Coinbase baut 14% der Mitarbeiter ab, KI und „schwacher Markt“ sind schuld
Die US-amerikanische Kryptobörse Coinbase hat angekündigt, rund 14 Prozent ihrer Mitarbeiter zu entlassen. Bei zuletzt 4.951 Vollzeitstellen entspricht das einem Abbau von etwa 700 Stellen. Als Begründung nennt das Unternehmen zwei zusammenwirkende Faktoren: den anhaltenden Abschwung am Kryptomarkt sowie den wachsenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz, der bestehende Arbeitsprozesse grundlegend verändert.
Marktvolatilität als strukturelles Problem
Coinbase erwirtschaftet den Großteil seiner Einnahmen über Handelsgebühren im Kryptobereich. Das Geschäftsmodell ist damit direkt von der Entwicklung der Kryptomärkte abhängig, die sich seit Monaten in einem Abwärtstrend befinden. Der Bitcoin-Kurs ist seit Jahresbeginn deutlich gefallen, Ethereum und Solana verloren sogar 20 beziehungsweise 30 Prozent an Wert.
CEO Brian Armstrong erklärte in einem internen Schreiben, das er anschließend auf der Plattform X veröffentlichte, dass das Unternehmen trotz solider Kapitalausstattung handeln müsse:
„Unser Geschäft ist nach wie vor von Quartal zu Quartal volatil. Wir befinden uns derzeit in einem schwachen Markt und müssen unsere Kostenstruktur jetzt anpassen, damit wir aus dieser Phase schlanker, schneller und effizienter hervorgehen.“
KI verändert die Arbeitsweise grundlegend
Neben den Marktbedingungen nennt Armstrong den Einsatz von KI als zweiten zentralen Treiber der Entscheidung. Laut dem CEO ermöglicht die Technologie es kleinen Teams, in kürzerer Zeit deutlich mehr zu leisten als bisher. Dies mache eine Anpassung der Unternehmensstruktur notwendig.
„Im vergangenen Jahr habe ich beobachtet, wie Ingenieure mithilfe von KI in Tagen liefern, wofür früher ein ganzes Team Wochen gebraucht hätte. Nicht-technische Teams schreiben inzwischen Produktionscode, und viele unserer Arbeitsabläufe werden automatisiert.“
Armstrong beschreibt den aktuellen Moment als Wendepunkt, der nicht nur Coinbase, sondern alle Unternehmen betreffe. Das größte Risiko sei es, jetzt nicht zu handeln.
Umbau zur „KI-nativen“ Organisation
Die Entlassungen sind Teil eines umfassenderen Umbaus des Unternehmens. Armstrong plant, Coinbase grundlegend neu aufzustellen. Die wichtigsten strukturellen Änderungen umfassen:
- Flachere Hierarchien: Die Organisationsstruktur soll auf maximal fünf Ebenen unterhalb von CEO und COO reduziert werden, mit bis zu 15 direkten Berichten pro Führungskraft.
- Keine reinen Manager mehr: Jede Führungskraft soll gleichzeitig aktiv als Einzelkämpfer tätig sein, nach dem Prinzip des „Spielertrainers“.
- KI-native Teams: Kleine, spezialisierte Einheiten sollen KI-Agenten einsetzen, um überproportionale Ergebnisse zu erzielen. Geplant sind auch Experimente mit „Einzelpersonenteams“, in denen eine Person die Rollen von Ingenieur, Designer und Produktmanager vereint.
Abfindungen und Unterstützung für betroffene Mitarbeiter
Für die betroffenen Mitarbeiter hat Coinbase ein Unterstützungspaket angekündigt. US-Beschäftigte erhalten mindestens 16 Wochen Grundgehalt zuzüglich zwei Wochen pro Beschäftigungsjahr, die nächste Aktienzuteilung sowie sechs Monate Krankenversicherungsschutz über COBRA. Mitarbeiter mit Arbeitsvisum sollen zusätzliche Unterstützung bei der Transition erhalten. Für Beschäftigte außerhalb der USA gelten vergleichbare Regelungen unter Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten.
Armstrong wandte sich in seinem Schreiben direkt an die ausscheidenden Mitarbeiter:
„Ich weiß, dass hinter diesen Entscheidungen echte Menschen stehen, talentierte Kolleginnen und Kollegen, die sich für dieses Unternehmen und unsere Mission eingesetzt haben. An diejenigen, die uns verlassen werden: Danke. Ihr habt dazu beigetragen, Coinbase zu dem zu machen, was es heute ist.“
Coinbase trotz Stellenabbau auf Wachstumskurs
Trotz der Einschnitte sieht sich Coinbase langfristig gut positioniert. Das Unternehmen hat seinen Tätigkeitsbereich in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet und bietet neben dem Kryptohandel auch tokenisierte Aktien, dezentrale Finanzprodukte sowie einen Vorhersagemarkt an. Mit einer Marktbewertung von rund 55 Milliarden US-Dollar gehört Coinbase zu den bedeutendsten Akteuren im digitalen Finanzsektor.
Die Coinbase-Aktie reagierte positiv auf die Ankündigung und stieg im vorbörslichen Handel am Dienstag um rund 4 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier allerdings insgesamt rund 14 Prozent an Wert verloren.


