Public AI: BRZ baut mit Open-Weights-Modellen von Mistral KI für Beamte
Das Bundesrechenzentrum (BRZ) treibt die Digitalisierung der österreichischen Bundesverwaltung mit einem klaren Fokus auf souveräne, datenschutzkonforme Künstliche Intelligenz voran. Im Rahmen der Initiative Public AI, federführend initiiert von Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP), entstehen konkrete KI-Anwendungen, die auf Open-Source-Sprachmodellen von Mistral AI basieren und auf BRZ-eigenen Servern betrieben werden. Der Ansatz: keine Abhängigkeit von kommerziellen Cloud-Anbietern, sondern eine gemeinsame, ressortübergreifende KI-Infrastruktur als Shared Service.
Die technische Basis: Mistral-Modelle auf souveräner Infrastruktur
Als Grundlage für alle KI-Anwendungen dienen derzeit die Open-Weights-Modelle Mistral 3B, 8B und 14B. Diese werden ausschließlich auf Servern des BRZ betrieben und über eine standardisierte Schnittstelle für verschiedene Verwaltungsanwendungen bereitgestellt. Die Integration weiterer Open-Source-Modelle ist bereits in Planung, um die technische Basis schrittweise zu erweitern.
Bei den eingesetzten Werkzeugen setzt das BRZ konsequent auf Open-Source-Komponenten. Als Beispiel dient etwa OpenWebUI als Benutzeroberfläche. Dieses Prinzip sichert nicht nur technologische Unabhängigkeit, sondern ermöglicht auch eine transparente Weiterentwicklung der Plattform.
„Bei der Entwicklung von KI-Use Cases in der Verwaltung achten wir stets auf einen sicheren, rechtskonformen, souveränen und schrittweise skalierbaren Einsatz von KI auf gemeinsamer Grundlage“, heißt es dazu seitens des Bundeskanzleramts.
Public AI bündelt alle KI-Vorhaben der Bundesverwaltung unter einer gemeinsamen Dachmarke. Ziel ist ein koordinierter Ansatz, der parallele Einzelentwicklungen in verschiedenen Ressorts vermeidet und stattdessen auf eine gemeinsame, skalierbare Infrastruktur setzt. Das BRZ fungiert dabei als zentraler Entwicklungs- und Betriebspartner für alle Use Cases.
Die fünf konkreten Anwendungsfälle im Überblick
| Anwendung | Beschreibung | Zielgruppe | Verfügbarkeit |
|---|---|---|---|
| GovGPT | Generative KI für den Arbeitsalltag: Texterstellung, Dokumentenzusammenfassung, persönliche Wissensdatenbanken | 180.000 Bundesbedienstete | Ende 1. Halbjahr 2026 |
| KI im ELAK | KI-Funktionen im elektronischen Akt: Fragen an Aktenbestände, strukturierte Zusammenfassungen, Unterstützung beim Informationsfreiheitsgesetz | 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter | 2. Halbjahr 2026 |
| KAPA | KI-Unterstützung bei parlamentarischen Anfragen: Recherche, Konsolidierung und Zusammenführung von Antworten mit „Human-in-the-loop“ | Alle mit parlamentarischen Anfragen befassten Bediensteten | 2. Halbjahr 2026 |
| KI-SUN | Persönlicher Wissensassistent mit über 6.000 Seiten Schulungsunterlagen der Bundesverwaltung | 180.000 Bundesbedienstete | Bereits verfügbar |
| Agentische KI | Vollautomatische Prozesse, z. B. Terminbuchung für Bürgerinnen und Bürger per Chatbot | Bedienstete und Bürgerinnen und Bürger | Kommendes Jahr |
Nächste Stufe: Agentische KI
Über die aktuellen Anwendungen hinaus plant das BRZ den Einsatz sogenannter agentischer KI: Systeme, die selbstständig Prozesse auslösen und abwickeln. Ein konkretes Beispiel ist die vollautomatische Terminbuchung für Bürgerinnen und Bürger. Die KI prüft dabei freie Zeitslots, bucht den Termin und versendet die Bestätigung ohne manuellen Eingriff. Konkrete Verfahren befinden sich derzeit in Ausarbeitung, der Rollout ist für das kommende Jahr geplant.
Weitere Maßnahmen und Ausblick
Die Public-AI-Initiative beschränkt sich nicht auf die fünf Kernanwendungen. Ergänzend dazu sind weitere Schritte geplant, um KI breit in der Bundesverwaltung zu verankern:
- Ein Hackathon in Kooperation mit TU Austria zur Entwicklung innovativer KI-Anwendungen für die Bundesverwaltung
- KI als neue Kategorie im Staatspreis Digitalisierung für herausragende Leuchtturmprojekte im Bereich Public AI
- Ein aktualisierter KI-Leitfaden und KI-Guidelines für einen sicheren und verantwortungsvollen Einsatz in der Verwaltung
- Weitere identifizierte Use Cases, darunter automatische Transkription und Protokollierung von Sitzungen, intelligentes Fördermanagement sowie KI-gestützte Sicherung von Verwaltungswissen
Parallel dazu werden die KI-Kompetenzen der Bundesbediensteten im Rahmen der Digitalen Kompetenzoffensive auf Basis eines eigenen Aktionsplans systematisch ausgebaut. Public AI versteht sich damit nicht nur als technische Infrastruktur, sondern als umfassendes Programm zur Transformation der österreichischen Bundesverwaltung.


