Mehr als 7.000 Jobs weg: Großer Stellenabbau in der Krypto-Industrie
Die Krypto-Industrie befindet sich mitten in einer Kündigungswelle. Zuletzt hat die Börse Luno angekündigt, rund 20 Prozent ihrer weltweiten Belegschaft abzubauen. Laut einem Bloomberg-Bericht begründet CEO James Lanigan den Schritt mit Investitionen in Automatisierung und breiteren operativen Verbesserungen, die den Ressourcenbedarf des Unternehmens verändert hätten. Gleichzeitig verschiebt Luno den Fokus stärker in Richtung institutioneller Kundschaft, Finanzinfrastruktur und B2B-Services. Das Unternehmen wurde in Südafrika gegründet, gehört zur Digital Currency Group (DCG) und zählt nach eigenen Angaben rund 16 Millionen Nutzer:innen in Afrika und im asiatisch-pazifischen Raum. Es ist nicht der erste Einschnitt: Bereits im Jänner 2023 hatte Luno 35 Prozent der Stellen gestrichen, damals rund 330 Beschäftigte.
Luno ist kein Einzelfall. Die Tracking-Plattform CryptoJobsList, die Kündigungen aus öffentlichen Ankündigungen und Medienberichten zusammenträgt, verzeichnet allein im Juli 2026 Stellenkürzungen oder Restrukturierungen bei zwölf Krypto- und krypto-nahen Unternehmen mit insgesamt 894 offengelegten betroffenen Jobs. Für das gesamte Jahr 2026 kommt die Plattform auf mehr als 7.254 offengelegte Stellenstreichungen bei 47 Unternehmen. Als häufigster genannter Grund führt CryptoJobsList „market conditions“ an, also die Marktlage.

Warum die Branche schrumpft
Der Hintergrund ist ein ausgeprägter Bärenmarkt. Bitcoin hat am 6. Oktober 2025 mit rund 126.200 US-Dollar ein Allzeithoch markiert und seither etwa die Hälfte seines Werts verloren – Ende Juli 2026 notiert BTC je nach Handelsplatz im Bereich von 60.000 bis 64.000 Dollar. Anders als bei den Abstürzen von 2022 gibt es diesmal keinen einzelnen Auslöser wie den Terra-Kollaps oder die FTX-Pleite: Weder ist eine große Börse umgefallen noch hat ein bedeutender Stablecoin seine Bindung verloren.
Als Treiber gelten stattdessen makroökonomische Faktoren – der Irankrieg, schwindende Erwartungen an baldige US-Zinssenkungen nach hartnäckiger Inflation sowie Rekordabflüsse aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs, allein im Juni rund vier Milliarden Dollar. Für Krypto-Unternehmen bedeutet das sinkende Handelsvolumina und damit sinkende Gebühreneinnahmen, während viele Firmen ihre Kostenbasis noch im Bullenmarkt aufgebaut haben. Dazu kommt ein zweites Motiv, das in den Begründungen immer häufiger auftaucht: Automatisierung und KI. Mehrere Unternehmen – von BitGo über Kraken bis Crypto.com – nennen den Umbau in Richtung KI-gestützter Prozesse als Grund für den Personalabbau.
Die zehn größten Stellenkürzungen 2026
| # | Unternehmen | Gestrichene Jobs | Anteil der Belegschaft | Datum | Angegebener Grund |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Block (Fintech) | 4.000 | 40 % | 26. Februar 2026 | KI-Umbau |
| 2 | Coinbase (Börse) | 500 | 14 % | 5. Mai 2026 | Marktbedingungen |
| 3 | Robinhood (Fintech) | 290 | 10 % | 16. Juni 2026 | Restrukturierung |
| 4 | Gemini (Börse) | 200 | 25 % | 5. Februar 2026 | Marktbedingungen |
| 5 | Crypto.com (Börse/CeFi) | 180 | 12 % | 19. März 2026 | KI-Umbau |
| 6 | Kraken (Börse) | 150 | 5 % | 16. Mai 2026 | KI-Umbau |
| 7 | LBank (Börse) | 100 | 10 % | 18. Juni 2026 | KI-Umbau |
| 8 | BitGo (Fintech) | 90 | 15 % | 26. Juni 2026 | KI-Umbau |
| 9 | Keyrock (Market Maker) | 60 | 30 % | 15. Juni 2026 | Restrukturierung |
| 10 | Polygon (Layer 2) | 60 | 30 % | 15. Jänner 2026 | Übernahme |
Quelle: CryptoJobsList, Stand Juli 2026. Erfasst werden nur Fälle mit offengelegten Zahlen.
