konzentriere sich auf seine Pläne.
Cook selbst hatte das Quartal in der Aussendung als bestes Juni-Quartal der Firmengeschichte bezeichnet und auf die WWDC26 verwiesen, wo Apple eine komplett neue, KI-gestützte Siri sowie neue Kinderschutz-Funktionen vorgestellt hatte. Parekh hob Rekorde bei Gewinn je Aktie und operativem Cashflow hervor sowie eine neue Bestmarke bei der installierten Basis aktiver Geräte.

