Anthropic hat OpenAI bereits beim Umsatz überholt
Im Wettbewerb der großen KI-Unternehmen hat sich ein bemerkenswerter Führungswechsel vollzogen: Anthropic, Entwickler des KI-Assistenten Claude, hat OpenAI beim annualisierten Umsatz überholt. Während Anthropic einen Run-Rate-Umsatz von über 30 Milliarden US-Dollar vermeldet, liegt OpenAI nach eigenen Angaben bei rund 24 bis 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr (2 Milliarden US-Dollar pro Monat). Der entscheidende Unterschied liegt in der strategischen Ausrichtung: Anthropic setzt konsequent auf das Geschäftskundengeschäft, während OpenAI mit ChatGPT traditionell auf Endverbraucher zielt.
Anthropic: Explosives Wachstum bei Unternehmenskunden
Die Zahlen, die Anthropic veröffentlicht hat, sind beeindruckend. Ende 2025 lag der annualisierte Umsatz des Unternehmens noch bei rund 9 Milliarden US-Dollar. Seitdem hat sich dieser Wert mehr als verdreifacht. Besonders auffällig ist das Wachstum im Segment der Großkunden: Als Anthropic im Februar 2026 seine Series-G-Finanzierungsrunde ankündigte, zählte das Unternehmen über 500 Geschäftskunden, die jeweils mehr als 1 Million US-Dollar pro Jahr ausgaben. Heute sind es bereits mehr als 1.000 solcher Kunden, eine Verdopplung in weniger als zwei Monaten.
OpenAI: Rekordwachstum, aber anderes Modell
OpenAI verzeichnet ebenfalls beeindruckende Wachstumszahlen. Das Unternehmen erreichte als Technologieplattform schneller als jedes andere Unternehmen 10 Millionen und anschließend 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Innerhalb eines Jahres nach dem Start von ChatGPT erzielte OpenAI einen Umsatz von 1 Milliarde US-Dollar, Ende 2024 waren es bereits 1 Milliarde US-Dollar pro Quartal. Heute liegt der monatliche Umsatz bei 2 Milliarden US-Dollar. OpenAI gibt an, seinen Umsatz viermal schneller zu steigern als Unternehmen, die das Internet- und Mobilzeitalter geprägt haben, darunter Alphabet und Meta.
Der wesentliche Unterschied liegt jedoch in der Kundenstruktur. OpenAIs Wachstum ist stark durch das Massenprodukt ChatGPT getrieben, das auf Konsumentinnen und Konsumenten ausgerichtet ist. Anthropic hingegen hat sich von Beginn an auf Unternehmenskunden und API-Nutzung konzentriert, also auf Firmen, die Claude in eigene Produkte und Prozesse integrieren.
Vergleich auf einen Blick
| Kennzahl | Anthropic | OpenAI |
|---|---|---|
| Annualisierter Umsatz (2026) | über 30 Mrd. USD | ca. 24 Mrd. USD |
| Primäre Zielgruppe | Geschäftskunden (B2B) | Endverbraucher und Unternehmen (B2C/B2B) |
| Großkunden (über 1 Mio. USD/Jahr) | über 1.000 | keine vergleichbare Angabe |
| Umsatz Ende 2025 | ca. 9 Mrd. USD | ca. 4 Mrd. USD/Quartal |
Infrastruktur als Wachstumsfundament
Um das weitere Wachstum zu sichern, hat Anthropic eine weitreichende Infrastrukturvereinbarung mit Google und Broadcom über mehrere Gigawatt an Rechenkapazität der nächsten Generation abgeschlossen. Die neuen TPU-Kapazitäten sollen ab 2027 schrittweise in Betrieb gehen und überwiegend in den Vereinigten Staaten angesiedelt sein. Dies ist eine Erweiterung des im November 2025 angekündigten Commitments, 50 Milliarden US-Dollar in amerikanische KI-Infrastruktur zu investieren.
Anthropic betreibt seine Modelle auf einer breiten Hardwarebasis, darunter AWS Trainium, Google TPUs und NVIDIA GPUs. Amazon bleibt dabei der primäre Cloud-Anbieter und Trainingspartner. Claude ist zudem das einzige frontier KI-Modell, das auf allen drei großen Cloud-Plattformen verfügbar ist: Amazon Web Services (Bedrock), Google Cloud (Vertex AI) und Microsoft Azure (Foundry).
Dass Anthropic OpenAI beim Umsatz überholen wird, hat Epoch AI bereits im Februar 2026 vorhergesagt und geschätzt, dass der Zeitpunkt etwa Mitte 2026 eintritt. Nun aber ist es sogar schon früher passiert.



