Cargoboard: „Transport soll schneller, einfacher und nachvollziehbarer werden“
Das deutsche Logistik-Startup Cargoboard will als digitale Spedition Straßentransporte in Europa transparenter und einfacher machen. Die Idee: Unternehmen sollen LKW genauso schnell buchen können wie eine Flugreise. Im Startup Interview geht Lukas Petrasch, Geschäftsführer und Mitgründer von Cargoboard, darauf ein, wie sich Logistik und Tech effizient miteinander verknüpfen lassen:
Kannst du uns dein Startup vorstellen? Was macht ihr genau?
Lukas Petrasch: Wir haben mit Cargoboard eine digitale Spedition für Straßentransporte in Europa gebaut. Die Grundidee ist, dass Kundinnen und Kunden einen Transport genauso einfach buchen können, wie man das heute von anderen Online-Services kennt, zum Beispiel von einer Flugbuchung.
Wenn ich einen Flug buche, dann klicke ich mich da einmal sauber durch, sehe direkt, was es kostet, was ich dafür bekomme und wie der Ablauf ist. Genau dieses Gefühl wollten wir in eine Welt bringen, die sonst oft komplett anders funktioniert. In der klassischen Spedition musst du dich häufig erst durch Preislogiken und Zuschläge kämpfen, Angebote einsammeln und viel hin und her telefonieren oder mailen. Und nicht selten wird es erst mit der Rechnung wirklich klar, was am Ende passiert ist.
Bei uns soll das deutlich einfacher sein. Du wirst durch die Buchung geführt, du bekommst verständliche Preise und du hast von Anfang an Klarheit, wie der Prozess läuft. Und ganz wichtig, du stehst damit nicht allein da. Du hast einen verlässlichen Ansprechpartner und ein Setup, das dafür sorgt, dass Transport für dich planbar und unkompliziert wird.
Dabei ist „Open Transport“ ein zentraler Teil unserer Mission: Wir wollen Transporte für alle Beteiligten fairer, transparenter und zugänglicher machen. Heute arbeiten in Lieferketten viele Akteure mit eigenen Systemen und wenig Transparenz nach außen. Wir schaffen deshalb einen einfachen Zugang zu hochwertigen Transportdienstleistungen, auch für kleinere Unternehmen oder junge Teams, und geben gleichzeitig unseren ausgewählten Speditionspartnern und Frachtführern Zugang zu neuen Kundensegmenten.
Wer ist im Gründungsteam?
Cargoboard ist aus einem Projekt-Workshop entstanden, in dem Logistikpraxis und Universität zusammenkamen: Mitarbeitende aus einer Spedition und Studierende haben in gemischten Teams neue Geschäftsmodelle entwickelt. Aus diesem Umfeld hat sich unser Gründungsteam formiert, mit dem wir die Idee weiterverfolgt und ein nachhaltiges Unternehmen aufgebaut haben.
Ich bin heute der einzige Gründer, der bei Cargoboard in einer aktiven Rolle verblieben ist. Dafür haben wir uns über die Jahre ein hochspezialisiertes Führungsteam aufgebaut, aus erfahrenen Logistikprofis, Technologie-Experten und Marketing-Spezialisten, die Cargoboard bewusst als ihre Mission gewählt haben und mit einer Motivation arbeiten, die man in der Branche selten findet.
Was ist die Geschichte hinter deinem Startup? Wie und warum hast du angefangen?
Die Idee ist aus einem sehr konkreten Frust entstanden: Ich habe im Speditionsvertrieb jeden Tag erlebt, wie komplex die Beziehung zwischen Kunde und Spedition ist. Unternehmen müssen Preislisten studieren, Zuschläge verstehen, aus Unsicherheit doch wieder telefonieren oder E-Mails schreiben. Oft weiß man erst nach dem Transport mit der Rechnung, was es wirklich gekostet hat. Gleichzeitig ist der Markt extrem fragmentiert: Allein in Deutschland gibt es rund 50.000 Transportunternehmen, alle mit eigenen Stärken, Relationen und Spezialisierungen. Für Kunden wird das schnell intransparent.
