Covalo: Schweizer Startup sichert sich 3,5 Mio. Euro, baut Datenplattform für Kosmetikbranche
Das Schweizer Startup Covalo hat eine Finanzierungsrunde über 3,5 Millionen Euro abgeschlossen. Das Unternehmen, das als Discovery-Plattform für Inhaltsstoffe in der Beauty- und Personal-Care-Industrie gestartet ist, vollzieht damit einen strategischen Schwenk: Aus dem Marktplatz wird eine zentrale Dateninfrastruktur für die gesamte Branche. Die Runde wird von Hi inov angeführt, die Bestandsinvestoren HTGF und seed + speed Ventures beteiligen sich ebenfalls.
6.000 Marken aus 145 Ländern
Mehr als 1.500 Zulieferer und 6.000 Marken aus über 145 Ländern nutzen die Plattform bereits – darunter Duftstoff-Branchenriesen wie Givaudan und Symrise. Die Personal-Care-Industrie steht vor einem massiven Datenproblem. Ein einzelnes Produkt wie eine Gesichtscreme enthält Dutzende Rohstoffe, jeder mit umfangreicher Dokumentation zu Sicherheit, Compliance, Nachhaltigkeit und technischen Spezifikationen.
Diese Daten liegen in unterschiedlichen Formaten vor, folgen verschiedenen Namenskonventionen und lassen sich kaum verknüpfen. Teams aus Forschung & Entwicklung, Regulierung und Einkauf verbringen viel Zeit damit, Daten manuell zu sammeln und zu aktualisieren.
„Im Durchschnitt dauert es drei bis fünf Jahre, ein Produkt auf den Markt zu bringen. Am Ende dieses Prozesses scheitern 50 % der Produkteinführungen, was die Branche jedes Jahr Hunderte von Milliarden kostet“, so Co-Founder und Co-CEO Yann Chilvers. „Viele Unternehmen versuchen, interne Lösungen für diese Herausforderungen zu finden, aber was sie wirklich brauchen, ist ein gemeinsames Daten-Rückgrat, das die Branche antreibt und nahtlose Datenflüsse über Teams und Partner hinweg ermöglicht. Covalo ist dieses Rückgrat.“
Covalo will einheitliche Plattform etablieren
Das Startup aus Zürich verbindet sich direkt mit den Product-Information-Management-Systemen der Zulieferer und den R&D- sowie PLM-Workflows der Marken. Das ersetzt E-Mails, PDFs und Spreadsheets, die heute noch dominieren. Co-Founder und Co-CEO Timo von Bargen beschreibt die Entwicklung: „Vor fünf Jahren haben wir die weltweit größte Plattform für die Entdeckung von Inhaltsstoffen gebaut. Was wir gelernt haben, ist, dass die Entdeckung nur der Anfang ist.“ Die Branche brauche ein gemeinsames System, in dem Inhaltsstoffdaten einmal strukturiert, einmal verwaltet und überall wiederverwendet werden können.
„Unsere größten Kunden erweitern ihre Nutzung der Plattform Jahr für Jahr um das Zwei- bis Dreifache, nicht weil wir härter verkaufen, sondern weil Teams in R&D, Regulatory und Procurement alle Zugang wollen, sobald die Daten auf Covalo strukturiert sind. Dieser kumulative Effekt ist etwas, das kein eigenständiges Tool replizieren kann“, so von Bargen.
Drei Kernbereiche im Fokus
Das frische Kapital fließt in drei Bereiche: Covalo will sein Angebot für große Unternehmenskunden in wichtigen Märkten ausbauen, neue KI-gestützte Funktionen einführen und seine Plattform technisch erweitern. Konkret arbeitet das Startup an Tools, die Gespräche auswerten, Anfragen und Ausschreibungen automatisiert bearbeiten sowie Daten erfassen und auf regulatorische Anforderungen prüfen. Außerdem soll die Plattform um Funktionen zur zentralen Verwaltung von Produkt- und Stammdaten ergänzt werden. Zunächst konzentriert sich Covalo auf den Bereich Personal Care, bevor weitere Segmente folgen.
Die Vision geht über kurzfristige Effizienzgewinne hinaus. Covalo will die Grundlage für eine Branche bauen, die datengetrieben arbeitet und für AI-Workflows bereit ist. Ohne strukturierte, gemeinsame Datenbasis bleibt der Einsatz fortgeschrittener digitaler Tools auf Unternehmensebene Stückwerk. Covalo will sich als zentrales Daten-Rückgrat einer gesamten Industrie etablieren.

