DeepSeek viertelt die Preise für Top-Modell V4-Pro, greift neuerlich OpenAI und Co an
Das chinesische KI-Start-up DeepSeek hat die im Vormonat eingeführte Preissenkung für sein Flaggschiff-Modell V4-Pro dauerhaft festgeschrieben. Die Nutzungskosten über die Programmierschnittstelle (API) bleiben damit auf einem Viertel des ursprünglichen Niveaus – ein aggressiver Schritt mitten in einem global eskalierenden Preiskampf um Enterprise-Kunden bei großen Sprachmodellen.
Konkret sinken die API-Preise für V4-Pro auf eine Spanne zwischen 0,025 und 6 Yuan pro Million Token, was umgerechnet rund 0,0035 bis 0,83 US-Dollar pro Million Einheiten entspricht. Vor der Anpassung lagen die Tarife noch bei 0,1 bis 24 Yuan pro Million Token. Die exakte Höhe richtet sich nach Nutzungsart – günstig für reine Texteingabe, teurer für die rechenintensivere Textgenerierung. Ein Token bezeichnet dabei die kleinste verarbeitbare semantische Einheit, üblicherweise ein Wort oder Wortbestandteil.
Mit dieser Tarifstruktur positioniert sich DeepSeek international als einer der günstigsten Anbieter im Premium-Segment für Sprachmodelle. Der Schritt erhöht den Druck auf westliche Marktführer wie OpenAI und Anthropic, deren Modelle der Spitzenklasse pro Million Token typischerweise ein Vielfaches kosten. Chinesische Anbieter versuchen zunehmend, mit aggressiven Preisen direkt in die Margenstruktur amerikanischer Konkurrenten einzudringen.
Huawei-Chips als Fundament der Preissenkung
Eng verknüpft ist der Vorstoß mit der Hardware-Strategie: DeepSeek setzt für das V4-Modell auf Halbleiter vom Typ Huawei Ascend 950 – nicht auf Nvidia-GPUs, die für chinesische Kunden durch US-Exportkontrollen schwerer zugänglich sind. Bei der Markteinführung des V4-Modells im Vormonat hatte DeepSeek die Pro-Version noch bis zu zwölfmal teurer als die schlankere Flash-Variante angeboten und dies mit Engpässen bei High-End-Rechenkapazitäten begründet.
Ob die dauerhafte Preissenkung nun direkt auf eine entspannte Huawei-Lieferkette zurückgeht, ließ das Unternehmen offen. Allerdings hatte DeepSeek bereits zuvor prognostiziert, dass die Infrastrukturkosten deutlich sinken würden, sobald die sogenannten Supernodes der Ascend-Serie in der zweiten Jahreshälfte 2026 in größerem Umfang ausgeliefert werden. Die Kombination aus DeepSeek und Huawei gilt strategisch als Kern eines eigenständigen chinesischen KI-Stacks, der die Abhängigkeit von US-Halbleitern reduziert.
Erstmalige externe Finanzierungsrunde bei bis zu 50 Milliarden Dollar Bewertung
Parallel zur Preisoffensive arbeitet DeepSeek an seiner ersten externen Finanzierungsrunde überhaupt. Das von Hedgefonds-Milliardär Liang Wenfeng gegründete Labor – er hält rund 90 Prozent der Anteile – hatte sich bislang konsequent gegen Außenkapital gesperrt und sich aus dem Hedgefonds High-Flyer selbst finanziert. Nun strebt das Unternehmen laut Berichten von Reuters und anderen Medien eine Runde im Volumen von drei bis vier Milliarden US-Dollar an.
Die Bewertung ist innerhalb weniger Wochen rasant gestiegen: Ursprünglich peilte DeepSeek Anfang der Gespräche eine Bewertung von mindestens 10 Milliarden Dollar an, Ende April lag die Zahl bereits bei rund 20 Milliarden. Aktuelle Berichte von Financial Times und Bloomberg nennen 45 Milliarden Dollar, während die South China Morning Post sogar von bis zu 50 Milliarden Dollar spricht.
Angeführt wird die Runde laut den Berichten vom chinesischen staatlichen Halbleiterfonds China Integrated Circuit Industry Investment Fund („Big Fund III“). Beteiligen sollen sich zudem Tencent, Alibaba sowie der Investor Hillhouse. Wäre der Deal ein Markstein: Es wäre die erste bekannte Beteiligung des Big Fund an einem chinesischen Anbieter großer Sprachmodelle – ein deutliches politisches Signal, dass Peking DeepSeek als nationalen Champion im KI-Wettlauf mit den USA positioniert.
Liang habe sich laut Financial Times vor allem deshalb für eine Öffnung des Cap Table entschieden, um Mitarbeitenden Anteile anbieten zu können – Hintergrund sei zunehmendes Abwerben durch Konkurrenten wie Alibaba, ByteDance und Moonshot AI. Das frische Kapital soll vor allem in den Ausbau der Recheninfrastruktur fließen.

