Waffensysteme

Anduril holt 5 Milliarden Dollar, Bewertung steigt auf 61 Milliarden Dollar

"EagleEye"-Helm von Anduril und Meta. © Anduril
"EagleEye"-Helm von Anduril und Meta. © Anduril

Das amerikanische DefenseTech Anduril Industries hat in seiner jüngsten Finanzierungsrunde 5 Milliarden Dollar eingesammelt und wird nun mit 61 Milliarden Dollar bewertet. Die Series-H-Runde wurde von Thrive Capital und Andreessen Horowitz angeführt. Damit hat das Unternehmen seine Bewertung innerhalb kurzer Zeit erneut deutlich gesteigert.

Anduril Industries hat sich seit der Gründung 2017 u einem der vielseitigsten Anbieter autonomer Waffensysteme entwickelt – mit einem Portfolio, das von der Luft über Land bis unter Wasser reicht. Im Bereich unbemannter Luftfahrzeuge produziert das US-Unternehmen die Loitering-Munition Altius 600m und Altius 700m, die unter anderem von der britischen Regierung für die Ukraine beschafft wurden, sowie die kleineren Bolt-Kampfdrohnen. Hinzu kommen die größere Aufklärungs- und Angriffsdrohne Ghost sowie der autonome Kampfjet-Wingman Fury. Mit der Barracuda-Familie ist Anduril zudem in den Marschflugkörper-Markt eingestiegen.

Für die Drohnenabwehr liefert Anduril die autonome Abfangdrohne Anvil sowie deren Weiterentwicklung Anvil-M mit hochexplosivem Sprengkopf, ergänzt durch die Sentry Tower – solarbetriebene Überwachungstürme – und die Wisp-Sensoren. Im maritimen Bereich entwickelt das Unternehmen das autonome Unterwasserfahrzeug Ghost Shark sowie das rund sechs Meter lange AUV Dive-LD.

Das Rückgrat des gesamten Portfolios bildet die KI-Softwareplattform Lattice OS, die als „Betriebssystem für den Krieg“ Sensoren, Drohnen und andere Geräte zu einem einzigen Netzwerk verbindet und ein 3-D-Modell des Schlachtfelds in Echtzeit erstellt. Für den europäischen Markt entstehen europäische Varianten der Drohnen Barracuda und Fury in Kooperation mit Rheinmetall, das die Systeme in seine digitale Militärplattform „Battlesuite“ integrieren wird.

Bewertungsentwicklung im Überblick

Die Entwicklung von Andurils Bewertung zeigt ein rasantes Wachstum innerhalb weniger Jahre. Zum Vergleich die wichtigsten Finanzierungsrunden:

Runde Zeitraum Kapital Bewertung
Series F August 2024 1,5 Mrd. USD 14 Mrd. USD
Series G Anfang 2025 2,5 Mrd. USD 30,5 Mrd. USD
Series H Mai 2026 5 Mrd. USD 61 Mrd. USD

Die Series-G-Runde wurde von Founders Fund angeführt, das mit einer Milliarde Dollar den bis dahin größten Einzelbetrag in der Firmengeschichte investierte.

Hintergrund: Was ist Anduril?

Anduril Industries wurde 2017 von Palmer Luckey und drei ehemaligen Palantir-Mitarbeitern gegründet. Luckey hatte zuvor sein Virtual-Reality-Unternehmen Oculus VR im Jahr 2014 für rund zwei Milliarden Dollar an Facebook verkauft. Der Firmenname leitet sich von dem Schwert der Figur Aragorn aus „Der Herr der Ringe“ ab.

Das Unternehmen positioniert sich als moderne Alternative zu etablierten Rüstungskonzernen und setzt auf flexible Produktionsverfahren sowie aktuelle Technologien. CEO Brian Schimpf betont, dass Anduril in einem Markt tätig ist, in dem seit 50 Jahren kein wesentliches neues US-Verteidigungsunternehmen entstanden war.

Waffensysteme und Produkte

Anduril entwickelt und produziert eine breite Palette an autonomen Waffensystemen sowie die dazugehörige Steuerungssoftware. Zu den zentralen Produkten zählen:

  • Autonome Drohnen: Unbemannte Luftfahrzeuge für Aufklärungs- und Kampfeinsätze
  • Autonome Unterwasserfahrzeuge: Systeme für maritime Operationen und Überwachung
  • Raketenmotoren: Antriebssysteme für verschiedene Waffenplattformen
  • AR-Helme für Soldaten: Augmented-Reality-Headsets für den militärischen Einsatz, entwickelt in Partnerschaft mit Meta
  • Raketen- und Abwehrsysteme: Speziell für die Abwehr von See- und Luftbedrohungen konzipierte Systeme

Einen Wachstumsimpuls erhielt das Unternehmen durch die Übernahme eines ursprünglich an Microsoft vergebenen US-Army-Auftrags zur Entwicklung von AR/VR-Headsets für Soldaten. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 22 Milliarden Dollar und führte zu einer Partnerschaft zwischen Anduril und Meta. Das Produkt trägt den Namen „EagleEye“.

Für die Massenproduktion plant Anduril den Bau einer Großfabrik namens Arsenal-1 mit einer Fläche von mindestens 5 Millionen Quadratmetern. Die Anlage soll Tausende Arbeitsplätze schaffen und die Kapazität besitzen, Zehntausende autonome Fahrzeuge und Waffen zu fertigen.

Warum Luckey mit einem Konflikt 2027 rechnet

Palmer Luckey begründet die strategische Ausrichtung von Anduril mit einer konkreten geopolitischen Annahme: Er geht davon aus, dass China möglicherweise im Jahr 2027 eine Invasion oder Seeblockade Taiwans starten könnte. Diese interne „China 2027″-Strategie bestimmt nach eigenen Angaben alle Investitions- und Entwicklungsentscheidungen des Unternehmens.

„Alles, woran wir arbeiten, alles, worin wir investieren, muss unter der Annahme entwickelt werden, dass China irgendwann 2027 gegen Taiwan vorgehen wird“, sagte Luckey im Podcast „Joe Rogan Experience“.

Luckey räumt ein, dass er sich irren könnte, möchte aber nicht unvorbereitet in einen möglichen Konflikt gehen. Er plädiert dafür, dass die USA nicht eigene Soldaten in den Kampf schicken, sondern als „Waffenladen der Welt“ ihre Verbündeten mit modernen Waffensystemen ausrüsten. Taiwan lieferte Luckey eigenen Angaben zufolge bereits eine Reihe von Raketen und Waffensystemen, die speziell zur Abwehr einer chinesischen Invasion konzipiert sind.

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