IPO-Jahr

Anthropic und SpaceX schließen spektakulären Deal um KI-Rechenzentren auch im All

© SpaceX

Es ist eine Allianz, mit der nicht jeder gerechnet hat, die aber letztlich doch naheliegend ist: Die KI-Tochter von SpaceX, xAI, und das KI-Unternehmen Anthropic haben eine weitreichende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Im Mittelpunkt steht der Zugang zu Colossus 1, einem der leistungsfähigsten KI-Supercomputer der Welt. Der Deal kommt zu einem Zeitpunkt, an dem beide Unternehmen einem Börsengang in diesem Jahr entgegenstreben und die Konkurrenz im KI-Sektor massiv zunimmt.

Sowohl Anthropic als Abspaltung von OpenAI als auch SpaceX/xAI mit Elon Musk an der Spitze sowieso stehen in harter Konkurrenz zu OpenAI – eine Allianz zwischen den beiden macht insofern durch aus Sinn. Aktuell stehen Musk und OpenAI-Mitgründer wie Sam Altman und Greg Brockman vor Gericht und streiten um die Entstehungsgeschichte von OpenAI.

Der Deal im Überblick

Anthropic erhält im Rahmen der Vereinbarung Zugang zur gesamten Rechenkapazität des Colossus-1-Rechenzentrums von SpaceX. Die Anlage verfügt über mehr als 220.000 NVIDIA-GPUs, darunter Modelle der Typen H100, H200 sowie der nächsten Generation GB200. Die damit verbundene Leistung von über 300 Megawatt soll laut Anthropic innerhalb eines Monats verfügbar sein und direkt den Abonnenten der Dienste Claude Pro und Claude Max zugutekommen.

Colossus 1 wurde in Rekordzeit errichtet und gilt als eine der schnellsten Infrastrukturdeployments in der Geschichte des KI-Sektors. Das Rechenzentrum unterstützt Anwendungsfälle von der Sprachmodellierung über multimodale Systeme bis hin zu wissenschaftlichen Simulationen auf Frontier-Niveau.

Anthropics Investorennetzwerk: Google, Amazon, Microsoft und Nvidia

Der SpaceX-Deal reiht sich in eine Serie strategischer Kapitalpartnerschaften ein, die Anthropic in den vergangenen Monaten abgeschlossen hat. Das Unternehmen hat sich damit eine der breitesten Infrastrukturbasis unter den unabhängigen KI-Anbietern aufgebaut.

  • Amazon: Vereinbarung über bis zu 5 Gigawatt Rechenkapazität, davon knapp 1 Gigawatt bis Ende 2026, inklusive Inferenz-Kapazitäten in Asien und Europa
  • Google und Broadcom: Weitere 5-Gigawatt-Vereinbarung, die ab 2027 schrittweise in Betrieb gehen soll
  • Microsoft und Nvidia: Strategische Partnerschaft mit 30 Milliarden US-Dollar an Azure-Kapazität
  • Fluidstack: Investition von 50 Milliarden US-Dollar in amerikanische KI-Infrastruktur

Anthropic betreibt seine Modelle auf einer heterogenen Hardware-Basis, darunter AWS Trainium, Google TPUs sowie NVIDIA-GPUs. Diese Diversifizierung soll Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern reduzieren und die Skalierbarkeit sichern.

KI-Rechenzentren im Orbit

Besonders aufsehenerregend ist ein Vorhaben, das über klassische Rechenzentrumsinfrastruktur weit hinausgeht: Anthropic und SpaceX haben ihr Interesse bekundet, gemeinsam mehrere Gigawatt an orbitaler KI-Rechenkapazität zu entwickeln. Konkrete Verträge wurden dazu noch nicht unterzeichnet, die Absichtserklärung ist jedoch Teil der aktuellen Vereinbarung.

Als Begründung führen beide Unternehmen die physischen Grenzen terrestrischer Infrastruktur an: Strom, Fläche und Kühlung werden zunehmend zum Engpass. SpaceX sieht sich als einzige Organisation mit der nötigen Startfrequenz, den Massekosten in die Erdumlaufbahn und der Erfahrung im Betrieb von Satellitenkonstellationen, um orbitale Rechenkapazität von einem Forschungskonzept zu einem konkreten Ingenieursprogramm zu machen. Solarenergie im Weltall gilt dabei als nahezu unbegrenzte und nachhaltige Energiequelle ohne Belastung für die Erde.

Dass die Errichtung von KI-Rechenzentren im Orbit natürlich nicht unproblematisch ist, wurde vielfach berichtet. Meta etwa, ein weiterer Konkurrent im KI-Feld, geht einen anderen Weg und will Solarenergie aus dem All hinunter auf die Erde „beamen“.

Börsengänge 2026: Druck und Ambitionen

Sowohl SpaceX beziehungsweise xAI als auch Anthropic gelten als heiße Kandidaten für einen Börsengang im Jahr 2026. Für beide Unternehmen ist der Aufbau einer glaubwürdigen und skalierbaren Infrastruktur ein zentrales Signal an potenzielle Investoren. Die jetzt kommunizierten Partnerschaften und Kapazitätszusagen dürften auch im Hinblick auf bevorstehende Roadshows strategisch platziert sein.

Der Zeitdruck ist real: Im KI-Infrastrukturrennen investieren Konkurrenten wie Meta und OpenAI ebenfalls massiv in eigene Rechenzentrumskapazitäten. Meta hat milliardenschwere Investitionen in Datenzentren angekündigt, OpenAI arbeitet im Rahmen des Stargate-Projekts gemeinsam mit SoftBank und Oracle an einer eigenen Infrastrukturoffensive in den USA.

Internationale Expansion und gesellschaftliche Verantwortung

Anthropic plant, einen Teil der neuen Kapazitäten international auszurollen. Unternehmenskunden aus regulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und dem öffentlichen Sektor benötigen zunehmend regionale Infrastruktur, um Compliance- und Datenschutzanforderungen zu erfüllen. Bei der Standortwahl setzt Anthropic nach eigenen Angaben auf demokratische Länder mit stabilen Rechts- und Regulierungsrahmen sowie sicheren Lieferketten.

Darüber hinaus hat Anthropic sich verpflichtet, eventuelle Strompreiserhöhungen für Privathaushalte in der Nähe seiner US-Datenzentren zu kompensieren. Dieses Modell soll künftig auch auf internationale Standorte ausgeweitet werden.

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