Ich habe mir damals oft gedacht: Es ist absurd, einen Flug um die halbe Welt kann ich in Minuten buchen, aber ein LKW von Paderborn nach München braucht fünf E-Mails. Genau daraus ist die Grundidee entstanden: Open Transport – Transport digital zugänglich zu machen. Der offizielle Startpunkt war dann ein Workshop zur „Zukunft der Speditionsbranche“ zusammen mit der Universität Paderborn, dem Startup-Inkubator Garage33 und meinem ehemaligen Arbeitgeber der CargoLine, aus dem Cargoboard als Gewinnerprojekt hervorging.
Was unterscheidet dein Startup von der Konkurrenz? Was macht euch einzigartig, was ist die USP?
Wir denken Transport konsequent vom Kunden her – nicht aus historisch gewachsenen Speditionsprozessen heraus. Große Player haben starke Netzwerke, aber vieles ist prozessorientiert, historisch gewachsen und schwer zu verändern. Häufig werden analoge Abläufe nur mit einer digitalen Oberfläche versehen.
Wir setzen dagegen auf echte Vereinfachung und Transparenz: Transport soll schneller, einfacher und nachvollziehbarer werden. Von der Preislogik bis zur Buchung. Und als junges Unternehmen können wir Dinge von Anfang an digital denken und in einer volatilen Marktsituation viel schneller reagieren als der restliche Markt. Wenn Kunden merken, dass Transport plötzlich so funktioniert, wie sie es aus anderen digitalen Produkten gewohnt sind, verändert das automatisch die Erwartungen im Markt und damit langfristig auch die Spielregeln. Die Erwartungen werden heute von Amazon geprägt, nicht von klassischen Speditionen.
Welche Technologien setzt ihr ein, bzw. welche hauseigene Tech habt ihr entwickelt?
Wir haben eine Plattform aufgebaut, die Transportprozesse von Grund auf digital denkt und standardisierbar macht – statt nur bestehende Abläufe zu „digitalisieren“. Für Kunden heißt das: ein klarer, geführter Buchungsprozess, transparente Preislogik und eine verständliche Aufbereitung von Statusmeldungen in einer Sendungsverfolgung.
Im Hintergrund haben wir dafür auch ein eigenes TMS (Transport Management System) entwickelt, das die operative Abwicklung, Steuerung und Qualitätssicherung der Transporte unterstützt. Genau diese Kombination aus kundennahem Frontend und eigener operativer Tech im Hintergrund ist für uns entscheidend, um ein Plattformmodell nicht nur digital, sondern auch zuverlässig und skalierbar zu betreiben.

Wer ist eure Zielgruppe und wie erreicht ihr sie?
Wir richten uns an Versender, vom kleinen Gewerbebetrieb oder Startup bis zu etablierten Unternehmen, die einen einfachen, fairen und transparenten Zugang zu hochwertigen Transportdienstleistungen wollen. Auf der anderen Seite geben wir unserem ausgewählten Netzwerk von Speditionspartnern und Frachtführern Zugang zu neuen Kundensegmenten.
Erreicht haben wir das vor allem, indem wir sehr nah am Markt sind: direktes Kundenfeedback, echte Use-Cases und ein klarer Fokus darauf, Transport digital zugänglich zu machen. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle. Wir müssen zeigen, dass wir nicht nur eine Software-Plattform sind, sondern dass nach einer Buchung am nächsten Morgen wirklich ein LKW kommt.
Unsere Customer Journey ist dabei stark digital geprägt und darauf ausgelegt, Hürden konsequent abzubauen. Deshalb legen wir großen Wert darauf, online sehr gut auffindbar zu sein und in den relevanten Kanälen präsent zu sein – von Google bis hin zu Unternehmernetzwerken. Zusätzlich sehen wir eine hohe Suchnachfrage rund um die Berechnung von LKW-Transportkosten, die wir mit einem starken Tool gezielt adressieren und so früh qualifizierte Interessenten in die Journey holen.
