Startup

notarity verkündet Break-Even nach jahrelangem Rechtsstreit mit Notariatskammer

Das notarity-Team © notarity
Das notarity-Team © notarity

Das Wiener Legal-Tech-Unternehmen notarity hat nach eigenen Angaben erstmals die Gewinnzone erreicht. Fünf Jahre nach der Gründung habe man den Umsatz im Jahresabstand verdoppelt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Treiber sei das internationale Corporate-Geschäft: Die Zahl der digitalen Beglaubigungen für Unternehmen, Kanzleien und institutionelle Kunden habe sich im Jahresvergleich vervierfacht, mehr als 70 Prozent des Umsatzes würden mittlerweile außerhalb Österreichs erzielt.

„Damit haben wir den Break-even erreicht und den entscheidenden Schritt vom wachstumsstarken Startup zum profitablen Global Champion gemacht“, sagt CEO Jakobus Schuster. Konkrete Umsatzzahlen nennt das Unternehmen nicht, geprüfte Abschlüsse liegen nicht vor.

Rund 10.000 Beglaubigungen pro Monat

Über die Plattform wickeln laut notarity aktuell rund 400 Notarinnen und Notare Amtsgeschäfte ab; seit der Gründung im Sommer 2021 seien mehr als eine Viertelmillion digitale Beglaubigungen zustande gekommen, derzeit rund 10.000 pro Monat. Knapp 2.000 internationale Unternehmen – laut Firmenangaben großteils mit mehr als 500 Beschäftigten – nutzen den Dienst, darunter die Wirtschaftskanzleien DLA Piper und Baker McKenzie. Wichtigste Märkte außerhalb der EU seien Großbritannien, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Schweiz.

Grundlage des Geschäftsmodells ist eine 2020 beschlossene Novelle der österreichischen Notariatsordnung, die die vollständig digitale Errichtung fast aller Notariatsakte ermöglicht. Beglaubigungen über die Plattform gelten laut Unternehmen in mehr als 100 Ländern.

Jahrelanger Streit mit der Notariatskammer

Der Weg dorthin verlief konfliktreich. Die Österreichische Notariatskammer (ÖNK) brachte Ende September 2023 eine Klage gegen die notarity GmbH beim Handelsgericht Wien ein; sie ging davon aus, dass das Geschäftsmodell nicht den geltenden rechtlichen Regelungen entspreche. Aus Sicht der Kammer dürfen hoheitliche Leistungen wie die Beglaubigung einer Unterschrift ausschließlich von Notarinnen und Notaren sowie Gerichten angeboten und abgerechnet werden. notarity wies das zurück und argumentierte, lediglich zu vermitteln; das Startup legte ein eigenes Rechtsgutachten vor. Pikant: Mit seiner Plattform steht das Unternehmen in direkter Konkurrenz zur IT-Tochter der Kammer, die ein vergleichbares System anbietet.

Im September 2024 wies das Handelsgericht Wien die beiden Hauptunterlassungsbegehren der ÖNK ab, gab ihr aber bei mehreren Eventualbegehren recht: Untersagt wurden unter anderem Werbung mit Fix- oder Nettopreisen und die Aussage, die Plattform stehe Nutzerinnen und Nutzern kostenfrei zur Verfügung; zudem darf notarity Honoraransprüche von Notaren weder abtreten lassen noch verrechnen. Beide Seiten sahen sich bestätigt – und gingen beide in Berufung. notarity sprach damals von „horrenden Anwalts- und Verfahrenskosten“.

Geschäftsmodell rechtmäßig, „Kleinigkeiten“ aber nicht

Im Juli 2025 entschied das Oberlandesgericht Wien in zweiter Instanz: Es wies die Klage der Kammer in den Hauptpunkten erneut ab und bestätigte die grundsätzliche Rechtmäßigkeit des Geschäftsmodells in allen wesentlichen Punkten. In einzelnen Aspekten zu Werbung und Preisgestaltung bekam die ÖNK jedoch recht. Gegenüber der ersten Instanz verschob sich dabei wenig: Ein zuvor abgelehntes Eventualbegehren wurde stattgegeben, ein anderes fiel weg. Die Kammer sah ihr erstinstanzliches Ergebnis bestätigt, für CEO Schuster handelte es sich um „Kleinigkeiten“, an der praktischen Arbeit ändere sich nichts.

Unterm Strich hat sich notarity in der Kernfrage durchgesetzt – mit Abstrichen bei Marketing und Preisauszeichnung. Die nun verkündete Profitabilität will das Unternehmen nutzen, um die Expansion „aus einer Position finanzieller Stärke“ voranzutreiben.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen