Der Businessplan: Warum er zählt – und wie man ihn richtig aufbaut
Investor:innen sagen oft, der erste Businessplan halte sowieso nie. Trotzdem führt kein Weg an ihm vorbei, er ist wohl der wichtigste erste Schritt für jedes Startup. Mirjam Hagen vom Gründerservice der Tiroler Wirtschaftskammer erklärt, warum das Dokument unverzichtbar bleibt und worauf es beim Schreiben wirklich ankommt.
Orientierung statt starres Konstrukt
„Ein Businessplan bildet die zentrale Grundlage jeder Gründungsidee“, sagt Hagen. Er verschriftliche eine Vision und verwandle eine erste Idee in ein konkretes Konzept. Entscheidend dabei: Wer ihn als unveränderliches Regelwerk begreift, denkt falsch. „Ein Businessplan sollte nicht als starres Konstrukt betrachtet werden, sondern sich laufend an neue Gegebenheiten anpassen können und dürfen“, so Hagen. Der Businessplan dient als erste Orientierung, nicht als Endpunkt.
Wo Gründer:innen Unterstützung finden
Wer beim Erstellen nicht allein starten will, findet in Österreich ein breites Netz an Anlaufstellen. Die größte Businessplan-Initiative des Landes, i2b, stellt Vorlagen und praxisnahe Tipps bereit und vermittelt Feedback von über 150 Fachexpert:innen. Ergänzend dazu erleichtert das kostenlose Finanzplanungstool Plan4You den rechnerischen Teil des Plans.
Die Wirtschaftskammer Tirol bietet darüber hinaus die Tiroler Beratungsförderung an. In Zusammenarbeit mit dem Land Tirol ermöglicht sie es, gemeinsam mit einer Unternehmensberatung einen professionellen Businessplan zu entwickeln. Wer zusätzliche Struktur im Erstellungsprozess sucht und offene Fragen klären will, kann außerdem den Geschäftsmodell-Check nutzen.
Zukunftsfähig aufstellen
„Für ein zukunftsfittes Geschäftsmodell ist es wichtig, sich frühzeitig zu informieren, Vorträge und Workshops zu besuchen sowie interessiert und offen für Neues zu bleiben“, erläutert Hagen. In Tirol steht dafür ein starkes Netzwerk bereit: Der InnCubator setzt bereits in einer sehr frühen Phase an und hilft, die Geschäftsidee fit für die Zukunft zu gestalten. Auch das Ökosystem von Startup.Tirol bietet eine verlässliche Anlaufstelle.
Was Investor:innen wirklich prüfen
Beim Lesen eines Businessplans rückt zunächst der rechnerische Teil in den Fokus. Investor:innen prüfen genau, ob Gründer:innen mit zu optimistischen Annahmen arbeiten, um das Geschäftsmodell besser darzustellen. „Umso wichtiger ist es, hier möglichst realistisch zu kalkulieren, damit potenzielle Investor:innen ein klares und glaubwürdiges Bild erhalten“, empfiehlt Hagen.
Doch Zahlen allein entscheiden nicht. Mirjam Hagen: „Diese persönliche Komponente wird häufig unterschätzt, spielt jedoch eine entscheidende Rolle bei der Bewertung“: Wer steht hinter der Idee? Was treibt die Gründer:innen an? Wie ist das Team zusammengesetzt? Diese Fragen wiegen oft genauso schwer wie die Finanzplanung.
Der Businessplan mag sich verändern, doch seine Funktion als Fundament bleibt. Wer früh damit beginnt, realistisch kalkuliert und die verfügbaren Beratungsangebote nutzt, legt den Grundstein für eine überzeugende Gründung.