Wie sieht es mit bisherigen Finanzierungen aus? Gibt es schon Investoren?
Wir sind ein Corporate Startup. Von Anfang an war unser Anspruch, ein nachhaltiges Modell aufzubauen, das nicht nur auf Wachstum um jeden Preis ausgelegt ist. Wir waren bereits nach wenigen Monaten profitabel und konnten früh auf eigenen Füßen stehen und so ein Geschäftsmodell etablieren, das wirtschaftlich funktioniert und aus eigener Kraft tragfähig ist.
Kannst du uns dein Geschäftsmodell erklären? Wie generiert dein Startup Einnahmen?
Im Kern funktioniert Cargoboard als Plattformmodell: Wir bringen Versender und Transportpartner zusammen und übernehmen dabei operativ Verantwortung, damit alles zuverlässig läuft. Gleichzeitig schaffen wir über Standardisierung und digitale Prozesse Effizienz, ohne dass die Zusammenarbeit für eine Seite unfair wird.
Unsere Einnahmen generieren wir über die Marge zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis: Wir verkaufen Transporte an unsere Kunden zu einem marktgerechten Preis und kaufen auf der anderen Seite entsprechende Kapazitäten bei unseren Transportpartnern ein. Die Differenz ist unsere Bruttomarge – und die optimieren wir vor allem über Technologie, intelligentes Routing und Volumenbündelung, nicht über Preisdruck auf unsere Partner.
Denn Fairness auf Partnerseite ist für uns entscheidend: Der Transport muss unseren Transportpartnern wirtschaftlich und operativ „Spaß machen“, sonst kann ein Plattformmodell in der Logistikbranche aus unserer Sicht nicht nachhaltig funktionieren.
Was sind die nächsten Schritte für dein Startup? Habt ihr spezifische Ziele für die Zukunft?
Unser Ziel ist, Transport in Europa digital zugänglicher zu machen und damit auch fairer, transparenter und einfacher. Dafür bauen wir unser Netzwerk weiter aus, verbessern das Matching zwischen Versendern und Transportpartnern und investieren stark in Service für beide Seiten.
Und ganz konkret ist Internationalisierung für uns ein zentraler nächster Schritt. Wir expandieren in weitere Länder und wollen diese Märkte immer besser verstehen – nicht nur auf dem Papier, sondern wirklich in ihren operativen Realitäten: regionale Besonderheiten, Partnerstrukturen, Kundenanforderungen und Arbeitsweisen. Unser Anspruch ist, unsere Plattform nicht einfach eins zu eins auszurollen, sondern sie für jedes Land gezielt maßzuschneidern, damit das Produkt lokal funktioniert und gleichzeitig unser europäischer Standard an Transparenz, Qualität und Service erhalten bleibt.
Ein weiterer Fokus ist Resilienz: Lieferketten sind brüchig und werden durch strukturelle Themen wie Fahrermangel oder das Aussterben vieler kleiner Speditionen anfälliger. Digitale Plattformen können hier helfen, weil sie Alternativen schneller sichtbar machen und einen besseren Überblick über Transportmöglichkeiten und Kapazitäten geben.
Hast du Tipps für andere Gründerinnen und Gründer?
Früh raus in den Markt gehen und echte Probleme lösen. Wenn man eine Branche wirklich verändern will, muss man sie konsequent vom Kunden her denken und den Mut haben, Dinge von Grund auf neu aufzubauen.
Und: Vertrauen ist gerade in traditionellen Märkten alles. Man gewinnt nicht durch schnelle Schlagzeilen, sondern indem man verlässlich liefert, fair mit Partnern umgeht und Schritt für Schritt Akzeptanz aufbaut.
Diese Story ist mit dem Startup Interviewer, einem AI-Tool von Trending Topics entstanden. Willst du ebenfalls zu deinem Startup von unserer AI interviewt werden, dann klicke hier. Weitere Startup-Interviews findest du hier.