Die Daten sind mit Vorsicht zu lesen: CryptoJobsList erfasst auch krypto-nahe Fintechs, ist also kein reiner Krypto-Indikator. Und die Statistik wird stark von einem einzigen Fall verzerrt – Blocks Abbau von 4.000 Stellen im Februar macht mehr als die Hälfte der Jahressumme aus. Umgekehrt fehlen in vielen Einträgen konkrete Zahlen: Bei Luno etwa ist bislang nur der Prozentsatz dokumentiert, ebenso bei Unternehmen wie Optimism, Swyftx oder Zap Africa, das mit rund 44 Prozent den anteilsmäßig größten Einschnitt des Jahres verzeichnet.
Weitere Fälle aus dem Juli: Die Wallet-Firma Exodus kündigte an, 25 Prozent der Belegschaft abzubauen und sich rund um eine Plattform für Kartenausgabe und Stablecoin-Zahlungen neu aufzustellen – das soll jährlich zehn bis 13 Millionen Dollar an operativen Kosten sparen. Der Blockchain-Infrastruktur-Entwickler Gnosis wiederum forderte am Dienstag über X Unternehmen dazu auf, sich für Kontakte zu ehemaligen Mitarbeiter:innen zu melden; im Quartalsbericht vom 17. Juli hatte Gnosis eine Verkleinerung der Belegschaft nach einer Überprüfung der Consumer-App bestätigt.
Und dann sperrt auch noch BitMEX zu
Wie tief der Einschnitt geht, zeigt ein Fall, der über Stellenabbau hinausgeht: Mit BitMEX schließt eine der prägendsten Krypto-Börsen überhaupt. Betreiber HDR Global Trading Limited kündigte am 23. Juli an, den Handelsbetrieb mit 23. September 2026 um 04:00 UTC einzustellen – nach einer „strategischen Überprüfung des Geschäfts und der breiteren Krypto-Industrie“, wie es im Blogeintrag heißt. Neue Accounts werden mit sofortiger Wirkung nicht mehr angelegt, ab 26. August können Nutzer:innen bestehende Positionen nur noch reduzieren, nicht mehr aufbauen; offene Positionen werden zwangsweise geschlossen. Wer sein Guthaben nach dem Stichtag nicht abgezogen hat, muss mit monatlichen Verwahrgebühren rechnen.
BitMEX war 2014 gestartet und hat mit dem Perpetual Swap mit bis zu 100-fachem Hebel ein Produkt erfunden, das heute zum meistgehandelten Instrument der Branche gehört und von zahllosen Börsen kopiert wurde. In den elf Betriebsjahren gab es nach Angaben des Unternehmens keine durch Hacks verlorenen Kundengelder – dafür massive juristische Probleme: Die Gründer Arthur Hayes, Benjamin Delo und Samuel Reed bekannten sich schuldig, gegen den Bank Secrecy Act verstoßen und kein ausreichendes Anti-Geldwäsche-Programm implementiert zu haben. US-Präsident Donald Trump begnadigte sie 2025. Zuletzt hatte BitMEX im Derivatehandel jedoch massiv Marktanteile an schnellere zentrale Konkurrenten und an dezentrale Derivate-Plattformen verloren.

