Enerkiekrise

Europa bereitet Blackout-Pläne vor, um Energiechaos im Winter abzuwenden

Kerzenlicht bei Blackout © Rebecca Peterson-Hall on Unsplash
Kerzenlicht bei Blackout © Rebecca Peterson-Hall on Unsplash

Europa bereitet sich derzeit auf einen sehr harten Winter vor. Im Zuge des Ukraine-Kriegs ist eine echte Energiekrise ausgebrochen, die schon jetzt mit hohen Preisschüben in Verbindung steht. Doch im „russischen Winter“ wird der Verbrauch aufgrund des Heizens noch wesentlich höher, was eine weitere Gefahr bedeutet: Der Blackout. Auf dieses Szenario bereiten sich viele europäische Energieversorger bereits jetzt vor, berichtet Bloomberg.

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Im schlimmsten Fall gezielt Strom ausschalten

Das Worst-Case-Szenario sieht wie folgt aus: Aufgrund des hohen Energieverbrauchs im Winter werden die Vorräte der Stromversorger an ihre Grenzen gehen. Deswegen müssen sie einige industrielle Großverbraucher abschalten und sogar eine Massenaufforderung an die Haushalte schicken, ihren Stromverbrauch zu drosseln. An einigen Stellen müssen sie sogar den Strom abschalten, um einen völligen Zusammenbruch des Systems zu verhindern.

Diese Situation wird mit der wachsenden Energieknappheit immer wahrscheinlicher. Am Mittwoch erklärte das französische Reseau de Transport d’Electricite, dass es das Land in diesem Winter wahrscheinlich mehrmals auffordern muss, den Verbrauch zu senken, um einen Blackout zu vermeiden. Auch Finnland hat seine Warnungen vor Stromausfällen verschärft. Diese Alarmbereitschaft folgt auf die Entscheidung Russlands, die Gaslieferungen durch die wichtige Nord-Stream-Pipeline zu stoppen, was die Aussicht auf einen Mangel an Gas zum Heizen von Häusern und zur Stromerzeugung weiter erhöht.

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Situation ist stark vom Wetter abhängig

„Die Realität ist, dass es in Europa nicht genug Gas gibt“, zitiert Bloomberg Ed Birkett, den Leiter des Bereichs Energie und Klima bei Onward, einem in London ansässigen Thinktank. „Wenn die Nachfrage nicht gesenkt wird, werden die Unternehmen vom Netz gehen müssen, und im Extremfall müssen die Haushalte vom Netz gehen.“ Es gibt zahlreiche aktuelle Präzedenzfälle für dieses Szenario. Im Jahr 2021 fiel das texanische Stromnetz während eines Kälteeinbruchs aus, wodurch Millionen von Menschen tagelang ohne Strom auskommen mussten. In Kalifornien kam es diesen Monat bei extremer Hitze beinahe zu einer solchen Situation.

Für Europa wird in den kommenden Monaten laut Expert:innen viel vom Wetter abhängen. Kleine Temperaturschwankungen könnten den Strombedarf radikal verändern. In Frankreich führt ein Temperaturrückgang um ein Grad Celsius normalerweise zu einem Anstieg des Strombedarfs um etwa 2.400 Megawatt, was der Leistung von zwei der 56 französischen Kernreaktoren entspricht. Die Europäische Kommission schlug am Mittwoch eine Verordnung vor, in der die Regierungen aufgefordert werden, den Stromverbrauch insgesamt um zehn Prozent zu senken sowie eine obligatorische Reduzierung um fünf Prozent während der Spitzenlastzeiten vorzunehmen.

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Preisdeckel könnten Lage verschlechtern

Doch einige staatliche Hilfsmaßnahmen könnten das Problem noch verschärfen. Preisobergrenzen, die Verbraucher:innen und Unternehmen helfen sollen, mit den steigenden Preisen fertig zu werden, verringern die Anreize für einen geringeren Verbrauch. In Österreich ist eine Stromkostenbremse bereits beschlossen. Sie wird voraussichtlich am 1. Dezember wirksam und gilt bis zum 30. Juni 2024. Haushalte zahlen den Grundbedarf an Strom (2.900 kWh/Jahr = 242 kWh/Monat) zum Preis auf Vorkrisenniveau, die Differenz zum Marktpreis übernimmt der Staat (wir berichteten).

Wenn die Krise eskaliert, ist die Unterbrechung der Stromzufuhr zu den Haushalten der letzte Ausweg, und es gibt eine Reihe von Optionen, die die Behörden als erstes ergreifen werden. Die einfachsten haben bereits begonnen. Regierungen haben empfohlen, die Thermostate herunterzudrehen und kürzer zu duschen, und sie reduzieren ihren eigenen Verbrauch, indem sie die Temperaturen in öffentlichen Schwimmbädern senken und die Außenbeleuchtung öffentlicher Gebäude nachts abschalten. Maßnahmen sollen hier speziell die Spitzenzeiten unter Tags betreffen, zu denen der Verbrauch besonders hoch ist. Das betrifft insbesondere Haushalte, die noch nicht über Smart Meter verfügen, die den Verbrauch automatisch drosseln können.

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Geplanter Blackout als letztes Mittel

Im Falle Frankreichs ermöglicht das Ecowatt-System den Bürger:innen, die Prognosen für das Stromangebot und die Stromnachfrage für die kommenden Tage zu verfolgen, und zwar in drei Stufen: grün, orange und rot. Wenn der Netzbetreiber erwartet, dass die Situation kritisch wird, gibt er am Vorabend eine Warnung aus. „In seltenen Fällen, in denen nicht der gesamte Strombedarf gedeckt werden kann, können lokale, kontrollierte Stromausfälle von maximal zwei Stunden Dauer organisiert werden“, heißt es auf der EcoWatt-Website.

Ein geplanter Blackout ist zwar problematisch, aber immer noch besser als ein unkontrollierter Blackout, da hier die Versorgung immer wieder belastet wird. Geplante Ausfälle ermöglichen es den Betreibern, chaotische Situationen zu vermeiden, in der es Tage dauert, bis alles wieder funktioniert. In anderen Ländern gibt es ähnliche Verfahren. Wenn der Notfallplan in Großbritannien ausgelöst wird, würden zunächst Haushalte und Industrie aufgefordert, Energie zu sparen. Der nächste Schritt wäre, dass große energieintensive Unternehmen ihren Betrieb einstellen.

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Warnungen an Bevölkerung funktionieren

Jüngste Erkenntnisse aus Kalifornien zeigen, dass solche Maßnahmen funktionieren. Am 6. September rief die Katastrophenschutzbehörde des Bundesstaates die höchste Stufe des Netznotstands aus und verschickte eine SMS-Warnung: „Schalten Sie den Strom ab oder reduzieren Sie ihn, wenn es Ihr Gesundheitszustand erlaubt, jetzt und bis 21 Uhr“. Innerhalb weniger Minuten ging der Stromverbrauch zurück. Der Notstand wurde später aufgehoben, ohne dass es zu Stromausfällen kam. Frankreich hat seine eigenen Schätzungen veröffentlicht, um die Befolgung solcher Aufforderungen zu fördern. Wenn jeder Haushalt eine Glühbirne ausschalten würde, ließen sich 600 Megawatt einsparen, was dem Verbrauch von 600.000 Einwohner:innen entspricht.

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