DMA

Apple versucht, Siri AI für die EU durchzubekommen

Siri AI. © Apple
Siri AI. © Apple

Die Einführung der revolutionierten Siri-KI steht in der EU vor massiven Hürden. In einem jüngsten Treffen zwischen Apple-Chef Tim Cook und der EU-Technikkommissarin Henna Virkkunen wurde versucht, die „Temperatur in diesem erbitterten Streit zu senken“, berichtet die Financial Times. Trotz der als „konstruktiv“ bezeichneten Gespräche bleibt die Situation für Nutzer von iPhone und iPad vorerst unverändert: Die neue KI-Funktionalität wird in diesen Geräten in der EU nicht erscheinen.

Dass Cook persönlich zu den Gesprächen aufgebrochen ist, zeigt, wie wichtig der EU-Markt Apple ist. Cook wird bald als CEO des Konzerns zurücktreten, aber weiter an Bord bleiben, um eben Gespräche wie diese auf höchster Ebene, etwa mit Politiker:innen in Washington oder Brüssel, zu führen.

Der Kern des Konflikts: Das Digital Markets Act (DMA)

Der Grund für den Stillstand ist der Digital Markets Act (DMA), ein zentrales EU-Gesetz zur Förderung des Wettbewerbs. Das Gesetz verpflichtet sogenannte „Gatekeeper“ – zu denen auch Apple gehört – dazu, ihre Plattformen für Wettbewerber zu öffnen.

Das Problem bei der neuen Siri AI ist die Tiefe des Systemzugriffs: Die KI soll in der Lage sein, auf persönliche Nutzerdaten wie E-Mails, Nachrichten und Kontakte zuzugreifen, um kontextbezogene Aufgaben auszuführen. Nach den Regeln des DMA muss Apple jedoch sicherstellen, dass auch Drittanbieter von KI-Assistenten (wie etwa OpenAI oder Anthropic) denselben Grad an Interoperabilität und Zugriff auf diese Daten erhalten, sofern dies für deren Funktion notwendig ist.

Apples Strategie: Der „Trusted System Agent“

Apple sieht in dieser Forderung ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Privatsphäre seiner Nutzer. Das Unternehmen argumentiert, dass eine vollständige Öffnung der Daten den Schutzstandard der Geräte untergraben würde.

Um den Anforderungen des DMA dennoch zu begegnen, schlug Apple ein technisches Modell vor, das es als „Trusted System Agent“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Software-Schicht, die als Puffer zwischen den persönlichen Nutzerdaten und den KI-Modellen von Drittanbietern fungiert. Ziel ist es, Konkurrenten den Zugriff auf notwendige Informationen zu ermöglichen, ohne dass diese die Rohdaten direkt einsehen oder speichern können. Apple strebt in diesem Zusammenhang eine Aussetzung der Interoperabilitäts-Pflichten für einen Zeitraum von 18 Monaten an, um diese Technologie zu implementieren.

Brüssels Ablehnung: Kein „regulatorischer Urlaub“

Die EU-Kommission hat diese Vorschläge bisher abgelehnt. Aus Sicht der Regulierer handelt es sich bei Apples Forderung nach einer Fristverlängerung um einen „regulatorischen Urlaub“, der den Wettbewerb verzerren würde.

Die Sorge der EU ist eine asymmetrische Marktsituation: Würde Apple Siri AI mit vollem Datenzugriff auf iPhones ausrollen, während Wettbewerber aufgrund fehlender technischer Schnittstellen noch keinen vergleichbaren Zugriff haben, würde dies Apple einen unfairen Vorsprung verschaffen. Die Kommission betont, dass die Regeln für alle Marktteilnehmer gleichzeitig und ohne Sonderausnahmen gelten müssen, um ein faires Spielfeld zu gewährleisten.

Regionale Unterschiede und politisches Spannungsfeld

Während die Einführung auf iOS und iPadOS blockiert bleibt, wird Siri AI in der EU auf anderen Plattformen wie macOS, watchOS und visionOS gestartet werden. Hier greifen die strengeren Gatekeeper-Regeln des DMA in diesem Umfang offenbar nicht.

Der Streit findet zudem vor einem politisch sensiblen Hintergrund statt. Die US-Regierung unter Donald Trump hat die digitalen Regulierungen der EU bereits kritisiert und droht mit Vergeltungsmaßnahmen wie Zöllen, sollte die EU US-Unternehmen durch „unfaire Strafen“ benachteiligen.

Für Apple-Nutzer in der EU bedeutet die aktuelle Pattsituation vorerst, dass die volle Leistungsfähigkeit der neuen KI-Funktionen auf dem iPhone ausbleibt, solange weder Apple noch die EU eine Einigung über die technische Umsetzung der Interoperabilität erzielen konnten.

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